14:27 21 August 2018
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    Beispielsweise in Österreich können die „Zeugen Jehovas“ nach wie vor ihrer Tätigkeit nachgehen. Verbote drohen ihnen dort nicht.

    Was tun mit „Zeugen Jehovas“ – verbieten oder bemitleiden?

    © AFP 2018 / Dieter Nagl
    Gesellschaft
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    Das russische Justizministerium will die Arbeit des Verwaltungszentrums der Religionsgemeinschaft „Zeugen Jehovas“ wegen extremistischer Tätigkeit einstellen. Die Organisation bestreitet dies und hält sich selbst nun für ein Opfer.

    Russlands Justizministerium hat am 17. März 2017 Klage gegen die „Zeugen Jehovas“ eingereicht. Nach einer Untersuchung zwischen dem 8. und 27. Februar wurde demnach festgestellt, dass die „Zeugen“ gegen das russische Anti-Extremisten-Gesetz verstießen. 95 Bücher der Gemeinschaft sowie ihre acht Abteilungen wurden demnach als extremistisch eingestuft. Am 23. März wurde die Tätigkeit der Organisation eingestellt. Das Justizministerium fordert nicht nur die Einstellung der Gemeinschaft sondern ihre komplette Auflösung.

    „Das Verwaltungszentrum der ,Zeugen Jehovasʻ in Russland ist die Hauptorganisation, die alle Filialen in Russland kontrolliert. Diese religiöse Organisation hat regelmäßig Probleme mit dem Gesetz in Russland, von Gerichtsentscheidungen über das Tätigkeitsverbot und die Liquidierung der Abteilungen bis hin zu Strafen für das Aufbewahren von extremistischen Materialien“, hieß es aus dem Justizministerium.

    Die „Zeugen Jehovas“ reichten Medienberichten zufolge am Mittwoch Gegenklage ein. Sie hielten das Verbot des Justizministeriums für unrechtmäßig und fordern, die Organisation als Opfer politischer Repressionen anzuerkennen.

    „Falls der Klage stattgegeben wird, führt das zu katastrophalen Konsequenzen für die Konfessionsfreiheit in Russland. Dies wird direkt etwa 400 registrierte örtliche Organisationen der ,Zeugen Jehovasʻ und alle 2229 religiösen Gruppen im ganzen Land betreffen, die 175.000 Nachfolger vereinigen“, verlautete es von der Gemeinschaft.

    Das Oberste Gericht Russlands lehnte laut den jüngsten Medienberichten jedoch eine Prüfung der Gegenklage ab.

    Die „Zeugen Jehovas“ sind eine christliche, chiliastisch ausgerichtete und nichttrinitarische Religionsgemeinschaft. Sie bezeichnen ihre innere Verfassung als „theokratische Organisation“, die derzeit aus über sieben Millionen Mitgliedern bestehe. Der Sitz befindet sich in New York. Die „Zeugen Jehovas“ sind durch ihre ausgeprägte Missionstätigkeit, ihre Ablehnung von Bluttransfusionen, das Nichtbegehen aller christlichen Feier- und Festtage außer dem Abendmahl und das Nichtfeiern von Geburtstagen bekannt.

    Tags:
    Entscheidung, Verbot, Repressionen, Klage, Extremismus, Opfer, Gericht, Zeugen Jehowas, Justizministerium Russlands, Russland
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