12:50 29 Juni 2017
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    Gerichtsgebäude des Amtsgerichts Tiergarten an der Wilsnacker Straße 3–5 in Berlin (Archivbild)

    Nachspiel zum Fall von „Mädchen Lisa“: Vier Jahre Bewährung für Ismet S.

    CC BY-SA 4.0 / Molgreen / Amtsgericht Tiergarten
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    Mit dem Urteil gegen Ismet S. ist der Fall Lisa S. erstmal beendet. Der 24-jährige hat Ende 2015 einvernehmlichen, aber illegalen sexuellen Kontakt mit dem damals 13-jährigen Mädchen gehabt. Der Fall hat vor zwei Jahren wegen falscher Behauptungen des Mädchens für Aufsehen gesorgt. Die Verhandlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

    Ein Schöffengericht am Amtsgericht Tiergarten hat am Dienstag Ismet S. (24) wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Herstellung kinderpornographischer Materialien zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Angeklagte hat laut Gericht nachweislich im Herbst 2015 in einer Wohnung in Berlin-Kreuzberg sexuelle Handlungen an der Geschädigten, Lisa S., einer ihm bekannten 13-Jährigen, vorgenommen und davon ein Handy-Video angefertigt. Der Sexualverkehr fand aber laut Urteil des Gerichts einvernehmlich statt. Eine Straftat bestehe trotzdem, weil die Geschädigte zum Zeitpunkt der Tat minderjährig war.

    Lisa S., Russlanddeutsche aus Berlin-Marzahn, verschwand am 11. Januar 2016 auf dem Weg zur Schule spurlos und wurde von ihren deutsch-russischen Eltern bei der Polizei als vermisst gemeldet. Sie behauptete hinterher gegenüber Eltern und Behörden, von drei „südländisch aussehenden Männern“ vergewaltigt worden zu sein. Der Fall sorgte im letzten Jahr für große Aufmerksamkeit – in Deutschland und in Russland. Sogar der russische Außenminister, Sergej Lawrow, kommentierte den Fall. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass die Geschichte mit den drei südländischen Migranten von dem Mädchen nur erfunden worden war. „Bei den Ermittlungen geriet der nun Beschuldigte in den Fokus: Er wurde verdächtigt, mit dem Mädchen vor ihrem Verschwinden einvernehmliche sexuelle Kontakte gehabt zu haben“, heißt es in der aktuellen Pressemitteilung vom Amtsgericht Tiergarten. 

    Die Strafe gegen Ismet S. wird auf vier Jahre Bewährung ausgesetzt, so das Gericht. Ein Jahr davon muss der Täter intensiv mit einem Bewährungshelfer zusammenarbeiten. Außerdem muss er 3.000 Euro Strafe zahlen. Das Geld kommt einem Fonds für geschädigte Vergewaltigungsopfer zugute.

    „Der Angeklagte hat heute umfassend gestanden und hat auch eingeräumt, dass er billigend in Kauf genommen habe, dass das Mädchen noch ein Kind gewesen sei“, so Lisa Jani, Sprecherin des Amtsgerichts Tiergarten, gegenüber Sputnik. „Aufgrund dieser Einlassung konnte das Gericht auf die Vernehmung der heute 15-jährigen Geschädigten, die sich als Nebenklägerin dem Verfahren angeschlossen hatte, verzichten.“

    Lisa befand sich nach Aussagen des Gerichts zwar zum Zeitpunkt der Verhandlung im Amtsgebäude, zeigte sich jedoch nicht der Öffentlichkeit. Sie musste aufgrund des Geständnisses des Täters auch keine Aussagen tätigen.

    Obwohl ein schweres Sexualdelikt vorläge, hätten andere Faktoren beim Urteilsspruch für die Richter ebenso eine Rolle gespielt, erläuterte die Gerichtssprecherin weiter: „Trotz der Schwere der Tat, sah es das Gericht als ermessen an, dass der Täter eine minder schwere Tat begangen hat. Dabei wurden auch das umfassende Geständnis und die bisherige Historie des Angeklagten berücksichtigt. Er war zuvor nicht vorbestraft.“

    Alexander Boos

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    Tags:
    Strafe, Kinderpornografie, Urteil, Fall Lisa, Russland, Deutschland
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