15:51 28 November 2020
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    NDR Kultur, die „Süddeutsche Zeitung“ und das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels haben die „Sachbücher des Monats“ vorgestellt. Darunter: ein rechtes Werk, das von einem „Spiegel“-Redakteur gewählt wurde. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet, bezog der Chefredakteur des Nachrichtenmagazins, Klaus Brinkbäumer, bereits dazu Stellung.

    Wie die FAZ schreibt, wurde am Freitag die Liste „Sachbücher des Monats“ veröffentlicht. Johannes Saltzwedel, Redakteur für das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ und Mitglied der 25-köpfigen Jury, soll ein rechtes Werk in das Ranking gewählt haben. Die zwanzig Punkte, die jedes Jury-Mitglied vergeben kann, setzte er offenbar auf den Essay „Finis Germania“ von Rolf Peter Sieferle und sorgte damit für Aufsehen. Es hieß, er habe damit „bewusst ein sehr provokantes Buch der Geschichts- und Gegenwartsdeutung zur Diskussion bringen wollen“. Das umstrittene Werk tauchte im Juni-Ranking auf Platz neun auf.

    Saltzwedel sieht in Sieferles Buch als Aufzeichnungen „eines final Erbitterten, gewollt riskant formuliert in aphoristischer Zuspitzung. Man möchte über jeden Satz mit dem Autor diskutieren, so dicht und wütend schreibt er“.

    Auschwitz nur ein „Mythos“

    Das umstrittene Sachbuch soll demnach zahlreiche rechtsextreme und antisemitische Inhalte enthalten.

    Wie die FAZ schreibt, wird im Vorwort des Buches Bundeskanzlerin Angela Merkel eine „Überwältigung der ethnisch-deutschen Bevölkerung“ vorgeworfen. „Der Nationalsozialismus, genauer Auschwitz, ist zum letzten Mythos einer durch und durch rationalisierten Welt geworden“, heißt es im Werk ferner. Dieser Mythos müsse „der Diskussion entzogen werden“.

    Brinkbäumer äußerte sich mittlerweile zum Votum seines Redakteurs und distanzierte sich eindeutig.

    „Ich habe nach der Lektüre der wesentlichen Kapitel kein Verständnis dafür, dass der Kollege Saltzwedel dieses Buch empfohlen hat“, so Brinkbäumer. Er begrüße aus diesem Grund und wegen des entstandenen Schadens Saltzwedels Rücktritt aus der Jury, den jener am Montag bekannt gegeben hatte.

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    Tags:
    Ranking, Antisemitismus, Rechtsextremismus, Bestseller, Buch, Der Spiegel, Klaus Brinkbäumer, Deutschland