Widgets Magazine
00:25 23 Oktober 2019
SNA Radio
    Biker-Kolonne mit Alexander Saldostanow

    9. Mai: Gedacht wird nicht Sieg über Deutsche, sondern über Faschismus – „Nachtwölfe“

    © Foto : Das Foto bereitgestellt vom Biker-Club „Nachtwölfe“
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    15947
    Abonnieren

    Der Biker-Club „Nachtwölfe“ hat in Deutschland – im Unterschied zu anderen europäischen Ländern – kaum Probleme mit der Polizei, wenn er den Gefallenen im Kampf gegen den Nationalsozialismus gedenkt. Dies betonte der deutsche „Nachtwölfe“-Sprecher Alexander Schulz in einem Sputnik-Interview.

    „Wir stehen in den Pausen ganz gemütlich da, unterhalten uns, lachen, alles ist total entspannt und unkompliziert mit der Polizei“, erzählt Schulz im Gespräch mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin. „Die Polizisten sind den kompletten Tag bei uns, manchmal zwei, drei Tage, und sie sehen, dass wir ganz normale Menschen sind und nichts Böses vorhaben oder irgendwelche illegalen Sachen machen wollen. Ganz im Gegenteil. Wir sind froh, wenn wir mit der Polizei gut zurechtkommen, und während der Fahrt z.B. auf meinem Gebiet von Dresden bis nach Berlin die Polizei die Kolonne führt, und alles einfach sauber abläuft. Dann sind beide Seiten zufrieden.“

    Schulz unterstützt die russischen „Nachtwölfe“ seit 2015 bei ihren Berlin-Fahrten, lernte seitdem die Biker gut kennen. Im Gegenzug haben sie ihn und seine Freunde zur Bike Show nach Russland eingeladen. So wurde er auch selbst zum „Nachtwolf“. Für ihn, so sagt er, sei das nicht nur irgendein Verein, sondern eine große Bruderschaft: „In den drei Wochen, die ich mit den Jungs unterwegs war, sind wir Brüder geworden.“

    Weg zum Frieden

    Schulz ist selbst Russlanddeutscher, der jetzt in Deutschland lebt. Warum ihn das bewegt? „Weil es eine Bewegung zum Frieden ist. Das ist meine Motivation. Mein Uropa wurde in der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg erschossen, weil er Deutscher war. Das war damals alles problematisch und man hat sozusagen potentielle Feinde eliminiert. Es war Krieg, und der bringt keiner Seite was Gutes. Das wollen wir den Leuten rüberbringen.“

    Weiter will der Biker auch mit Vorurteilen aufräumen: „Viele Deutsche denken, dass die Russen jedes Jahr am 9. Mai den Deutschen eine reindrücken. Ganz und gar nicht! Erst mal zum Verständnis: Nicht den Sieg über die Deutschen, sondern den Sieg über den Faschismus feiern die Russen. Der 9. Mai ist ein Mahnmal zur Erinnerung, wie schlimm der Krieg war. Die,Nachtwölfe‘ wollen die Leute daran erinnern, dass sie vielleicht mal kurz nachdenken und überlegen, warum das alles passierte. Gerade heute, da es auch noch politische Reibereien gibt, ist es wichtig, dass die Leute einfach verstehen: Das braucht keiner.“ 

    Straße des Friedens

    Am 27. April starten die Biker an der ehemaligen Frontlinie vor Moskau nach Berlin, um die Gräber der im Zweiten Weltkrieg Gefallenen zu ehren sowie der sowjetischen Soldaten zu gedenken, die Europa vom Faschismus befreiten. Die Nachtwölfe wollen die Menschen in Europa an die wahren Helden des Krieges erinnern.

    An der Aktion „Auf den Wegen des Sieges nach Berlin“ nehmen Biker aus vielen Ländern Europas teil. Laut den Organisatoren werden sich bis zu 20.000 Biker anschließen. Auch in den USA fanden sich schon Interessierte. Aber die Amerikaner haben sich auf den jetzigen Start nicht rechtzeitig vorbereiten können. 

    Die Bike-Tour wird dann durch Weißrussland, Polen, Slowakei, Ungarn und Tschechien nach Deutschland führen. Im russischen Gebiet Smolensk besuchen sie Katyn, wo ein Baum zum Zeichen der Versöhnung mit dem polnischen Volk gepflanzt werden soll. In Weißrussland will man den Ort Chatyn besuchen, ein Mahnmal für alle Opfer der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg, das besonders an die über 600 verbrannten belorussischen Dörfer erinnert. 

    Der polnische Abschnitt geht in Auschwitz-Birkenau zu Ende, dann geht es nach Budapest und in die Slowakei. In Tschechien wollen die Biker das heftig umkämpfte Brünn und Prag besuchen. Und von da aus geht es nach Deutschland, wo viele, ungeachtet des Hintergrunds der Schuld, diese Gedenkbewegung aktiv unterstützen.

    Die deutschen Biker starten am 29. April in der niedersächsischen Gedenkstätte in Bergen-Belsen. In dem KZ kamen mehr als 70.000 Menschen um. Am 7. Mai sollen sie abends in Dresden einfahren, am 8. Mai geht es nach Zeithain, wo die Gedenkstätte an die Opfer des Kriegsgefangenenlagers erinnert. Von Zeithain geht die Friedensfahrt nach Torgau und weiter nach Seelow, und am 8. Mai abends kommt sie in Berlin an.

    Gott ist nicht in der Kraft

    Der Initiator der Fahrt, Gründer und Präsident des russischen Motorrad- und Rockerclubs „Nachtwölfe“, Alexander „Chirurg" Saldostanow, betont derweil: „Zum dritten Mal führen wir unsere internationale Aktion durch, die immer wieder viel Aufregung verursacht. Es gab Zeiten, da man versuchte, uns den Weg nach Europa abzusperren, um unsere Gedenkaktion zu verhindern. Es ist nicht gelungen. Wenn ein Biker angehalten wird, dann kommen gleich zwei an seine Stelle. Und unsere Sache wird fortgesetzt. Werden sie wieder gestoppt, kommen dritte und vierte. Wenn man die Straßen für uns sperrt, dann werden wir fliegen. In diesem Fall wachsen bei uns die Flügel.“

    Unsere Aktion zeige, so Saldostanow weiter, „dass viele Menschen in Europa beginnen, Russland mehr als den USA zu vertrauen. Trotz aller Informationskriege gegen Russland siegt doch die Wahrheit. Wie man so sagt, nicht in der Kraft ist Gott, sondern in der Wahrheit. Und dies ruft Sympathie für uns und Unterstützung hervor.“

    Dem Polen Dariusz Kaczmarczyk sei die Idee des Friedens wichtig: „Wir fahren durch Polen, legen Blumen nieder und zünden Gedenkkerzen an den Gräbern polnischer und russischer Soldaten, die ihr Leben gelassen haben, damit wir heute in der Freiheit leben können.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    „Kriminelle Biker-Bande“? Wer die „Nachtwölfe“ wirklich sind
    Polen verweigert Nachtwölfen Transit auf Pilgerfahrt nach Griechenland
    "Die Orthodoxen einen": Nachtwölfe planen jährliche Wallfahrt nach Griechenland
    „Nachtwölfe“ legen Blumen an Gräbern sowjetischer Soldaten in Prag nieder
    Tags:
    Feiern, Siegestag, Russophobie, Faschismus, Motorradclub Nachtwölfe, Alexander Saldostanow, Berlin, Deutschland, Russland