14:18 20 Oktober 2020
SNA Radio
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    0 192
    Abonnieren

    Stan Vanuytrecht heißt er: Nach monatelanger Suche hat die Gemeinde Saalfelden in Salzburg laut APA jemanden gefunden, der in einer kargen Hütte in den Bergen leben will und wird. Von April bis November soll der Belgier nun dort ohne Strom, Heizung und Gehalt ausharren.

    Über 50 Bewerber soll es gegeben haben – nun steht der neue Einsiedler fest.

    „Wir haben uns für Stan Vanuytrecht entschieden, weil uns seine Persönlichkeit sehr anspricht. Er strahlt Ruhe aus und wirkt gefestigt. Und er hat uns gleich wissen lassen, dass er für längere Zeit als Einsiedler in Saalfelden leben möchte", erläutert der Saalfeldener Bürgermeister Erich Rohrmoser die Entscheidung.

    Der Gewinner des „Castings“ war eigenen Angaben nach von seinem Sieg positiv überrascht.

    „Als ich von der Eremitage in Saalfelden gelesen habe, dachte ich mir: Das ist mein Platz. Hier will ich sein“, so der 59-Jährige. „Ich dachte, ich habe keine Chance.“ Er habe sich schon lange nach einem Leben als Einsiedler gesehnt.

    Wie die Gemeinde auf ihrer offiziellen Webseite mitteilt, blickt der Belgier auf ein bewegtes Leben zurück – sowohl beruflich als auch privat. 

    Nach einer Ausbildung zum Artillerieoffizier und zum Vermessungstechniker war Vanuytrecht bis zu seiner Pension 2014 bei privaten und öffentlichen Energieversorgern tätig. Beim Militär war er zwei Jahre lang in Deutschland stationiert, aus welcher Zeit auch seine guten Deutschkenntnisse stammen.

    Nebenberuflich war der bekennende Katholik im Sozialbereich und in der Kirche tätig. Als freiwilliger Sanitäter machte er elf Jahre lang regelmäßig Nachtdienste in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Im Rahmen seiner Ausbildung zum Diakon betreute er Obdachlose, Alkoholiker und Drogenabhängige.

    Seit seiner Weihung zum ständigen Diakon 2015 unterstützte er den Pfarrer einer Dekanatskirche und besucht Häftlinge in einem Gefängnis und Patienten in einer psychiatrischen Anstalt.

    Privat hat er bereits eine Scheidung hinter sich: Eine psychische Erkrankung seiner früheren Ehefrau, mit der zwei Kinder hat, habe dazu geführt. Nach der Scheidung habe er beinahe in Armut gelebt – heute ist er finanziell abgesichert.

    Über die ungewöhnliche Stellenausschreibung hatten Medien weltweit berichtet. In der kargen Hütte in den Bergen soll der Einsiedler nun ohne Strom und Heizung leben – und ohne Bezahlung. Für den Lebensunterhalt ist der Belgier selbst verantwortlich. Der muss übrigens auch ein guter Zuhörer sein: Gerade bei Sonne im Sommer pilgerten täglich viele Menschen den 1.001 Meter hohen Berg hinauf.

    Das erste Zusammentreffen der Einwohner in Saalfelden mit Vanuytrecht ist für den 30. April im Rahmen der Georgifeier angesetzt.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Manuela Schwesig fordert bei Nord Stream 2 die Grünen heraus: „Sie haben behauptet, dieses Gas...“
    USA erweitern Sanktionen gegen Nord Stream 2
    Reisen nur noch mit Anmeldung? – Spahn-Ministerium plant strengere Auflagen
    „Unethisch“: Deutsche Virologen entschieden gegen Herdenimmunität-Strategie bei Corona-Bekämpfung
    Tags:
    Einsiedler, Alpen, Salzburg, Saalfelden, Österreich