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    Kind in einem deutschen Asylheim

    Mord am Kind aus Russland: Täter fühlte sich durch Lärm spielender Kinder gestört

    © AFP 2019 / Jens Schlueter
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    Der Mörder des fünfjährigen russischen Jungen in Arnschwang hat sich offenbar durch den Lärm der spielenden Kinder gestört gefühlt. Im Verlauf der daraus resultierenden Streitigkeit ging der Täter zunächst mit einem Messer auf die 47-jährige Asylsuchende aus Russland los und schließlich auf ihr Kind.

    Das erzählte die Mutter des toten Kindes bei einer ersten Vernehmung durch die Kriminalpolizeiinspektion Regensburg. Sie wurde durch die Messerattacke am Samstag an Hals, Armen und Beinen schwer, jedoch nicht lebensgefährlich verletzt und war bisher nicht vernehmungsfähig. Der Junge erlitt schwerste Verletzungen im Halsbereich, an denen er trotz ärztlicher Bemühungen verstarb. Der Täter wurde anschließend von der Polizei erschossen.

    Anscheinend bestand zwischen den Opfern und dem Täter außer der Nachbarschaft keinerlei Vorbeziehung. Allerdings habe sich der Täter bereits mehrfach durch die Kinder gestört gefühlt, wie die Behörden mitteilten. Für die Mitarbeiter vor Ort habe es aber keinerlei Anhaltspunkte gegeben, dass es zu einer solchen Eskalation kommen könnte, so die Regierung der Oberpfalz in einer Pressemitteilung. Gegenseitige Beschwerden über Lärmstörungen, die jeweils einvernehmlich befriedet wurden, seien die einzigen Vorkommnisse gewesen und in einer Gemeinschaftsunterkunft nicht ungewöhnlich.

    Gericht verhinderte Abschiebung

    Das Verwaltungsgericht München hatte entschieden, der geduldete Afghane dürfe nicht abgeschoben werden. Die Richter sahen Todesgefahr für den Afghanen in seinem Heimatland, weil dieser zum Christentum konvertiert war. Wie der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dem Bayerischen Rundfunk (BR) bestätigte, durfte der afghanische Asylbewerber trotz einer Verurteilung wegen schwerer Brandstiftung zu knapp sechs Jahren Haft nicht abgeschoben werden. Die Abschiebung hätte ihm auf Antrag der Stadt München nach der Haft gedroht. Noch während seiner Haft stellte er 2012 einen Asylantrag. Das Verwaltungsgericht München entschied gegen eine Abschiebung.

    Derartige Urteile kann Innenminister Herrmann nur bedingt nachvollziehen. Er sagte dem BR:

    „Dort, wo Länder tatsächlich als Staaten die Todesstrafe für solche Fälle verhängen, ist es nachvollziehbar. In diesem konkreten Fall ist es für mich nicht einsichtig. Und wir müssen jetzt ähnliche Fälle noch einmal überprüfen, ob nicht auch andere Entscheidungen herbeigeführt werden können."

    Für den Minister gilt es abzuwägen zwischen der Gefahr, die dem abgeschobenen Straftäter in dessen Heimatland droht, und der Gefahr, die von ihm hierzulande ausgeht. Konvertiten dürften nur dann nicht abschoben werden, wenn ihnen der Tod von staatlichen Organen drohe, so Herrmann. Das solle  dann nicht gelten, wenn die Bedrohung nicht von staatlichen Organen ausgehe, wie zum Beispiel durch religiöse Fanatiker. Es sei den Menschen hierzulande nicht zumutbar, sagte der CSU-Innenminister dem BR, „unter der Gefahr solcher Straftäter zu leben“.

    Bevölkerung schockiert und betroffen

    Des weiteren werden langsam mehr Einzelheiten bekannt. Die schwere Brandstiftung, für die der Afghane verurteilt wurde, hatte der Mann 2009 verübt, um seine damalige Ehefrau und seinen Cousin zu töten. Somit galt er auch nach der Haft für sie als Gefahr.  Aus diesem Grund musste er eine elektronische Fußfessel tragen. Auf der Grundlage des Zuweisungsbescheides der Regierung der Oberpfalz aus dem Jahr 2014 wurde der Afghane nach seiner Haftentlassung im Januar 2015 in der staatlichen Gemeinschaftsunterkunft Arnschwang im Landkreis Cham untergebracht. Wegen der damaligen Zugangssituation und des Wechsels des Afghanen zum Christentum kam nur die Unterbringung in der nicht überwiegend muslimisch geprägten Unterkunft in Arnschwang in Frage.

    In Arnschwang selbst sind die Menschen schockiert und betroffen durch die Tat. Michael Multerer, der Bürgermeister, betonte im Interview mit Sputnik, dass dies als ein Kindsmord wahrgenommen werde. Die Nationalität von Opfer und Täter täten da nichts zur Sache. Gerade in so einer beschaulichen Ortschaft wie Arnschwang sei das schwer verdaulich. Vor dem ehemaligen Kindergarten des toten Jungen sammelten sich im Laufe des Tages gestern Blumen und Kerzen. Gegen die Flüchtlingsunterkunft habe es keine Widerstände gegeben, betonte Multerer, der seine Gemeinde als eine hilfsbereite Gemeinschaft beschrieb. Er befürchte aber, dass der Vorfall noch zum Politikum werde.

    In einer Asylbewerberunterkunft im oberpfälzischen Arnschwang hatte ein Mann am Samstagabend einen fünf Jahre alten Jungen aus Russland in seine Gewalt gebracht und mit Messerstichen tödlich verletzt. Die Mutter des Kindes wurde von ihm zwar schwer, jedoch nicht lebensbedrohlich verletzt. Die Polizei meldete, dass der Täter ein verurteilter Straftäter war und eine elektronische Fußfessel trug.

    Bericht: Bolle Selke

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    Tags:
    Kind, Asylbewerber, Mord, Ermittlung, Landeskriminalamt (LKA), Bundespolizei, Bayern, Afghanistan, Deutschland, Russland