Widgets Magazine
04:46 21 Oktober 2019
SNA Radio
    Nachstellung der Schlacht um Berlin im Militär-Freizeitpark Patriot bei Moskau, 23. April 2017

    „Deutsche sind keine Feinde“ – Junge Hobby-Soldaten erstürmen Moskauer Reichstag

    © Sputnik / Sergej Pirogow
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    Von
    209239
    Abonnieren

    Mehr als 1200 Hobby-Soldaten und rund 30 Kampfwagen haben am Sonntag bei Moskau die „Schlacht um Berlin“ nachgespielt. Höhepunkt der Nachstellung im Militär-Freizeitpark „Patriot“ war der Sturm auf den Reichstag, der dort in kleinerem Maßstab nachgebaut wurde. Sputnik fragte Teilnehmer, was für sie diese Aktion bedeute.

    Vor mehreren tausend Zuschauern wurden am Sonntag Panzerduelle, Häuserkämpfe und sogar ein Luftgefecht zwischen einer Messerschmitt Bf 109 und einer La-7 simuliert. Über das Schlachtfeld rollten historische Panzerkampfwagen V „Panther“, Schützenpanzerwagen Sd.Kfz. 250 und Panzerspähwagen BA-64 auf der „deutschen“ Seite und Kampfpanzer T-34, IS-2 und KW-1 auf der Seite der „Roten Armee“.

    An der knapp zweistündigen Aktion nahmen Statisten aus zehn Staaten, darunter aus Russland, Polen, Italien, Spanien und Israel teil. Den Kern der Schau bildeten aber rund 100 professionelle Stuntleute, die den Nahkampf zeigten, sich brennend aus Ruinen oder „blutend“ aus angeschossenen Panzerwagen stürzten. Am Ende wehte über dem Mini-Reichstag eine rote Fahne.

    "Keine Politik, nur Geschichte"

    Organisiert wurde der Nachbau von der Moskauer Privatuniversität „Synergija“. Deren Pressesprecher Dmitri Tschubarow bezeichnete das Ziel der Veranstaltung als rein pädagogisch: Man wolle die heranwachsende Generation „auf eine verständlichere und zugleich emotionellere Weise“ über die Geschichte Russlands bzw. der UdSSR aufklären.

    Hier geht’s zur großen Fotostrecke (25 Bilder)>>

    „Anders als seinerzeit ihre Eltern lesen die heutigen Jugendlichen nicht so gern Bücher“, so Tschubarow. Dieses neue Aufklärungsformat solle ihnen dabei helfen, die Geschichte besser zu verstehen. Auf kritische Stimmen aus Deutschland angesprochen, beteuerte der Sprecher: „Wir als Universität stehen außerhalb jeder Politik.“

    Sputnik fragte auch junge „Freizeit-Krieger“, was diese selbst von dem Ereignis halten.

    Iwan (18), Seefahrt-Student aus Sankt Petersburg, glaubt nicht, dass die heutige Nachstellung etwas mit Politik zu tun habe. „Ich denke, die Geschichte soll man nicht mit Politik mischen. Wir propagieren hier auf keine Weise eine Überlegenheit über Deutschland. Es geht nur um die Geschichte, nämlich um jene Kapitel, die einfach nie vergessen werden dürfen.“

    Jewgeni (36), IT-Spezialist in Moskau, sieht keine Verbindung zwischen der historischen Reichstag-Attrappe bei Moskau und dem modernen Original in Berlin: „Das hier ist Geschichte.“

    Für Maria (21) sind historische Nachstellungen seit vier Jahren Hobby. Der angehenden Bibliothekarin sei es wichtig, die Atmosphäre der vergangenen Zeiten nachzufühlen. Was die Erstürmung der Reichstag-Kopie angehe, „so denke ich nicht, dass das unbedingt schlimm ist. Das ist schließlich Teil der Geschichte“. Sie selbst sehe die Deutschen nicht als Feinde an und denke auch nicht, dass die Aktion gegen jemanden gerichtet sei.

    Alexander (18) ist überzeugt, dass solche Nachstellungen Menschen sogar dazu bewegen könnten, miteinander in Frieden zu leben. Der junge Mann, der erst im vergangenen Jahr die Schule absolviert hat und Ingenieurwesen studieren möchte, ist gegenüber Deutschen nicht voreingenommen: Was früher war, gehöre längst zur Geschichte, betonte er.

    Viktor, Fahrer aus Weißrussland, spielte bei der Veranstaltung einen deutschen Offizier. Auch für ihn war das Ganze nichts mehr als ein historisches Spektakel, das ohne den Sturm auf den Reichstag einfach nicht vollständig wäre. „Das ist keine Politik, sondern bloß eine interessante Schau.“

    Gegenseitiges Befremden in Berlin und Moskau

    Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte bereits im Februar den Bau einer Minikopie des Reichstags im Patriot-Park angekündigt. Dies sei nötig, damit junge Patrioten lernen, wie man ein Gebäude erstürme.

    Die deutsche Bundesregierung kritisierte die Aktion als befremdlich. Das russische Verteidigungsministerium äußerte wiederum sein Befremden über die Reaktion aus Berlin. Militärsprecher Igor Konaschenkow sagte, dass auch den kommenden Generationen in Russland als auch in Deutschland der Heldenmut der Roten Armee im Kampf gegen Nazideutschland in Erinnerung bleiben sollte. Dazu gehöre auch die Erstürmung des Reichstags im Mai 1945.

    Sergej Pirogow

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Reichstag wird bei Moskau errichtet – erste Bilder
    Schlacht um Stalingrad: Luftbilder von der historischen Rekonstruktion
    Die Schlacht um Stalingrad
    Fotoausstellung in Berlin: 65. Jahrestag der Schlacht um Stalingrad
    Tags:
    Reichstag, Reichstag, Kubinka, Berlin, Russland