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    In einer deutschen Moschee

    Geschmacklos oder harmlos? Als Sultan-verkleideter Oberbürgermeister sorgt für Streit

    © AFP 2019 / DPA/Peter Steffen
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    Bei einem Moscheefest der Mattenberger Ditib-Gemeinde in Kassel hat sich der Oberbürgermeister der Stadt Bertram Hilgen (SPD) als Sultan verkleidet. Der Auftritt sorgte für Empörung bei der kurdischen Gemeinde und Der Linke in Kassel.

    Bei dem DITIB-Fest wurden Berichten zufolge Fahnen der rechtsextremen türkischen Organisation „Graue Wölfe“ und Symbole des Osmanischen Reiches geschwenkt. Der Generalsekretär der Kurdischen Gemeinde Deutschland (KGD), Cahit Basar wirft dem Oberbürgermeister im Sputnik- Gespräch Naivität vor:

    „Dass ihm die rechtsextremistischen Symbole der Grauen Wölfe nicht aufgefallen sind, dass die Farbsymbolik auf diesem Fest ihm nicht komisch vorgekommen ist, ist schwer nachvollziehbar. Das könnte aber in der Tat auf eine Wissenslücke oder Naivität zurückzuführen sein. Aber beides ist nicht in Ordnung“.

    Die auf dem DITIB-Fest „sehr offensiv“ gezeigten Symbole würden weder für Aussöhnung noch für Völkerfreundschaft stehen. Es seien eher Symbole für Ausgrenzung und Verfolgung, bemängelt Basar. Zur Erklärung: Während des Osmanischen Reiches wurden im Rahmen des armenischen Genozids 1,5 Millionen Armenier umgebracht. Auf diese Fahnen zurückzugreifen ist für zahlreiche Minderheiten, für die Armenier, für die Kurden, für die Alawiten, aber auch für andere Minderheiten, wir die Aramäer und Jesiden eine Provokation.

    Bei der Veranstaltung trug der Oberbürgermeister neben einem orientalischen Umhang und einer dementsprechenden Kopfbedeckung ein Krummsäbel, was eine „symbolische Waffe des Osmanischen Reiches“ darstelle und für eine „islamische Eroberung“ stehe, bemängelt Basar: „Damit wurden Menschen abgeschlachtet und nicht Heu geerntet, bitte! Aus heutiger Sicht nicht nur sehr befremdlich, sondern aus aktuellem Anlass sehr verabscheuungswürdig. Denn der IS enthauptet ihre Opfer mit einem Krummsäbel.“ Oberbürgermeister Hilgen habe sich sowohl am Ort, am Fest selbst als auch am gesamten Outfit vergriffen, empört sich der Generalsekretär der KGD.

    Ganz anders sieht das Fatih Zingal. Der Anwalt und stellvertretende Vorsitzende der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) bezeichnet die Vorwürfe gegen den Kasseler Oberbürgermeister als lächerlich:

    „Es findet da ein Fest statt und bei diesem Fest gibt es einen Bereich, wo man sich verkleiden kann — und da werden lustige Fotos geschossen. Und genau in einem solchen Rahmen hat das stattgefunden und sich im Nachhinein darüber zu echauffieren, finde ich total abwegig und lächerlich.“

    Aber auch die Kasseler Linke kritisiert den Auftritt. Der Auftritt von Hilgen sei "ein Schlag ins Gesicht aller säkularen und fortschrittlichen Migranten", sagte Ilker Sengül, integrationspolitischer Sprecher der Kasseler Linken der Hessenschau.

    Die Aufregung der Linken verdeutliche die Absurdität der Debatte, gibt Zingal zu bedenken: „Mich würde es nicht wundern, wenn sie jetzt irgendwo ein Foto ausgraben, wo der Bürgermeister einen Döner verzehrt und man ihm damit unterstellt, die türkische Regierung zu unterstützen.“ Diese Kritik müsse man im Zusammenhang mit dem allgemeinen „Türkei-Bashing“ sehen, welches zurzeit stattfindet. „Und die Linken sind die allerletzten, die in irgendeiner Form den Moralapostel spielen dürfen“, findet der UETD-Vertreter und erklärt:  „Zahlreiche Linkspolitiker fordern, dass die PKK von der Terrorliste gestrichen wird. Eine Organisation, die für den Tod von zehntausenden Menschen verantwortlich ist. Und da regt man sich darüber auf, dass der Bürgermeister sich einen Umhang umgeworfen hat“, betont Zingal.

    Er glaubt nicht, dass dort Vertreter der türkischen  „Grauen Wölfe“ auf dem Fest zu Gange waren: „Dort war meines Wissens eine Folklore- oder Musikgruppe, die Fahnen geschwungen haben, die der Fahne der Grauen Wölfe ähnlich sah.“

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
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