22:45 26 Oktober 2020
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    Anschlag in Manchester: Viele Tote durch Explosion bei Popkonzert (35)
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    Grundsätzlicher Schutz vor Terroranschlägen wie dem in Manchester in der Nacht zu Dienstag ist nicht möglich, sagt Sicherheitsexperte Fidelis Cloer im Interview. Er warnt vor Folgeanschlägen in Großbritannien. Aus seiner Sicht muss die Politik bessere Sicherheitsmaßnahmen für Großveranstaltungen durchsetzen.

    Nach dem Anschlag von Manchester hat sich die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) in einem Video dazu bekannt. Die Tatsache, dass eine „fachmännisch gut gebaute Bombe zum Einsatz kam“, spricht aus Sicht von Fidelis Cloer für diese Täterschaft. Er ist Sicherheitsexperte und Managing Director bei  der Spezialfirma Armored Specialty Cars International (ASC) in Dubai. „Definitiv kann davon ausgegangen werden, dass hier eine Zelle am Werk war. Wer so eine Bombe bauen kann, der sprengt sich nicht selber in die Luft. Derartige ‚Fachleute‘ bleiben meist unerkannt und selbst der Attentäter hat den Bombenbauer wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen.“

    Es habe sich wahrscheinlich um eine aus Chemikalien zusammengebaute Bombe gehandelt, deren Stoffe leichter zu beschaffen seien als militärischer Sprengstoff. Der Experte warnte im Gespräch mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke: „Die Behörden in England müssen jetzt sehr wachsam sein, denn wer eine Bombe dieser Qualität liefern kann, der hat vielleicht weitere Sprengsätze angefertigt.“

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    Die relativ hohe Zahl an Toten und Verletzten sei beim Bau der Bombe beabsichtigt worden, schätzte Cloer ein. Aber für den IS spiele es keine Rolle, wen es konkret treffe. Er wolle „den größtmöglichen Schaden anrichten und Terror verbreiten“. Dafür böten sich Großveranstaltungen an. „In der Konsequenz werden sich jetzt natürlich Eltern gut überlegen, ob sie ihre Kinder diesen Sommer auf Konzerte lassen. Die Saison hat ja gerade erst begonnen.“

    Sicherheitsmaßnahmen für besseren Schutz des Publikums notwendig

    Er erinnerte im Gespräch daran, in der Vergangenheit angeregt zu haben, Informationen mit den Behörden in Israel auszutauschen. „ Anschläge dieser Art hat Israel während eines ganzen Jahrzehnts erlebt. Daraus hat man gelernt. Den Anschlag mit Sprengstoff an sich kann man nicht verhindern, aber man muss einen ‚Perimeterschutz‘ aufbauen.“ Unter Perimeterschutz (Freilandschutz) werden mechanische und bauliche sowie organisatorische und personelle Maßnahmen verstanden, um ein Objekt zu schützen. „Der Attentäter dürfe nicht in die Nähe größerer Menschenansammlungen gelangen. Er wird sich dann trotzdem in die Luft sprengen, aber das Ausmaß wird dann nicht derartig verheerend sein.“

    Cloer meinte erneut, dass solche Anschläge auch in Deutschland möglich seien. „Vor weniger als zwei Wochen wurden große Mengen Chemikalien am Niederrhein beschlagnahmt die genau für diesen Zweck einsetzbar wären“, sagte er. „Politiker werden jetzt gleich wieder von sich geben, dass wir uns unsere Lebensqualität nicht nehmen lassen dürfen. Lebensqualität ist für mich, dass ich mir keine Sorgen um meine Sicherheit machen muss. Demzufolge meide ich persönlich Großveranstaltungen oder ich bewege mich, aufgrund meiner Erfahrung, auf derartigen Veranstaltungen so, dass ich nicht Opfer werden kann. Der Bürger allerdings, wenn er an solchen Veranstaltungen teilnehmen will, kann sich nur auf den Staat und die Sicherheitsorgane verlassen, oder er muss daheim bleiben.“

    Der Fall Anis Amri zeige jedoch, dass auf den Staat nicht immer Verlass sei.

    Das Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Probleme, Terrorgefahr, Terroranschlag, Sicherheit, Manchester, Großbritannien