08:37 24 November 2017
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    Doping-Skandal mit Russland – Anwalt: Sport wird für politische Ziele missbraucht

    © Sputnik/ Alexandr Wilf
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    Zweifel an der unabhängigen Untersuchung von angeblichem Doping russischer Sportler vor Olympia 2016 hat der Schweizer Anwalt Emmanuel Kilchenmann. Er hat mit dafür gesorgt, dass russische Kanu-Sportler rehabilitiert wurden. Im Interview äußert er sich dazu.

    Die Schweizer Anwälte Emmanuel Kilchenmann und Serge Vittoz aus Lausanne hatten Ende März erreicht, dass das Anti-Doping-Komitee des Internationalen Kanu-Verbands (ICF) die zeitweilige Sperre für neun russische Athleten aufhob, die seinerzeit von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 ausgeschlossen wurden. Es hat keinen hinreichenden Nachweis erbringen können, dass sie gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen hatten, wie es im Bericht des kanadischen Juristen Richard McLaren für die internationale Anti-Doping-Agentur WADA behauptet wurde.

    Für Kilchenmann sei es absolut eine Frage der Gerechtigkeit gewesen, dass diese hergestellt wird, wie er nun im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin erklärte.

    „Es geht nicht darum, dass das russische Athleten sind. Im Fall der ganzen Dopingfragen geht es um die Frage des Rechts. Und das Recht beschäftigt sich mit der Gerechtigkeit und der Gleichbehandlung, was hier nicht der Fall war. Anhand der Fakten und des produktiven Dialogs ist es uns gelungen, das Komitee zu überzeugen und ganz genau zu zeigen, dass, wenn sie die Russen nicht freisprechen, dann gehen wir weiter und werden gewinnen. Das Recht war auf unserer Seite.“

    Aus Sicht des Schweizer Anwalts gibt es derzeit einen gezielten Druck auf Russland. Im Westen herrsche ein Denken vor, das Russland kritisch sehe, was sich auch in dem Fall zeige. „Es gibt schon fragwürdige Punkte. Erstens, warum kam der McLaren-Report genau zwei-drei Wochen vor den Olympischen Spielen? Und er war zu dieser Zeit nicht reif. Es ist schon erstaunlich, dass man im Vorfeld der Olympischen Spiele etwas rausgibt, was nicht fertig geschrieben ist.“

    Der zweite Bericht des kanadischen Juristen sei erst im Januar dieses Jahres gekommen, erinnerte Kilchenmann. Er hält es für möglich, dass das Vorgehen absichtlich erfolgte.

    „Sonst hätte man einfach gewartet und hätte gesagt, wir schreiben diesen Repport sauber fertig, und dann gehen wir mit etwas Stärkerem gegen die Russen vor, die angeblich nicht das Reglement respektieren. Das war aber nicht der Fall. Es gibt schon einige Kräfte, die den Sport zum politischen Mittel missbrauchen. Man handelt nicht mit den gerechten Mitteln.“

    Was den ARD-Journalisten Hajo Seppelt und McLaren angeht, die diese ganze Geschichte in Gang gesetzt haben, so ist es laut Kilchenmann schwierig, sie zur Verantwortung zu ziehen. Der Erste werde „sich hinter der Medienfreiheit verstecken“. „Und der Zweite wird sagen, er habe das mit gutem Gewissen gemacht. Sie kann man nie in die Rechenschaft ziehen und juristisch bestrafen. Ich hoffe aber, dass die Geschichte sie in Rechenschaft ziehen wird, indem man aufzeigt, dass der  McLaren-Report nicht ausreichte, um Athleten von den Olympischen Spielen abzuhalten. Das ist skandalös.“

    Der Olympiasieger im Zweier-Kajak von London 2012, Alexander Djatschenko, der auch in Rio alle Chancen hatte, seinen Titel zu verteidigen und gemeinsam mit seinem Kajakpartner Gold zu erringen, wurde von dem Internationalen Kanuverband wegen Dopingverdacht suspendiert. Er ist jetzt völlig rehabilitiert und meint:

    „Das hat mir sehr hart zugesetzt. Wir hatten seit vier Jahren konsequent für die Olympia trainiert. In dieser Zeit war uns allerhand passiert, darunter auch Verletzungen und Niederlagen. Wir liefen trotzdem nach und nach zur besten Form auf, fuhren die beste Zeit, da wurde uns gesagt, dass wir nicht mitkommen dürfen. Dann überrannten uns eben die Emotionen.“

    Dem Athleten schwand einfach die Motivation. „Man musste daran denken, wie es weitergehen soll, vor allem, wenn die Untersuchung ganze sechs Monate dauerte. Man kommt allmählich aus der Form. Inzwischen wurde der Zweier-Kajak überhaupt vom Programm der Olympischen Spiele gestrichen. Und wir hätten doch unbesiegt gehen können.“

    Der Russische Kajak- und Kanuverband ist nicht der einzige, der seine Sportler erfolgreich verteidigt hat. Auf ihn folgten der Fechter-Bund und andere Verbände. Die Olympischen Spiele in Rio 2016 sind allerdings schon Geschichte.

    Das komplette Interview mit Emmanuel Kilchenmann zum Nachhören:

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    Tags:
    Untersuchungen, Sportler, Bericht, Doping, Olympische Spiele in Rio de Janeiro, WADA, ARD, Nikolaj Jolkin, Brasilien, Russland
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