19:46 16 Juli 2020
SNA Radio
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    Tag des Sieges 2017 (29)
    13717
    Abonnieren

    Die russischen Teilnehmer der Motorradtour von Moskau nach Berlin, die der Biker-Klub „Nachtwölfe“ anlässlich des 72. Jahrestags des Endes des Großen Vaterländischen Kriegs organisierte, haben die weißrussisch-polnische Grenze nicht passieren dürfen, doch sie geben nicht auf. Und sind sie nicht allein: Knapp 10.000 Menschen nehmen an der Tour teil.

    Bislang konnten die Grenze nur Motorradfahrer aus europäischen Abteilungen des Klubs und der weißrussischen Filiale passieren. Allerdings sind sich die „Nachtwölfe“ sicher, dass sie einen Weg finden, nach Europa zu gelangen und bis zum 9. Mai nach Berlin zu kommen. Laut Organisatoren der Aktion ist die Zahl der Teilnehmer der Motorradtour im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen und liegt bei fast 10.000 Menschen.

    Nach Berlin!

    Die Motorradtour „Straßen des Sieges – nach Berlin!“ begann am 27. April in Moskau. Die Biker besuchten bereits die Gedenkorte in Smolensk, Katyn, Minsk, Chatyn und wollen weiter Warschau, Breslau, Budapest, Bratislava, Prag und Dresden besuchen und zum 9. Mai nach Berlin kommen. Die „Nachtwölfe“ bringen außerdem Briefe der Veteranen des Großen Vaterländischen Kriegs aus verschiedenen Regionen Russlands an europäische Veteranen sowie wiederhergestellte Listen der Teilnehmer der Siegesparade vom 24. Juni 1945 in die deutsche Hauptstadt mit.

    Biker-Kolonne mit Alexander Saldostanow
    © Foto : Das Foto bereitgestellt vom Biker-Club „Nachtwölfe“
    Wie der Koordinator der Motorradtour, Jewgeni Strogow, gegenüber RT mitteilte, ist die Teilnehmerzahl im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. „In Berlin wird es rund 10.000 Menschen geben. Nicht nur Motorradfahrer – ganze Familien fahren mit Autos“.

    Laut Strogow hatten die Teilnehmer der Motorradtour wieder Schwierigkeiten an der Grenze zwischen Weißrussland und Polen.

    „Die polnischen Behörden haben nur russischen Bikern die Einreise wegen des Verdachts der Beteiligung an Extremistenorganisation verweigert“, sagte Strogow. „Dabei durften europäische Abteilungen des Motorradklubs sowie Staatsbürger Weißrusslands die Grenze passieren. Die Slowaken und Polen, die mit uns aus Moskau fuhren, wurden über die Grenze gelassen, obwohl im vergangenen Jahr selbst Staatsbürger der EU-Länder nicht gelassen wurden. Ein Mann wurde sogar in Polen danach wegen Extremismus verhaftet – seit einem Jahr sitzt er im Gefängnis“.

    Laut Strogow gab es sieben Jahre lang keine Schwierigkeiten bei der Grenzüberquerung, erst seit der Wiedervereinigung der Krim mit Russland sei es zu Problemen gekommen.

    „Wir hatten ernsthafte Probleme beim Übergang Mamonowo-Branjowo“, sagte der Chef der Nachtwölfe, Alexander Saldostanow (aka Chirurg). „Dort starteten mehr als 100 Motorräder, aus dem Konvoi wurden gezielt Nachtwölfe genommen, ihnen wurden Visa entnommen, sie wurden zurückgeschickt. Es gab 28 bewaffnete Sicherheitssoldaten mit Gewehren, die aus unserer Festnahme eine Zirkus-Vorstellung machten. Ihnen zufolge sind wir Extremisten und die Siegesfahne ist eine Extremisten-Fahne“.

    Plan B

    Trotz der Probleme mit den polnischen Grenzsoldaten haben die Biker einen Plan B.

    „Wir werden weiter zu Kriegsgräbern fahren, wie geplant“, sagte Saldostanow. „In diesem Jahr startete unsere Aktion ‚Straßen des Sieges’ von zwei Seiten. Wir fahren jetzt eine andere Route – nicht zur Grenze zu Polen in Brest. Wir wählten eine andere Route. Da werden sich zwei Kolonnen zusammenschließen. Wir werden uns mit Jungs bereits in Europa treffen, die die Grenze zu Polen nicht passiert haben. Wir wissen schon, was wir machen müssen“.

    Im russischen Generalkonsulat in Brest wurde ebenfalls gesagt, dass die russischen Teilnehmer der „Nachtwölfe“ von der Grenze zurückkehrten, doch ihre Teilnahme an der Motorradtour damit nicht beendet sei.

    Saldostanow sagte gegenüber Sputnik, dass die Biker keinen Selbstzweck hätten, auf europäischen Straßen zu fahren.

    „Das Hauptziel ist, die Gräber der sowjetischen Soldaten zu besuchen. Weil dies direkt jeden von uns betrifft. Unter uns gibt es viele, deren Großväter im Krieg kämpften“, sagte Saldostanow.

    Provokationen möglich

    Die „Nachtwölfe“ schließen Provokationen in Europa nicht aus.

    „Natürlich kann es zu Provokationen kommen. Wir erwarten sogar eine Art Verhöhnung wie im vergangenen Jahr, als wir mit Begleitung durch kaum besiedelte Dörfer mit einer Geschwindigkeit von 20 km/h fahren mussten“, sagte Strogow.

    Die „Nachtwölfe“ stoßen seit drei Jahren auf das Einreiseverbot der polnischen Behörden. Auffallend ist, dass die polnischen Grenzsoldaten vor einem Jahr die Visa nicht nur für einige russische Teilnehmer der Motorradtour annullierten, sondern auch mehreren Staatsbürgern Deutschlands und der Slowakei die Einreise verweigerten, die ebenfalls Mitglieder des Klubs waren.

    Die Grenzsoldaten wollten die Biker nur in dem Falle die Grenze passieren lassen, wenn sie ihre Westen mit Symbolen des Klubs abziehen und ihre Fahnen verstecken, doch die Teilnehmer weigerten sich, dies zu tun. Letztlich mussten die meisten Teilnehmer der Tour mit dem Flugzeug in die Slowakei und nach Tschechien fahren und die Motorräder dann vor Ort mieten.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren
    Themen:
    Tag des Sieges 2017 (29)

    Zum Thema:

    Russische „Nachtwölfe“ scheitern am polnischen Grenzschutz
    „Kriminelle Biker-Bande“? Wer die „Nachtwölfe“ wirklich sind
    "Die Orthodoxen einen": Nachtwölfe planen jährliche Wallfahrt nach Griechenland
    „Nachtwölfe“ legen Blumen an Gräbern sowjetischer Soldaten in Prag nieder
    Tags:
    Problem, Grenzkontrolle, Biker, Siegestag, Motorradclub Nachtwölfe, Alexander Saldostanow, Berlin, Polen, Deutschland, Russland