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12:05 17 Oktober 2019
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    Der Blogger Ruslan Sokolowski im Gerichtssaal in Jekaterinburg

    Russischer Blogger wegen Pokemon-Spielens in Kirche verurteilt

    © Sputnik / Pavel Lisytsin
    Gesellschaft
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    Der 22-jährige russische Blogger Ruslan Sokolowski ist wegen „des Verbreitens von Hass und der Beleidigung der Gefühle von Gläubigen“ zu dreieinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Grund war ein Video des Bloggers aus dem Jahr 2016, das Sokolowski beim Spielen der Smartphone-App „Pokemon-Go“ in einer Kirche zeigt.

    Im August vergangenen Jahres hatte sich Sokolowski dabei gefilmt, wie er in einer orthodoxen Kathedrale in Jekaterinburg „Pokemon-Go“ spielt. Der Blogger veröffentlichte später das Video auf seinem YouTube-Kanal. Die Aufnahmen werden von anstößigen Flüchen begleitet. Am Ende des Videos verspottet Sokolowski, ein bekennender Atheist, die Grundlagen des Christentums.

    Der 22-Jährige war im Herbst vergangenen Jahres wegen des Videos in Untersuchungshaft gekommen. Am vergangenen Mittwoch sprach ihn ein Bezirksgericht in Jekaterinburg schuldig und verurteilte ihn zu dreieinhalb Jahren Haft auf Bewährung.

    Sokolowski wollte sich jedoch nicht schuldig bekennen. "Ich bin vielleicht ein Idiot, aber kein Extremist", hatte Sokolowski vor Gericht über seine Aktion gesagt.

    Der Kreml hat es bislang abgelehnt, einen Kommentar zu dem Urteil abzugeben. „Wir sind nicht berechtigt, Gerichtsbeschlüsse zu kommentieren, und haben auch nicht vor, dies zu tun“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag.

    Die Russisch-Orthodoxe Kirche bezeichnete das Urteil ihrerseits als „human“. Man hoffe, dass Sokolowski aus dem Ganzen Schlüsse ziehen werde, betonte ein Vertreter der Kirche.

    „Christen haben immer zu Barmherzigkeit aufgerufen, und kein Christ wird einem anderen physische oder geistige Qualen wünschen, mit denen eine Gefängnisstrafe einhergeht“, sagte Hegumen Serapion.

    Das Gericht habe sich bei seiner Entscheidung von Ideen des Humanismus leiten lassen. Die Russisch-Orthodoxe Kirche habe dieses Gerichtsverfahren außerdem nicht initiiert, betonte er.

    Smartphone-Spiel Pokemon Go
    © Sputnik / Alexander Kryazhev
    Auch der russische Mufti Albir Krganow äußerte sich zu dem Gerichtsverfahren. Der Fall von Sokolowski signalisiere das niedrige kulturelle Niveau der russischen Gesellschaft. Die hohen Ideale der Erzogenheit und Kultur seien in der Post-Perestroika-Periode verloren gegangen, betonte er. Der Staat müsse der Kommunikationskultur an Schulen unterrichten lassen, sonst werde er „seine Autorität verlieren“.

    Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte das Urteil als unverhältnismäßig hart. Der Blogger habe wohl nicht eine so große Gefahr für die Gesellschaft dargestellt, die ein solches Urteil rechtfertigen würde.

    „Manch einem dürften die Kommentare, die Sokolowski während seiner Aufnahmen gemacht hatte, als herabwürdigend, hochnäsig oder frech erscheinen, doch all dies ist nicht genug, um eine Person strafrechtlich zu verfolgen“, sagte der Chef der Vertretung dieser Organisation in Russland, Sergej Nikitin.

     

     

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    Gericht, Urteil, Pokemon, Kirche, Jekaterinburg, Russland