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    Ostermarsch in Berlin (Archivbild)

    Ostermarsch 2017: Für Abrüstung und gegen erhöhte Kriegsgefahr – bundesweit Aktionen

    © AP Photo / Roberto Pfeil
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    Die Friedensbewegung in der Bundesrepublik ruft vom 14. bis 17. April zum traditionellen Ostermarsch in vielen Städten und Regionen des Landes auf. „Abrüsten!“ lautet die klare zentrale Forderung. „Wir brauchen Frieden und Völkerverständigung!“, so der Aufruf zum Berliner Ostermarsch am 15. April. Und: „Die Drohpolitik gegen Russland beenden!“

    Die Forderung nach Abrüstung habe in diesem Jahr ein ganz besonderes Gewicht, erklärte Laura von Wimmersperg von der Friedenskoordination Berlin gegenüber Sputnik. „Wir sind sehr besorgt, weil der Rüstungshaushalt um zwei Prozent vom Bruttoinlandsprodukt innerhalb von sieben Jahren steigen soll. Das bedeutet für uns 40 Milliarden Euro mehr Rüstungskosten.“ Es gehe darum, die damit verbundene Aufrüstung und Militarisierung der Gesellschaft deutlich zu machen.

    Es gebe bisher eine gute Resonanz auf den Aufruf, berichtete die Friedensaktivistin aus Berlin. Die Frage nach der erwarteten Zahl, wie viele Menschen teilnehmen, wollte sie nicht beantworten: „Das sagen wir nie. Das ist für uns ein ungeschriebenes Gesetz, dass wir darüber erst am Samstag sprechen.“ Aber die Hoffnung sei immer, dass viele Menschen sich an den Ostermärschen beteiligen. „Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr etwas mehr sind, weil die Bevölkerung sehr besorgt reagiert, wenn wir sie ansprechen, und auch ganz gut informiert ist über die politische Zuspitzung.“ Es werde in allen größeren und kleineren Städten in der Bundesrepublik Ostermärsche geben, kündigte von Wimmersperg an. Sie ging von einer Zahl zwischen 50 und 70 Orten aus.

    Die Friedensbewegung in Deutschland arbeite ununterbrochen, erklärte sie. Der Eindruck, dass die Bewegung kaum vernehmbar ist, liege daran, dass ihre Möglichkeiten sich deutlich zu artikulieren, nur gering seien. „Wir haben kein Geld und wir sind wenige. Wenn wir auf der Straße sind, dann werden wir sehr beachtet und haben Zuspruch.“ Mit Blick auf die Berlin gestand sie ein: „Für diese große Stadt ist die Friedensbewegung eben zu klein.“ In den 36 Jahren ihres Einsatzes für Frieden sei bisher kaum etwas ausgelassen worden, um die Menschen aufzurütteln, berichtete von Wimmersperg. Die Friedensbewegung werde sich auch in den Bundestagswahlkampf in diesem Jahr einmischen und ihre Forderungen der Politik übermitteln.

    Der diesjährige Ostermarsch werde sich auch mit den aktuellen Ereignissen wie dem Krieg in Syrien und dem jüngsten US-Angriff, dem Krieg im Jemen oder der wachsenden West-Ost-Konfrontation auseinandersetzen. In Berlin werde zum Beispiel Jürgen Graesslin, Sprecher der Kampagne "Aktion Aufschrei — Stoppt den Waffenhandel" und Bundessprecher der DFG-VK Deutsche Friedensgesellschaft — Vereinigte Kriegsdienstgegner, auftreten. Alexander Rosen, Kinderarzt und stellvertretendes Vorstandsmitglied der deutschen Sektion der Ärzteorganisation IPPNW, werde über die Gefahr durch Atomwaffen sprechen. Diese nehme zu, wie aktuelle politische Diskussionen zeigten, betonte die Friedensaktivistin.

    In dem Aufruf in diesem Jahr wird auch vor der zunehmenden Konfrontationspolitik gegenüber Russland gewarnt. Die Frage, ob Russland den Westen bedrohe, verneinte von Wimmersperg und sagte, es sei eher andersrum. Die Position in der Friedensbewegung sei aber „sicherlich nicht einheitlich“, bestätigte sie den entsprechenden Eindruck. Es gebe da unterschiedliche Argumentationen in den verschiedenen Gruppen. Für die Berliner Friedenskoordination gelte weiter: „Kooperation statt Konfrontation!“ Von Wimmersperg erinnerte an das Angebot des russischen Präsidenten Wladimir Putin für eine europäische Friedenszone von Wladiwostok bis Lissabon. Ohne gute nachbarschaftliche Beziehungen zu Russland könne es keinen Frieden in Europa geben.

    Die Berliner Friedensbewegten vermissen bei der Bundesregierung die Bereitschaft zur Deeskalation, „wenn wir 150 Kilometer vor Leningrad in Litauen stehen“. Die Aktivistin verwies darauf, dass Berlin von Moskau fordere, das Völkerrecht einzuhalten, aber selbst dem völkerrechtswidrigen US-Angriff auf Syrien zugestimmt habe. Russland habe sich im Unterschied zur westlichen Politik immer vertragstreu verhalten, betonte von Wimmersperg,

    Informationen zu den bundesweiten Ostermärschen online: https://www.friedenskooperative.de/ostermarsch-2017

    Informationen zum Berliner Ostermarsch am 15. April 2017, 12 Uhr: http://www.frikoberlin.de/

    Tilo Gräser

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    Tags:
    Abrüstung, Deeskalation, Ostermarsch, Internationale Ärzte für die Verhütung eines Atomkrieges (IPPNW), Berlin, Deutschland