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    Neonazis (Symbolbild)

    Eine Thüringer Kleinstadt wappnet sich: Tausende Neonazis im Anmarsch

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    In der thüringischen Kleinstadt Themar werden am kommenden Wochenende im Rahmen eines riesigen Rechtsrock-Konzertes bis zu 5000 Neonazis erwartet. Bürgermeister Hubert Böse sprach im Interview mit dem „Spiegel“ über vorab getroffene Maßnahmen, seine größten Sorgen und wie es überhaupt dazu kam, dass das Event in seiner Stadt stattfinden soll.

    Rund 2900 Menschen leben in Themar. Fast doppelt so viele Menschen könnten an diesem Wochenende in die Kleinstadt reisen. Das Rechtsrock-Konzert könnte das bundesweit größte Treffen dieser Art in diesem Jahr werden, schreibt der „Spiegel“.

    „Die Menschen in unserer Stadt haben zum Teil Angst. Viele Bürger denken nun an die Bilder von den Krawallen beim G20-Gipfel. Die Gewalt in Hamburg hat gezeigt, dass man sich Sorgen machen muss. Ich hoffe, es kommt nicht zu Auseinandersetzungen“, so Böse.

    Im Gespräch mit dem „Spiegel“ sprach er auch darüber, wie es überhaupt dazu kam, dass die 2900-Seelen-Stadt plötzlich eine derartige Veranstaltung austragen wird. Ein Regionalpolitiker, der bis vor Kurzem AfD-Mitglied war, soll vor allem eine entsprechende Entscheidung getroffen haben.

    „Mehr will ich zu ihm nicht sagen. Das Schlimme ist, dass wir als Stadt nichts gegen dieses Konzert unternehmen konnten. Die Veranstaltung ist vom Versammlungsrecht gedeckt. Der Rechtsstaat macht es diesen Leuten sehr leicht, unter dem Deckmantel der Versammlungsfreiheit solch ein Konzert zu veranstalten.“

    Das Motto des Konzerts lautet übrigens: Rock gegen Überfremdung. Themer sei allerdings „absolut nicht“ überfremdet, betonte der Bürgermeister. „Uns wurde in der Flüchtlingskrise kein einziger Asylbewerber zugewiesen. Der Ausländeranteil liegt bei 2,7 Prozent, die Menschen sind alle gut integriert. Wir lehnen dieses furchtbare Motto strikt ab.“

    Böse selbst werde sich am Wochenende nicht in der Nähe des Konzertgeländes aufhalten – daran habe er „absolut kein Interesse“. Er hofft einfach, dass die Veranstaltung gewaltfrei verlaufe. Wie bereitet sich die Stadt aber auf so ein Event vor?

    „Wir haben einige Veranstaltungen geplant, mit denen wir zeigen, dass wir uns offensiv gegen Rassismus stellen. Die Vielfalt in unserer Gesellschaft, in unserer Stadt, stellen wir nicht in Frage. Es wird ein Marktfest geben, da kann sich die Bevölkerung von dem Neonazi-Konzert mental ablenken. Zudem gibt es einen Demonstrationszug und Initiativen von Vereinen“, so Böse.

    Bis zu 1000 Polizeibeamte sollen außerdem vor Ort im Einsatz sein.

    „Sie können mir glauben: Ich hätte mir lieber eine andere Aufmerksamkeit durch die Medien gewünscht, als nun zu diesem Treffen Stellung zu nehmen.“

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    Tags:
    Konzert, Neonazis, Rechtsradikale, Rassismus, Migranten, Thüringen, Deutschland
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