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03:27 18 August 2019
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    Proteste gegen G20-Gipfel in Hamburg

    Knüppel und Seifenblasen: Jung und Alt macht sich stark gegen G20

    © Sputnik / Ilona Pfeffer
    Gesellschaft
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    G20-Gipfel in Hamburg (123)
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    Antiglobalisten, Krawalltouristen, Gutmenschen – Zehntausende gehen dieser Tage in Hamburg auf die Straße, um gegen den G20-Gipfel zu protestieren. Doch wer sind diese Menschen und was bringt sie dazu, Zeit und Kraft zu investieren und unter Umständen ihre Gesundheit zu riskieren, um ihre Protest kundzutun?

    Am Feitagmorgen ist eine kleine Blockade an der Außenalster mit Wasserwerfern und forschem Durchgreifen seitens der Polizei geräumt worden. Mittendrin war  Peter, 67. Ich frage ihn, was ihn persönlich dazu motiviert, gegen die G20 auf die Straße zu gehen.

    „Zu erleben ist das ganz deutlich durch die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Ich bin mein Leben lang Arbeiter gewesen. Leute wie ich haben immer weniger zu ihrer Existenzsicherung. Es ist eine Polarisierung zwischen Reichtum, der nicht weiß, wohin, und einer Verarmung, von der ich auch betroffen bin. In meinem Stadtteil werden Wohnungen und Häuser geräumt, weil das Kapital in Immobilien investiert. Man will die maximale Rendite rausziehen, deswegen werden die Leute aus ihren Wohnungen rausgeschmissen. Die Menschen haben ein fundamentales Recht auf Wohnen. Davon bin ich auch betroffen.“

    Er gehe seit 40 Jahren auf Demos und er finde es unheimlich toll, dass der Kampf für eine bessere Gesellschaft gerade auch von den Jungen getragen wird, erzählt er.

    Demonstrant Peter bei der Protestaktion in Hamburg
    © Sputnik / Ilona Pfeffer
    Demonstrant Peter bei der Protestaktion in Hamburg

    „Die Proteste haben sich verändert. Die Demonstranten haben dazugelernt, gelernt, vielfältiger zu sein, von festgefahrenen Weltbildern aus schwarz und weiß abzurücken, zu differenzeiren. Sie haben gelernt, miteinander zu kommunizieren und unterschiedliche Positionen zu berücksichtigen. Also ein Stück weit vorzuleben, wie wir einmal miteinander umgehen wollen in einer besseren Welt.“

    Die Räumung vom frühen Morgen sei relativ moderat gewesen, doch auch da habe es unnötige Gewalt gegeben.

    „Keine Schläge, nichts. Wir wurden allerdings komplett unter Wasser gesetzt, ich war durchnässt bis auf die Haut. Hart war es, als sie die Leute festgenommen haben. Sie sind sehr brutal reingegangen. Ich wurde gegen einen Rollstuhl gestoßen, der an der Straße festgekettet war. Dadurch habe ich eine Rippenprellung. Sie nehmen auf nichts Rücksicht, sie ziehen es gnadenlos durch. Eine andere Situation habe ich beobachtet: Als unsere Demo sich in Bewegung gesetzt hat, ist eine Polizeikolonne hinter uns hergerast und hat nicht abgebremst. Eine Frau ist dabei angefahren worden. Das ist genauso Gewalt wie das Knüppeln.“

    • Proteste gegen G20-Gipfel in Hamburg
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    Proteste gegen G20-Gipfel in Hamburg

    Vor 40 Jahren sei die Polizei weit weniger gut ausgerüstet und ausgebildet gewesen, insofern habe sich das Gewaltpotenzial gesteigert, sagt der hagere Mann mit den weißen Haaren.

    Unser kleiner Protestzug hat sich mittlerweile mit der größeren Jugenddemo vereint und setzt den Weg gemeinsam fort. Schüler, Studenten und andere junge Menschen protestieren fröhlich und bunt. Die Polizei ist mit zahlreichen Beamten präsent, doch ist es erst am Hafen, als wir auf Wasserwerfer treffen.

    Und dort sehe ich Lars, wie er vor den riesigen Wagen große bunte Seifenblasen macht.

    „Ich möchte bildlich darstellen, dass die Gewalt nicht von den Demonstranten ausgeht, sondern umgekehrt. Für mich ist das eine neue Form des Protestes, ich habe es „Rebel Bubble“ genannt. Sonst bringe ich mich auf vielfältige Weise ein, gerne auch in Großgruppen.“

    37 ist er und Erzieher. Das Thema Bildung liegt ihm besonders am Herzen, deshalb hat er sich der Jugenddemo angeschlossen.

    Demonstrant Lars bei der Protestaktion in Hamburg
    © Sputnik / Ilona Pfeffer
    Demonstrant Lars bei der Protestaktion in Hamburg

    Auch bei seiner Kritik an den G20 wählt er einen Vergleich aus dem Bildungsbereich:

    „Ich sehe keine Legitimation der G20. Es sind die stärksten Länder, die sich da treffen. Das ist so, als würden sich im Klassenraum die zwei stärksten Jungs zusammentun und entscheiden, wie es laufen soll. Dagegen möchte ich ein Zeichen setzen.“

    Der Wasserwerfer kommt am Ende nicht zum Einsatz und von der Demo ist bald nur noch goldenes Konfetti übrig, das den Asphalt bedeckt.

    Ilona Pfeffer

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    Tags:
    Demonstranten, Proteste, G20, Hamburg, Deutschland