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23:33 22 Oktober 2019
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    Backstage im Politiktheater: Gehetzte Politiker, gestresste Journalisten – TV-Doku

    © AFP 2019 / Odd Andersen
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    „Nervöse Republik“ – so heißt der neue Dokumentarfilm des Journalisten Stephan Lamby. Er hat deutsche Politiker und Politikerinnen sowie Journalisten über ein Jahr bei ihrer Arbeit begleitet. Der Film zeigt, welche Macht Medien in Deutschland haben, wie sie mit der Politik vernetzt sind und welchen Einfluss das Internet auf alle Beteiligten hat.

    Die politische Klasse in Deutschland steht mächtig unter Druck. Auch Journalisten erleben einen Umbruch. Politische Debatten werden zunehmend über Facebook und Twitter geführt – selten konstruktiv, oft verletzend. Gerüchte und Verschwörungstheorien kommen ungebremst in Umlauf, ebenso Hass-Mails.

    Über ein Jahr, beginnend im Frühling 2016, hat der Journalist Stephan Lamby die Protagonisten seiner Dokumentation begleitet. Ein Jahr, das kein leichtes war: Brexit, Donald Trump, die Alternative für Deutschland (AfD), „Volksverräter“-Rufe, Amoklauf in München oder der Berliner Weihnachtsmarktanschlag. All dies wird in dem Film aus Sicht von Journalisten und Politikern durchlebt. So eilen Abgeordnete und Minister zwischen Beschimpfungen, Meinungsumfragen und Wahlkampfauftritten durch die Woche, umlauert von unzähligen Kamerateams. Dazu blasen Online-Redaktionen hektisch Eil-Meldungen ins Land.

    Viele Bürger verlieren bei den politischen Auseinandersetzungen die Orientierung. Sie fühlen sich von „denen in Berlin“ nicht mehr verstanden. Die Folge: Große Teile der politischen Klasse und der Bevölkerung driften auseinander. Heizen Politiker und Journalisten diese Entwicklung selbst an? Oder sind auch sie überfordert?

    Die Zuschauer können unter anderem miterleben, wie Sahra Wagenknecht (Linke) und Frauke Petry (AfD) sich von den deutschen Medien zu distanzieren versuchen. Oder auch wie CDU-Generalsekretär Peter Tauber trotz verlorener Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin die Haltung bewahren muss. Die Kamera fängt ebenso einen sprachlosen Innenminister Thomas de Maiziere ein, der in schwarzer Limousine erst einmal beherzt in eine Jumbo-Packung Weingummis greift – als Nervennahrung.

    Der Film zeigt aber auch die andere Seite: die gestressten Journalisten, stets auf der Jagd nach Einschaltquoten und Klickzahlen. Ein Interview mit dem ehemaligen BILD-Chef Kai Diekmann offenbart, dass seine Redaktion versucht, gegen die AfD zu kämpfen und nicht einfach nur über sie berichten will. Es geht um Meinungsmache.

    "Nervöse Republik" ist ein entlarvender Zeitzeugenbericht, der trotz öffentlich-rechtlicher Finanzierung kritisch hinter die Kulissen von Medien und Politik schaut. Manchmal recht polemisch, jedoch nicht verfälschend und in jedem Fall aufschlussreich. Eine Dokumentation, die unter die Haut geht.

    "Nervöse Republik" wird erstmals am 19. April, 22.45 Uhr, in der ARD ausgestrahlt.

    Eine Kritik von Sputnik-Politikchef Marcel Joppa

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    Tags:
    Medien, Nervöse Republik (Dokumentarfilm), Stephan Lamby, Deutschland