06:15 21 Juli 2018
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    Nachtwölfe im Treptower Park (Archivbild)

    Dem deutschen Volke: Russische „Nachtwölfe“ bringen Buchgeschenk nach Berlin

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    „Sieger und Erben“ heißt ein Buch, das die 16.000 Namen jener Soldaten enthält, die an der Siegesparade auf dem Roten Platz am 24. Juni 1945 teilnahmen. Mitglieder des russischen Motorradclubs „Nachtwölfe“ bringen dieses Buch nach Berlin, als Geschenk an das deutsche Volk. Sputnik hat mit den Bikern gesprochen.

    Am 27. April starten die Nachtwölfe zu einer Tour unter dem Motto „Straßen des Sieges – nach Berlin“. Bei dieser Aktion werden die Motorradfans Kriegsdenkmäler und Grabstätten besuchen und das Buchgeschenk in die deutsche Hauptstadt bringen.

    „Dieses Buch wollen wir Berlin zur ewigen Verwahrung übergeben, als Geschenk an das deutsche Volk. Damit sie die Namen der besten Sowjetsoldaten kennen, die Deutschland von der Diktatur des Faschismus befreiten“, sagte der Historiker und Buchautor Nikolai Nad.

    Schon das dritte Mal in Folge veranstaltet der Motorrad-Club eine Tour nach Berlin. Der Anführer der Nachtwölfe, Alexander Saldostanow mit dem Spitznamen „Chirurg“, hofft, dass die europäischen Behörden diesmal – anders als in den Jahren zuvor – ihrer Tour nicht im Wege stehen werden. Schließlich werde derzeit nur positiv über die bevorstehende Aktion berichtet, immer mehr Europäer unterstützen sie und wollten sich ihr anschließen, sagte er. Er persönlich werde die Motorradkolonne nur bis nach Brest führen. Wegen der Sanktionen sei für ihn an der Grenze zur EU Schluss.

    „Dieses Jahr ist die Tour eine echte Massenveranstaltung. Bis zu 1.000 Biker werden sich uns anschließen. So viele Anfragen aus verschiedenen Ländern hatten wir noch nie“, sagte der Sprecher der Nachtwölfe, Andrej Bobrowski, im Sputnik-Interview.

    Die Biker fahren gemeinsam von Moskau in die weißrussische Grenzstadt Brest. Von dort aus geht es weiter nach Polen, in die Slowakei, nach Ungarn, Tschechien und Deutschland. Ein Biker-Club vom Balkan startet in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana und schließt sich den Wölfen über Ungarn an.

    „Wird uns das polnische Außenministerium sein Okay für die Durchfahrt geben? Noch lassen sie sich Zeit. Aber auf der Erfahrung der letzten Jahre basierend, hoffen wir, dass wir die Visa im letzten Moment doch noch bekommen“, sagt Bobrowski.

    „Für alle Fälle starten in Moskau auch ein paar Polen, Tschechen und Ungarn mit uns. Sie werden die Grenze in Brest in jedem Fall passieren. Dort werden wir auch von polnischen Freunden erwartet. Werden wir unsere Tour nicht fortsetzen können, übergeben wir ihnen wenigstens etwas heilige Erde aus der Festung von Brest, damit sie sie in Berlin, im Treptower Park am Denkmal des sowjetischen Befreiungssoldaten, niederlegen.“

    Die Nachtwölfe und ihre europäischen Freunde wollen die Erinnerung an die Bürger vieler Länder ehren, die in den Jahren des Zweiten Weltkriegs gefallen sind. So wollen die Biker das Grab des unbekannten Soldaten in Warschau, den Friedhof der Rotarmisten in Breslau, das Denkmal der Opfer des Massakers von Wolhynien und das Todeslager Auschwitz besuchen. Sie wollen auf dem Slawin-Berg in Bratislava und am Denkmal für die Gefallenen im Nationalen Aufstand in der slowakischen Stadt Banská Bystrica Blumen niederlegen.

    In Budapest findet eine Zeremonie am Hauptdenkmal für die Befreiungssoldaten statt; in Prag werden sich die Biker vor den Gräbern ihrer gefallenen Landsleute verbeugen; in Brno besuchen sie das Rotarmisten-Memorial auf dem Zentralfriedhof. Eine ähnliche Zeremonie findet auch im tschechischen Děčín statt. Von dort aus fahren die Motorradfahrer nach Dresden und Berlin weiter.

    In Děčín will sich der tschechische Abgeordnete und Sozialdemokrat Jaroslav Foldyna mit seiner eigenen Harley den Russen anschließen – trotz aller Vorwürfe, er unterhalte Beziehungen zu einem „kremlnahen“ Biker-Club.

    „Ich ziehe auch die Jacke mit russischen und tschechischen Aufnähern an, die mir die Nachtwölfe geschenkt haben. Ich mag diese Jacke und ziehe sie oft an, wenn ich mit dem Motorrad einen Ausflug mache. Ich hoffe meine russischen Freunde bei einer Blumenniederlegung wiederzusehen. Die Aktion wird vom Tschechischen Bund der Freiheitskämpfer organisiert. Dann fahren wir nach Dresden weiter“, sagte Foldyna.

    Vor Kritik wegen seiner Freundschaft zu den Russen hat der Abgeordnete keine Angst: „Die Biker werden bei uns allzu sehr politisiert. Vorurteile werden gestreut, gegen die Nachtwölfe und gegen Russland. Was uns aber wirklich verbindet, ist die Liebe zu unserem Motorrad, zu einer schnellen Tour auf der Landstraße. Und dass wir uns als Patrioten empfinden. Es gehört zur patriotischen Tradition dazu, die Erinnerung an die Vorfahren zu ehren, jener Vorfahren, die im Zweiten Weltkrieg gestorben sind. Dieser Antrieb schweißt die Biker aller europäischen Länder immer mehr zusammen, jedes Jahr kommen immer mehr neue Biker zu uns. Ich persönlich zähle mich zu keinem konkreten Motorradclub, ich habe einfach Spaß daran, die Jungs aus Russland zu treffen. Bei einem Glas Bier finden wir schnell eine gemeinsame Sprache. Ich habe ihnen erst vor kurzem einen Bildband über die letzte Tour anlässlich der Siegesfeier geschenkt. Hat das wirklich was mit Politik zu tun?“

    „Vielleicht ist die Siegesfahne, die die Biker dabeihaben, für viele ein Dorn im Auge. Ich hoffe, die Menschen verstehen aber, was ein historisches Objekt ist, verstehen, dass die Wölfe keine politischen Aktionen organisieren, keine Losungen, keine Appelle ausrufen. Man muss nun mal akzeptieren, dass eben unter der roten Flagge mit Hammer und Sichel der Große Sieg errungen wurde. Diese rote Flagge wehte in den ersten Tagen des Mai 1945 nicht nur über Berlin, sondern auch über Prag, Warschau und Budapest“, sagt der tschechische Abgeordnete.

    Themen:
    Tag des Sieges 2017 (29)

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    Tags:
    Freundschaft, Völker, Siegestag, Motorradclub Nachtwölfe, Alexander Saldostanow, Berlin, Deutschland, Russland