06:34 23 April 2019
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    Kleiner Religionskrieg auf Ku-Damm: Wie weit darf die Toleranz gehen?

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    „Clash of Civilisations“ am Freitagmittag in Berlin - zwei Demonstrationen auf dem Kurfürstendamm: Die eine greift offen Israel an und propagiert den Islam. Die Gegendemo zeigt sich „weltoffen, pro-israelisch und anti-islamistisch“. Berlins Innensenator erntet auf der Veranstaltung für eine demokratische Forderung Pfiffe aus dem Publikum.

    Am Freitag (23. Juni) fand auf dem Kurfürstendamm in Berlin eine Gegendemonstration namens „No-Al-Quds-Tag“ gegen den Quds-Marsch (auch Al-Quds-Tag genannt) statt. Die Veranstalter dieser bewerten den Quds-Marsch als „antisemitisch und islamistisch ausgerichtet“. Das Teilnehmerfeld war parteien- und lagerübergreifend. Politiker diverser Parteien waren ebenso anwesend wie Bürgervereine, zivilgesellschaftliche Organisationen und weitere politisch Aktive. Etwa 150 Teilnehmer nahmen an der Veranstaltung teil. Sie protestierten gegen Antisemitismus und gegen islamistischen Terrorismus.

    Viele Redner betraten das Podium. So auch Andreas Geisel (SPD), Berlins Innensenator. „Heute gilt es, ein deutliches Zeichen zu setzen“, so der Politiker. „Ein Zeichen gegen Menschenfeindlichkeit, gegen Antisemitismus, für Vielfalt und für Toleranz. Besonders von Berlin muss dazu ein klares Signal ausgehen. Wir sind eine weltoffene Stadt.“ Pfiffe aus dem Publikum erntete der Sozialdemokrat, als er auf das demokratische Demonstrationsrecht der Teilnehmer des Quds-Marsches hinwies. „Wir als Demokraten müssen die Demonstration zum Quds-Tag leider hinnehmen, auch wenn uns ihre Absichten menschenfeindlich erscheinen“. Eine Demonstrantin rief laut: „Musst Du nicht!“. Der Senator für Inneres und Sport des Landes Berlin fuhr fort.

    „Das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit ist ein wesentliches Merkmal unserer Demokratie, dazu stehen wir“, machte er deutlich. „Aber ich bin froh, dass die Mehrzahl unserer Gesellschaft diese feindseligen Positionen aus Überzeugung ablehnen und aufs Schärfste verurteilt. Antisemiten verfolgen nicht nur Juden, sondern sie lehnen eine demokratische Gesellschaft als Ganzes ab.“

    Volker Beck, Bundestagsabgeordneter der Grünen, sprach ebenso: „Es ist eine Schande, dass so eine Demo stattfindet, denn der Quds-Tag hat in Deutschland, in unserer Hauptstadt, in Berlin keinen Platz“, sagte der Grünenpolitiker in scharfen Worten und erntete Applaus. Der Protest war gegen den Qudstag-Marsch gerichtet, der ebenso am Freitag in Berlin kurze Zeit nach der „No-Al-Quds-Demo“ auf dem Berliner Kurfürstendamm aufmarschierte. An diesem Marsch nahmen circa 250 bis 300 Personen teil. 

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    Demonstration, Antisemitismus, SPD, Berlin, Deutschland