03:14 26 Februar 2020
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    Geldverschwendung beim Polizeieinsatz zur Sicherung des G20-Gipfels am 7. und 8. Juli in Hamburg wirft ein Polizist in einem anonymen Offenen Brief der Politik vor. Er kritisiert auch „erhöhte Belastung“. Gerhard Kirsch, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Hamburg, kommentiert den Fall für Sputnik.

    „Nun werden wieder Millionen von Euro in Sachen Sicherheit in nur ein paar Tagen, für ein Event von ein paar Stunden, verheizt? Wie gut könnte man das Geld in den Pflegeeinrichtungen oder in der Flüchtlingsarbeit gebrauchen? Und wären diese Gelder in unseren sozialen Systemen nicht besser angelegt?“, heißt es im Offenen Brief, der auf der privaten Facebook-Seite „Polizist=Mensch“ öffentlich zu lesen ist. Der Beitrag wurde bisher fast 15.000 Mal geteilt und tausendfach kommentiert.

    Der anonyme Text wurde den Angaben auf der Facebook-Seite zufolge von einem Polizeibeamten verfasst, der 30 Jahre alt ist, seit 15 Jahren im Dienst und auf Streife im Einsatz. Der Beamte kritisierte die immensen Summen, die für den G20-Einsatz ausgegeben werden.

    Der Hamburger GdP-Vorsitzende Kirsch gab der im Brief formulierten Kritik teilweise Recht. Ihn interessiere: „Wie hoch werden die Kosten in Hamburg sein?“, sagte er im Sputnik-Interview. „Wenn es auf Einladung der Bundeskanzlerin stattfindet, dann plädiere ich dafür, dass die Bundesregierung für diese Kosten auch einsteht. Und nicht das Land Hamburg. Diese Millionen, die dann dem Landeshaushalt entzogen werden, die fehlen dann in der Tat bei der Flüchtlingsarbeit, im Gesundheitswesen und in anderen Bereichen.“

    Das G20-Gipfeltreffen findet am 7. und 8. Juli in Hamburg statt. Deutschland hat derzeit den Vorsitz in der Organisation der 20 Staaten.

    „Im Gegensatz zum Außenministertreffen in Hamburg haben wir es mit einer völlig anderen Lage zu tun“, erklärte Hamburgs GdP-Chef dazu. „Es kommen umstrittene Staatschefs in die Hansestadt, die für Protestpotenzial sorgen. Wir rechnen mit sehr großen Demonstrationen und mit sehr viel gewaltbereiten Menschen.“

    Insgesamt 100.000 Demonstranten, davon bis zu 8.000 Gewaltbereite, werden von der Polizei in Hamburg erwartet. 15.000 Beamten sollen deshalb vor Ort eingesetzt werden.

    Die GdP Hamburg mache schon seit einiger Zeit auf „höhere Belastungen“ von Polizeibeamten aufmerksam, sagte ihr Vorsitzender. Das werde auch durch die Vorbereitungen für den G20-Gipfel in einem Monat befördert. „Die wesentlich Betroffenen sind die Kollegen, die man täglich im Streifenwagen sieht. Sie können noch kaum freinehmen, sie können kaum noch Regenerationszeiten in Anspruch nehmen. Diese Situation wird durch den Gipfel weiter verschärft, indem aus diesen personell schwachen Bereichen weiteres Personal für den G20-Gipfel herausgezogen wird. Wir haben es mit Schichten von 14 Stunden und mehr zu tun, täglich. Daraus entsteht eine Gemengelage, die zur Überbeanspruchung der Kollegen und Kolleginnen führt.“

    Das kompletten Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Millionen, Protest, Sicherheit, Polizei, G20-Gipfel, Polizeigewerkschaft GdP, Deutschland