00:27 15 Dezember 2019
SNA Radio
    Proteste in Deutschland (Archivbild)

    Die Dämonen der Krawalltradition: Gipfel als Schauplätze blutiger Straßenschlachten

    © AFP 2019 / DPA/Marc Mueller
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    G20-Gipfel in Hamburg (123)
    23216
    Abonnieren

    Bei den G20-Krawalltagen sind in Hamburg rund 200 Polizisten verletzt und über 100 Linksextremisten festgenommen worden. Während man sich darüber streitet, wer für die falsche Einschätzung der Sicherheitslage die Schuld trägt, erinnert sich Sputniknews in einem Rückblick an die schlimmsten und blutigsten Krawalle des vergangenen Vierteljahrhunderts

    Der „Münchner Kessel“ von 1992:

    Beim G7-Gipfel 1992 in der Landeshauptstadt München ist die Demonstration gegen das ihrer Meinung nach zu teure Treffen (35 Millionen D-Mark – etwa 17,5 Millionen Euro, nichts im Vergleich zu den heutigen Kosten) zu einem Krawall ausgeartet. Als Kanzler Helmut Kohl (CDU) dem US-Präsidenten George Bush und seinem französischem Amtskollegen Francois Mitterand die Hände schüttelt, übertönen hinter der Absperrung stehende Demonstranten mit Buhrufen, Pfiffen und Trillerpfeifen die Blasmusik. Die Polizei reagiert sofort: Ein Großaufgebot an Beamten mit Knüppeln kesselt die Ruhestörer ein. Über 500 Demonstranten werden stundenlang festgehalten, einer nach dem anderen wird ein Großteil der Demonstranten herausgezogen oder sogar weggeschleift.

    Polizeikessel in München 1992 (Archivbild)
    © AP Photo / J. Scott Applewhite
    Polizeikessel in München 1992 (Archivbild)

    Ausnahmezustand in Seattle, 1999:

    In Seattle findet die Welthandelskonferenz statt. Zehntausende Demonstranten und WTO-Gegner umzingeln Hotels, wo sich Delegierte niedergelassen haben. Es finden Straßenschlachten statt, dutzende Geschäfte werden geplündert, die Polizei setzt Tränengas ein und verhängt Ausgangssperren. Der Bürgermeister sieht sich gezwungen, den Ausnahmezustand auszurufen. Die Eröffnungszeremonie wird abgesagt, da die Sicherheit der Delegierten nicht garantiert werden kann.

    Straßenkämpfe in Seattle 1999 (Archivbild)
    © AP Photo / Eric Draper
    Straßenkämpfe in Seattle 1999 (Archivbild)

    Erschossen und vom Wagen überrollt

    2001: In Genua demonstrieren Tausende gegen den G8-Gipfel. An den Protesten nehmen insgesamt etwa 300.000 Menschen teil. Die italienische Polizei stürmt ein Gebäude, in dem sich die Demonstranten festgesetzt haben. Dutzenden Aktivisten werden Rippen, Arme, Beine und Kiefer gebrochen. Auf der Straße stürmt ein junger, mit einem Feuerlöscher bewaffneter Demonstrant auf einen Polizeiwagen zu und wird von einem verängstigten Beamten erschossen. Noch bevor Notärzte den Mann tot auffinden, rast der Kollege des Beamten am Steuer aus Panik los und überrollt ihn.

    Tod eines Aktivisten während der Proteste in Genua (Archivbild)
    © AFP 2019 / Gerard Julien
    Tod eines Aktivisten während der Proteste in Genua (Archivbild)

    Krawalle in Hamburg
    © REUTERS / Pawel Kopczynski
    Brutale Bauernproteste

    In Hongkong wird ein Minister-Treffen der Welthandelsorganisation zum Thema Freihandel abgehalten. Es marschieren mehrere Tausend Globalisierungskritiker zu einer Großkundgebung gegen die WTO auf. An den Protesten nehmen unter anderen auch südkoreanische Bauern und Fischer aus verschiedenen südostasiatischen Ländern teil. Es kommt zu Ausschreitungen mit zahlreichen Verletzten.

    Ausschreitungen in Hongkong (Archivbild)
    © AFP 2019 / Jung Yeon-Je
    Ausschreitungen in Hongkong (Archivbild)

    Orgie der Gewalt bei G8-Gipfel: Über 400 verletzte Polizisten

    2007: Diese „friedliche Demo“ ist wohl noch schlimmer ausgeartet als die heutigen Proteste in Hamburg. In Heiligendamm finden im Vorfeld des 33. G8-Gipfels Straßenschlachten zwischen Polizei und den Demonstranten statt.

    Den Höhepunkt finden die Krawalle bei einer internationalen Großdemonstration in Rostock. Hunderte vermummte Personen kursierten durch die Innenstadt, zertrümmern alles, was ihnen im Wege steht und attackieren die Polizei. An Kreuzungen werden Einsatzfahrzeuge in Position gebracht, es werden Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt. 433 Beamte werden verletzt, über tausend Demonstranten festgenommen.

    Straßenschlachten in Heiligendamm während des G8-Gipfels (Archivbild)
    © AFP 2019 / Jim Watson
    Straßenschlachten in Heiligendamm während des G8-Gipfels (Archivbild)

    „Tötet Sarkozy“ – gewalttätige Proteste in Straßburg

    Im französischen Straßburg wird der Nato-Gipfel zum 60-jährigen Bestehen des Militärbündnisses von Krawallen überschattet. Militante Gipfelgegner stecken mehrere Gebäude und Barrikaden in Brand, bewerfen die Polizei mit Molotow-Cocktails. Die Beamten antworten mit Tränengas, Schockgranaten und Wasserwerfern. Während Frankreichs Präsident Sarkozy seine Nato-Gäste in Empfang nimmt, rufen Autonome zu seiner Ermordung auf.

    Krawalle in Strassburg 2009 während des Nato-Gipfels (Archivbild)
    © AFP 2019 / Lionel Bonaventure
    Krawalle in Strassburg 2009 während des Nato-Gipfels (Archivbild)

    Brennende Polizeiwagen — 12.000 Sicherheitskräfte im Einsatz

    Vor sieben Jahren fanden während des G20-Gipfels im kanadischen Toronto Proteste von Globalisierungsgegnern, Umweltschützern, Gewerkschaftern und Frauengruppen statt. Vorwände sind wie stets der Reichtum der Mächtigen, die Armut dritter Länder und Menschenrechtsverletzungen. Von dem Demonstrationszug trennen sich militante Randalierer, schlagen Schaufenster international bekannter Geschäfte ein. Polizeiwagen gehen in Flammen auf, es fliegen Steine und Flaschen auf Polizisten, die das Tagungszentrum des Gipfels abriegeln. Die Polizei setzt erstmals in der Geschichte der Stadt Tränengas ein und nimmt hunderte Demonstranten fest.

    Ein brennendes Polizeiauto während Ausschreitungen in Toronto (Archivbild)
    © AP Photo / Carolyn Kaster
    Ein brennendes Polizeiauto während Ausschreitungen in Toronto (Archivbild)
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    G20-Gipfel in Hamburg (123)

    Zum Thema:

    „Politiker an die Wand stellen“: Greta Thunberg überrascht mit radikalen Worten
    Türkei beantragt bei USA Kauf von Patriot-Raketenabwehrsystemen
    „Entschlossene“ Antwort: USA warnen Teheran nach Angriffen
    Merkel warnt vor Abwanderung von Unternehmen
    Tags:
    Antiglobalismus, Linksextremismus, Protest, G8, G7, WTO, Hamburg