03:58 27 September 2020
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    Für mehr Austausch zwischen deutschen und russischen Städten spricht sich der Karlsruher Kommunalpolitiker Wolfram Jäger aus. Er sieht das als Beitrag gegen die antirussische Stimmungsmache. Im Interview widerspricht er angeblichen Informationen über Deutsche, die angeblich vor Migranten fliehen.

    Es gebe keine Tendenz, dass immer mehr Deutsche auswandern, weil sie nicht mit den zunehmend zahlreicheren Migranten zusammenleben wollen. Das sagte der Erste Bürgermeister der Stadt Karlsruhe, Wolfram Jäger (CDU), im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin am Rande der deutsch-russischen Städtepartnerkonferenz in Krasnodar. Jäger, als Stellvertreter des Karlsruher Oberbürgermeisters Frank Mentrup (SPD) auch  für die kommunale Ausländerbehörde zuständig, widersprach damit einem entsprechenden Bericht  des Gatestone Instituts.

    Solche Erscheinungen sind dem Kommunalpolitiker nach „nur marginal“. „Es gibt keine erkennbare Absatzbewegung von Menschen, die sich nicht in einem Land wohlfühlen, in dem auch Migranten sich einfinden“, betonte er. Das Entscheidende sei für ihn, dass „die Migranten, die bleiben dürfen, laut dem Bleiberecht genau geprüft werden. Erst wird entschieden, ob wirkliche Gründe da sind, dass es ein Bleiberecht gibt. Und dann müssen beide Seiten mit der Integration leben. Derjenige, der gekommen ist, muss, bereit sein, sich in die Gesellschaft, in die er sich begeben hat, auch einzufinden und deren Regeln und deren Grundlagen auch zu akzeptieren.“

    Politisches Unwetter stört Partnerschaft mit Krasnodar nicht

    Jäger sagte zur Partnerschaft von Karlsruhe mit Krasnodar: „Wir haben seit 25 Jahren eine vertraglich untermauerte Partnerschaft. Davor gab es schon viele Kontakte zwischen Jugendlichen, die das angebahnt haben. Und diese 25 Jahre haben ein so festes Fundament geschaffen, dass eine etwas stürmische Großwetterlage nicht in der Lage ist, die Bäume, die hier gewachsen sind, zu entwurzeln, um mal bildhaft darzustellen. Wir sind in einer sehr stabilen Phase der Freundschaft und des vertrauensvollen Miteinanders zwischen unseren beiden Stadtbewohnern.“

    Die deutsch-russische Städtepartnerkonferenz vor zwei Jahren in Karlsruhe habe festgelegt, dass die nächste Ausrichterstadt Krasnodar im Süden Russlands ist. „Wir haben bewusst so zusammengekoppelt, dass beide Partnerstädte die Stafette einander in die Hand gegeben haben“, erklärte Jäger. „Karlsruhe hat vor zwei Jahren seinen 300. Geburtstag gefeiert und das war ein guter Anlass, um nach außen zu zeigen, in welcher engen Zusammenarbeit Karlsruhe und Krasnodar sich zusammengefunden haben.“

    Mit Schüleraustausch fing es an

    Inzwischen kämen neben Studenten aus Russland beispielsweise Krankenschwestern aus Krasnodar in seine Stadt, berichtete der Erste Bürgermeister.

    „Sie lassen sich bei uns im Krankenhaus an den modernen Geräten schulen. Wir haben Austausche auf dem universitären Bereich, wo Studenten bei uns mehrwöchige Praktika machen, sowohl bei der Stadtverwaltung, aber auch in einer Hochschule in Karlsruhe. Und dann gibt es den Bereich Sport und Kultur, wo sich die verschiedenen Sparten treffen, und die Menschen einander näher bringen.“

    Laut Jäger hat  der Karlsruher Gemeinderat in einstimmiger Entscheidung einen Vertrag zwischen Krasnodar, Karlsruhe und Nancy, einer französischen Partnerstadt, bekräftigt.  Für ihn sei dies eine Vision, dass genau die Entwicklung sich auch im Verhältnis zwischen Deutschland und Russland entwickeln könne, wie es einmal mit dem sogenannten Erbfeind Frankreich der Fall gewesen sei. „Durch die Aussöhnung wurde Frankreich über historische Zeit hinweg zum engsten Freund für Deutschland.  Dafür haben wir dieses Dreieck geschaffen.“

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Partnerschaft, Konferenz, Krasnodar, Russland