06:29 06 Dezember 2019
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    Demonstrantin mit verklebtem Mund (Symbolbild)

    Zwänge sind immer gegen Menschen – Medienforscher zu slowakischem Skandal mit Sputnik

    © AFP 2019 / Josep Lago
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    Die slowakischen Politiker, die die Nachrichtenagentur TASR zur Aufhebung des Kooperationsvertrags mit dem russischen Internetportal Sputnik gezwungen haben, haben laut Andrej Raskin, dem Leiter des Rundfunk-Lehrstuhls der Journalismus-Fakultät der Moskauer Lomonossow-Universität nicht besonders klug gehandelt.

    „Beliebige Einschränkungen in die Medienarbeit sind immer zu Ungunsten der Menschen, obwohl der freien Informationsverbreitung gegenwärtig nichts im Wege steht“, sagte Raskin im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin. „Es gibt viele Internetdienste, die für freien Datenfluss sorgen. Allerdings sollten die Slowaken auch daran interessiert sein, unterschiedliche Sichten des aktuellen Geschehens kennenzulernen, insbesondere dessen, was in Europa passiert.“ 

    Die Slowakei grenze nämlich auch an Länder, in denen durchaus auch Konfliktsituationen entstehen, so der Medienforscher. „Folglich dürfte es den Einwohnern schon wichtig sein, eine Vorstellung davon zu bekommen, was etwa in Polen, Ungarn, Deutschland oder auch in Tschechien geschieht. Dabei schaden Einschränkungen vor allem dem Land selbst, das sie einführt.“

    Es sei geradezu gefährlich, wenn „politische Parteien den Medien vorschreiben, mit wem sie zusammenarbeiten dürfen und mit wem nicht. In Russland hat man diese sowjetische Tradition, die mit der Tätigkeit der Kommunistischen Partei verbunden war, längst aufgegeben“, fuhr Raskin fort. „Aber das, was wir jetzt in Europa beobachten, mutet wie ein Versuch an, von dieser keinesfalls demokratischen Erfahrung Gebrauch zu machen(…).“

    Raskin führt dazu weiter aus: „Wenn gewisse Parteien den Medien vorzuschreiben beginnen, was diese zu tun haben, schwingt dabei deutlich eine Vergangenheit mit, in die niemand zurückkehren möchte.“ Für  ihn sei es bitter, Länder, die erklären, an vorderster Front der wesentlichen demokratischen Prozesse zu kämpfen, einen Rückzug von den demokratischen Positionen vollziehen zu sehen.

    Die Slowakei sei für Russland schon von Bedeutung, seitdem sie ein Teil der Tschechoslowakei war, erinnert der Experte. „Wir hatten von alters her freundschaftliche Beziehungen zu ihr. Zum Entstehen der beiden unabhängigen Staaten Tschechien und Slowakei hat auch unser Land beigetragen, welches sie beim Aufbau einer eigenen Wirtschaft unterstützt hat.“

    Mittlerweile aber habe die Slowakei zwiespältige Stellung bezogen, fährt Raskin fort. „Einerseits steht sie Russland nahe, andererseits muss sie auch anderen Ländern nahestehen, die Druck auf sie ausüben. Die innenpolitische Lage in der Slowakei ist nicht einfach. Es ist ein Land, in dem der Agrarsektor am meisten entwickelt ist. Solche Länder hängen stark von äußerem Einfluss wie auch vom Einfluss einiger politischer Parteien ab. Wir hoffen aber, dass die Slowakei diese Etappe ihrer Entwicklung hinter sich bringt und wieder konstruktive Beziehungen zu Russland herstellt, darunter auch im Bereich der Informationszusammenarbeit.“

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    Skandal, Medien, Sputniknews, Sputnik, Russland, Slowakei