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03:31 24 Oktober 2019
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    „Sündenpfuhl“ Regensburger Domspatzen: Ex-Schüler tadelt Hetzkampagne in Medien

    © AFP 2019 / DPA/Arno Burgi
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    „Wie können Sie ihren Sohn in diesen Sündenpfuhl stecken?“ Diese Frage stellte eine TV-Reporterin Eltern von Schülern der Regensburger Domspatzen. Solche Berichterstattungen ärgern Ludwig Fischer maßlos. Fischer war Schüler bei den Domspatzen. Er sagt, die heutige Einrichtung sei modern und habe nichts mehr mit der in den 70er Jahren zu tun.

    Weil er sich über Hasskommentare und Verleumdungen  in den Medien ärgerte, postete Ludwig Fischer auf der Facebook-Seite der Domspatzen eine positive Kritik:

    Zwischen 1997 und 2006 war der gebürtige Regensburger Schüler bei den Domspatzen. Gegenüber Sputnik stellte er klar: „Wenn man da reinpasst und die schulischen und musikalischen Voraussetzungen erfüllt, ist die Einrichtung perfekt.“ Seine Mutter habe ihn überredet, zu den Domspatzen zu gehen: „Ich habe nur unter der Bedingung eingewilligt, dass ich gehen kann, wenn es mir nicht gefällt“, bemerkt Fischer. „Als ich dort war, wollte ich nie wieder weg.“

    Ausdrücklich verurteilte er die Gewaltexzesse bei den Domspatzen in den 60er und 70er Jahren. Er selber habe während seiner Schulzeit nichts dergleichen erfahren:

    „Aufgrund dieser Klischees, die die Lehrer und die Chorleiter kennen, und auch aufgrund der Vergangenheit, die dem ein oder anderen bewusst war, wurde extrem auf Gewalt und Unterdrückung geachtet. Das Personal war hoch professionell.“

    Darum machen ihn Berichte wie der in der „New York Times“ wütend. Die US-Zeitung datierte die Missbrauchsfälle bei den Domspatzen auf die Jahre zwischen 1945 bis 2015. „Das suggeriert, dass das ein hochaktuelles Thema ist. Dem ist nicht so.“ Dann erinnert er sich an eine weitere Begegnung mit den Medien: „Ich habe selber erlebt, dass RTL2-Reporter vor den Türen standen und Eltern, die ihre Kinder zu den Domspatzen gebracht haben, fragten: Wie fühlen sie sich, wenn sie ihren Sohn in so einen Sündenpfuhl stecken?“ diesem Journalismus kann Fischer nichts abgewöhnen. Laut dem Ex-Schüler bekommen die Domspatzen das schlechte Image und die Berichterstattung inzwischen zu spüren: „Die Schüler jetzt haben damit zu kämpfen. Und ich auch. Man muss sich das vorstellen: Bei den Domspatzen bekommt man nicht nur eine schulische Ausbildung. Als 12-jähriger habe ich in Tokio auf der Bühne gestanden und vor 5.000 Menschen gesungen. Danach hat man keine Prüfungsangst mehr.“

    Das komplette Interview finden Sie hier:

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    Tags:
    Gewalt, Kinder, Missbrauch, Chor, Regensburg, Deutschland