23:14 20 August 2017
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    Eisenbahnstrecke in Frankfurt-am-Main (Archivbild)

    Linksextreme: Anschläge auf Bahnanlagen als Protest gegen G20

    © AP Photo/ Michael Probst
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    Nach Brandanschlägen auf Strecken und Anlagen der Deutschen Bahn (DB) in Berlin, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen am Montag ermittelt der Staatschutz. Eine linksextreme Gruppe hat sich zu den Taten bekannt: „Gegen G20-Gipfel gerichtet.“

    Die Polizei der Länder und des Bundes sowie die Justiz ermitteln zu den Anschlägen. „Wir haben die Schäden festgestellt und unsere Erkenntnisse an den Staatsschutz weitergeleitet, der zur Zeit ermittelt“, sagte Nicole Bellinghausen, eine Sprecherin der Bundespolizei auf Sputnik-Anfrage. Die Bundespolizei sei zuständig, durch Kriminelle verursachte Schäden an Gleisanlagen der Deutschen Bahn im gesamten Bundesgebiet festzustellen. Der Staatsschutz und die dazugehörigen Landeskriminalämter ermitteln jetzt, so die Bundespolizeisprecherin. Die Pressestelle des Staatsschutzes war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Laut Presseberichten sammeln Brandermittler der Behörde derzeit Proben von den Brandstellen, um sie im Labor auf chemische Rückstände von Brandbeschleunigern zu untersuchen und so den Tätern auf die Spur zu kommen.

    In Sachsen ist vor allem der Leipziger Raum betroffen. Aktuell ist das Operative Abwehrzentrum (OAZ) der Sächsischen Polizei im Einsatz. „Wir ermitteln derzeit mit Hochdruck“, so Kathleen Doetsch, Sprecherin des OAZ gegenüber Sputnik. „In einigen Fällen konnten Brandvorrichtungen unschädlich gemacht werden, bevor sie Schaden anrichteten. So konnten an den Gleisen in Leipzig-Leutzsch zwei Beamte der Bundespolizei einen verstecken Brandsatz entdecken und vor der Zündung sicherstellen.“ Auch das aufgetauchte, anonyme Bekennerschreiben aus der linksautonomen Szene nehmen die Ermittler zur Kenntnis. „Eine politische Motivation, also auch ein Bezug zum G20-Gipfel in Hamburg kann nicht ausgeschlossen werden und ist Gegenstand der weiteren Ermittlungen“, so Polizeisprecherin Doetsch. „Solche Brandanschläge mit anti-kapitalistischer Kritik ist der klassische Aktionsradius der Linksextremen. Das nehmen wir ernst. Wir ermitteln in dieser Richtung.“ Der G20-Gipfel findet am 7. und 8. Juli in Hamburg statt.

    Weiterhin Beeinträchtigungen im Bahnbetrieb

    Nach Angaben der Polizei gab es in der Nacht zum Montag ganze 13 Anschläge. Sie alle sollen sich zwischen 1:00 Uhr und 4:30 Uhr morgens ereignet haben.

    In Berlin gab es einen Stromkabelbrand in einem abgedeckten Kabelschacht zwischen den Bahnhöfen Treptower Park und Sonnenallee. Als Folge der Brandanschläge kommt es in der Bundeshauptstadt weiterhin zu erheblichen Beeinträchtigungen im städtischen Nahverkehr. Das werde sich aber langsam legen, wie ein Sprecher mitteilte. „Die Reparaturen und Wiederinstandsetzungen dauern wohl noch bis Dienstag an, also wird der S-Bahn-Verkehr wohl noch eine Weile beeinträchtigt bleiben“, sagte Burkhard Ahlert, Sprecher der Deutschen Bahn AG für den Raum Berlin, gegenüber Sputnik.

    In Hamburg brannten Kabel an zwei Bahnstandorten (Eidelstedt und Höltigbaum). Im niedersächsischen Bad Bevensen gab es ein Feuer in einem Kabelschacht an einer Bahnstrecke. In Nordrhein-Westfalen waren vor allem Strecken im Kölner Raum und zwischen Dortmund und Bochum betroffen, so eine Sprecherin der Bundespolizei in Köln. Auch dort komme es weiter zu Verspätungen und Einschränkungen. Die Bahn habe teilweise Ersatzverkehr eingerichtet. „Die elektronische Fahrplanauskunft auf www.bahn.de wurde aktualisiert“, informierte das Unternehmen in einer aktuellen Pressemitteilung und teilte außerdem mit: „Im bundesweiten Fernverkehr ist die Intercity-Strecke Hamburg–Berlin–Dresden–Prag betroffen. Die Züge verkehren derzeit nur zwischen Hamburg und Berlin sowie zwischen Prag und der deutsch-tschechischen Grenze.“

    Alexander Boos

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    Tags:
    Linksextremismus, Terroristen, Anschlagserie, Protestaktion, Deutsche Bahn, G20, Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Deutschland