06:51 29 September 2020
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    Für ihren Einsatz beim G20-Gipfel in Hamburg werden die Polizisten je nach Bundesland mit unterschiedlich langem Sonderurlaub belohnt: In Niedersachsen gibt es drei, in Thüringen nur einen Tag Sonderurlaub.

    Warum bekommen die Thüringer Polizisten nur einen Tag Urlaub und nicht drei wie ihre Kollegen in Hamburg, Schleswig-Holstein oder dem Saarland? Das klingt erstmal nicht gerecht. „Ich gebe Ihnen recht, es gibt da einen Unterschied“, sagt Kai Christ, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Sputnik-Gespräch. „Eigentlich sieht unsere Urlaubsverordnung für solche Einsätze überhaupt keine Regelung vor“, wendet der Polizist ein. Trotzdem habe sich Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) nach Rücksprache mit Christ dazu entschlossen, einen Tag Sonderurlaub zu geben.

    „Natürlich fühlen sich die Kollegen ein bisschen benachteiligt, wenn bei anderen eine „drei“ steht und bei uns nur eine „eins““, gesteht der Gewerkschaftschef.

    Es gebe Überlegungen im Innenministerium, den 450 Kollegen für ihren G20-Einsatz weitere Zuwendungen zukommen zu lassen. Wie die aussehen, konnte Christ nicht verraten.

    450 thüringische Polizisten im Einsatz, 13 Verletzte

    Während des G20-Gipfels waren insgesamt 20.000 Polizisten im Einsatz. 450 etwa kamen aus Thüringen. Ihre Aufgaben waren sehr unterschiedlich: Im Schanzenviertel, in dem es zu heftigen Krawallen und Straßenschlachten kam, war etwa eine Beweis- und Festnahmeeinheit aus Thüringen dabei. Kollegen der Bereitschaftspolizei beschützten die Elbphilharmonie, auch SEK-Kräfte waren dabei. Insgesamt  wurden dabei 13 Polizisten aus Thüringen verletzt, zwei von ihnen  sind nicht dienstfähig.

    Feeling wie in Nordirland: „Die Seele ist angegriffen“

    Christ selber war von Donnerstag bis Sonntag in Hamburg – er war in der Einsatzbetreuung.

    „Wenn man am helllichten Tag durch die leere Hamburger Innenstadt  fährt, dann hatte das so ein Feeling wie in Nordirland“, beschreibt Christ die Szenerie und meint damit das Nordirland der 70er Jahre zur Zeit der IRA.

    „Auch, wenn ich nicht direkt im Schanzenviertel unterwegs war, die Seele ist angegriffen“, gesteht der Zwei-Meter-Hüne. Mit seinen Kollegen hat er zwei Polizeiwagen zu rollenden Imbisswagen umfunktioniert und etwa 5.000 Wiener Würstchen an die Polizei-Kollegen verteilt.

    Kritik am „Welcome to Hell“-Einsatz

    Zum Ende des Gesprächs stellt Christ die oft gestellte und noch nicht ausreichend beantwortete Frage, warum man den G20-Gipfel in einer Großstadt wie Hamburg ausrichten muss: „So etwas ist einsatztaktisch schwerer zu händeln, als wenn man das auf dem flachen Land macht.“ Dann verrät er, dass sich Einsatztaktiker der Polizei – auch der Hamburger Polizei – kritisch mit dem Einsatz bei der Gegendemonstration „Welcome to Hell“ auseinandersetzen. „Diese Demo ist ja der vermeintliche Zünder für all das gewesen, was danach in Hamburg passiert ist“, sagt Christ. „Wenn ich mich dafür entscheide, einen Demonstrationszug mit Tausenden Teilnehmern anzuhalten, dann muss ich als Polizei auch so stark sein, die Demo sofort auflösen zu können. Das war, aus dem, was man von dem Kollegen hört, am Donnerstagabend nicht gänzlich der Fall.“

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Urlaub, Proteste, G20-Gipfel in Hamburg, Polizeigewerkschaft GdP, Kai Christ, Deutschland