17:26 21 April 2018
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    „Land der Frühaufsteher“ Sachsen-Anhalt ist Land mit dem höchsten Verbrechensanteil

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    Sachsen-Anhalt hat laut der Polizeilichen Kriminalstatistik 2016 im Vergleich der Flächenländer die höchste Verbrechensrate je 100.000 Einwohner in Deutschland. Nur die drei Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg liegen noch davor. Zu den Ursachen gehören für Beobachter Personalmangel bei der Polizei und zu wenig Vorbeugung.

    Die sogenannte Häufigkeitszahl, das heißt Straftaten je 100.000 Einwohner, wird für das ostdeutsche Bundesland mit 8.749 Fällen angegeben. Damit ist das selbsternannte „Land der Frühaufsteher“ (so eine offizielle Werbekampagne) das Flächenland mit den meisten Straftaten pro 100.000 Einwohner. Nur die Stadtstaaten stehen deutlich schlechter da. Das geht aus der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik des Bundes hervor.  Häufigste Gewaltstraftaten waren danach Körperverletzungen. Hier vermeldete die Polizei einen Anstieg von 926 auf 1.722 Fälle.

    „Was dafür die Ursachen sind, kann man so per sé gar nicht erkennen“, sagte Uwe Petermann, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Sachsen-Anhalt, gegenüber Sputnik. „Es gibt sicherlich eine Menge Faktoren. Bei der Landespolizei wird seit 15 Jahren der Personalbestand reduziert. Es gibt große materielle Probleme. Das erschwert es der Polizei, Straftaten zu verhindern. Wir werden wohl auch in den nächsten Jahren eine weitere Verringerung erleben. Wir leisten uns leider zu wenig präventive Arbeit.“

    Die Flüchtlingskrise spiele hier auch mit rein. Sachsen-Anhalt habe eine zentrale geografische Lage, so der Polizei-Gewerkschafter: „Die Autobahnen A9 und A14 dienen Verbrechern als Fluchtrouten, schnell weg vom Tatort.“ Die Kriminalprävention müsse entscheidend gestärkt werden. „Nehmen wir den Wohnungseinbruch. Eine direkte, effektive Bekämpfung der Einbrecher ist schlecht möglich. Aber wenn das Land eine hohe  Polizeipräsenz zeigt, dann haben Einbrecher wenig Lust auf ihre Taten. Wenn keine Streifenwagen unterwegs sind, ist die Versuchung deutlich höher, in Wohnungen oder Häuser einzubrechen.“

    Auch Landespolitiker zeigten sich aufgrund der Statistik alarmiert. „Diesen traurigen Platz haben wir ja schon seit einiger Zeit inne“, behauptete Hagen Kohl, innenpolitischer Sprecher der AfD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt. „Maßgeblich ist natürlich der massive Personalabbau im Bereich der Landespolizei“, verwies Kohl auf die Gründe. „In Sachsen-Anhalt haben Straftäter ein vergleichsweise geringes Entdeckungsrisiko. Der polizeiliche Verfolgungsdruck ist aufgrund personeller Mängel nicht möglich. Die Kriminalitätszahlen sind das vorhersehbare Ergebnis einer völlig verfehlten Personalplanung und Personalpolitik.“

    Der AfD-Innenpolitiker plädierte  dafür, die sozialen Netzwerke bei Fahndungen und zur Aufklärung von Straftaten mit zu nutzen. Er schlug eine personelle und organisatorische Neu- und Umstrukturierung innerhalb der Landespolizei Sachsen-Anhalts vor, um dem Problem besser gerecht werden zu können.

    Alexander Boos

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    Tags:
    Statistik, Flüchtlingskriminalität, Flüchtlingskrise, Kriminalität, Polizeigewerkschaft GdP, Sachsen-Anhalt, Deutschland
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