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13:34 21 September 2019
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    Das Schreien der Thügida-„Islamisten“: Protestaktion vor Altenburger Kirche

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    In arabische Gewänder gehüllt und mit Megaphonen ausgestattet, schrien am Sonntag Thügida-Anhänger vor der Altenburger St. Bartholomäikirche Islamistenparolen. Das ist kein Druckfehler.

    Am Sonntag hat eine Kundgebung vor der St. Bartholomäikirche in Altenburg stattgefunden. Was das Ganze brisant macht: Die Demonstranten waren Mitglieder der Thügida, die sich als Islamisten verkleidet hatten.

    Der Pfarrer der St. Bartholomäikirche, Sandro Vogler, kommentierte den Vorfall mit den Worten: „Meine persönliche Meinung dazu ist: Wer sich zum Bewahrer des Abendlandes ernennt und mit arabischen Gewändern und imitierten Muezzinrufen versucht, einen Gottesdienst zu stören, der macht sich lächerlich.“

    Aber warum waren die 15 bis 20 Thügida-Anhänger überhaupt da? Der Hintergrund ist, dass in der Kirche eine Reihe von Gottesdiensten mit dem Namen „Spalatin spricht“ stattfindet. Diese Reihe ginge auf Georg Spalatin zurück – einen wichtigen Streiter der Reformation im Altenburger Raum, erklärt der Pfarrer. Dieser habe sich dafür eingesetzt, dass Martin Luther auf der Wartburg in Sicherheit gebracht wurde und war Mittler zwischen Luther und dem Kurfürsten.

    Zu diesem Format hatte man den Ministerpräsidenten Thüringens, Bodo Ramelow, eingeladen, der zum Thema „Politik und Religion“ sprechen sollte, die Beziehung zwischen Reformation und Gegenwart aus seiner Sicht beleuchten. Und eben das wollten die „Nazi-Islamisten“ wohl boykottieren. Ramelow habe „auf ganz persönliche Weise durchblicken lassen, dass ihn sein Glaube motiviert, Politik zu gestalten und sich für das Land einzusetzen, für die Menschen – und eben auch für die Zufluchtssuchenden, was bei manchen eben die Irritationen auslöst“, erklärt der Pfarrer mit Blick auf die Demonstranten.

    Durch gute Zusammenarbeit von Polizei und Ordnungsamt habe der Gottesdienst jedenfalls ohne Probleme fortgeführt werden können. „Der ein oder andere war natürlich irritiert, was da passiert, und verunsichert. So eine Aktion erzeugt natürlich Spannung“, merkt Vogler an. „Die anderen fanden es richtig, dass wir hier jetzt Gottesdienst feiern und auch Flagge bezeugen – und uns davon nicht einschüchtern lassen.“

    Die Thügida-Anhänger seien noch eine Weile vor der Kirche gewesen, der Protest habe sich aber relativ schnell, so Vogler, „erfolglos im Sande verlaufen.“

    Das Format „Spalatin spricht“ wird fortgesetzt. Nächsten Sonntag findet in der St. Bartholomäikirche ein Gottesdienst unter dem Motto „Reformation und Verantwortung“ statt, Gast ist Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.

    Interview zum Nachhören:

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    Rechtsextremismus, Islamisierung, Aktion, Thügida, Deutschland