18:52 15 Dezember 2017
SNA Radio
    Nachtwölfe auf dem Weg auf die Krim

    Gewagte Reise: Dutzende Deutsche begleiten „Nachtwölfe“ durch Donbass zur Krim

    © Foto: Nachtwölfe
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    31138

    Die Biker des russischen Motorradclubs „Nachtwölfe“ machen sich auf den Weg auf die Krim. 80 Mann aus Europa, die meisten aus Deutschland, reisen von Moskau über Donezk und Lugansk nach Sewastopol, um der gefallenen Sowjetsoldaten zu gedenken. Einige der Teilnehmer wollen am Zielort zur Orthodoxie konvertieren. Sputnik hat mit ihnen gesprochen.

    Die Biker wollen am 12. August in Moskau starten – und zwar von der Gedenkstätte des Ewigen Feuers im Alexander-Garten an der Kremlmauer. Ihr Weg führt über die russischen Städte Smolensk und Jelez sowie über Lugansk und Donezk in der Ostukraine. Auch dort wollen sie der Opfer des Großen Vaterländischen Krieges gedenken. Dieser Teil der Route sei auf Bitten der europäischen Teilnehmer der Fahrt ins Programm aufgenommen worden, sagte der Leiter der Motorrad-Gedenkfahrt Andrej Bobrowski gegenüber Sputnik.

    „In diesem Jahr haben wir endlich auf Wunsch unserer europäischen Kollegen den Gedanken umgesetzt, Noworossija zu besuchen. Darüber gibt es eine Menge Legenden, eine Menge Fehlinterpretationen und Geschwätz. Die Menschen wollen jedoch die Wahrheit erfahren und alles mit eigenen Augen sehen.“

    Realistischeres Bild

    Udo Wessendorf aus Osnabrück ist einer der „Nachtwölfe“. Im Mai 2016 fuhr er erstmals mit Dutzenden anderen „auf den Straßen des Sieges“ über Prag nach Berlin. Die Idee, sich dem Biker-Club anzuschließen, kam spontan: Er habe Land und Leute besser kennenlernen wollen, sagte er gegenüber Spuntik.

    Der Osnabrücker war mit seiner Frau im Jahr 1999, also noch vor Kriegsbeginn, im Donbass. Er erzählte, er erinnere sich, wie sie gemeinsam eine Kirche besucht eine Kerze mit nach Hause genommen hätten. Ihnen sei geraten worden, sie anzuzünden, wenn es Probleme gebe. Bislang habe das auch tatsächlich immer geholfen, so Wessendorf. „Das ist der Glaube, den ich mal übernehmen werde“, sagte er. Sobald er in Sewastopol ankomme, wolle er zur Orthodoxie übertreten.

    „Für mich ist diese Fahrt eine tolle Erfahrung. Den Medien, die wir hier haben, schenke ich keinen Glauben. Durch die Sender aus Russland habe ich andere Blickpunkte gesehen, die mir realistischer vorkommen. Ich freue mich über diese Fahrt über den Donbass“, sagte der Deutsche im Sputnik-Gespräch und fügte hinzu: „Ich bin der Meinung, das war früher alles ein Russland, und das gehört zu Russland.“

    „Guck mal mit eigenen Augen hin!“

    Auch Alexander Schulz wagt sich mit dem Motorradclub „Nachtwölfe“ nach Sewastopol.

    „Es ist eine sehr große Sache, mit so vielen Menschen einen so weiten Weg zu fahren – das ist ein Erlebnis!“, sagte er gegenüber Sputnik. Für ihn sei es wichtig, mit eigenen Augen zu sehen, wie die Leute auf der Krim und im Osten der Ukraine leben. Der militärische Konflikt, der in der Ostukraine schon seit fast drei Jahren schwelt, sei kein Hindernis, so Schulz.

    Ein Stopp in Tschetschenien
    © Foto: Nachtwölfe
    Ein Stopp in Tschetschenien

    „Es ist genauso wie in Tschetschenien. Wenn jemand erzählt, es ist dort alles so schlimm, da sage ich – überhaupt nicht. Guck mal mit eigenen Augen hin! Alles neu aufgebaut, Ordnung, Sauberkeit, einfach top!“

    Im Winter heiratete er eine orthodoxe Frau aus Sewastopol und will jetzt wie Wessendorf die Konfession wechseln. Am 17. August ist es für die beiden in Foros bei Sewastopol soweit. „Für die Zukunft, für die Kinder, für mich selbst ist es sehr wichtig“, so Schulz.

    Historische Authentizität bewahren

    Mehr als 80 Anträge wurden an die Organisatoren der Fahrt nach Sewastopol gerichtet. Viele rufen auch jetzt noch an und fragen, ob sie sich der Aktion der russischen „Nachtwölfe“ unterwegs anschließen dürfen. Die Bewegung sei offen für alle, betont Andrej Bobrowski.

    „Es ist schon eine Tradition, die jährlichen Gedenkmärsche in Sewastopol zu  beenden. Hier versammeln sich unsere Kollegen, die Menschen, die für die Wiederherstellung der guten Beziehungen zwischen Russland und Europa kämpfen und – was sehr wichtig ist – auch für die Bewahrung der historischen Authentizität. Besonders aktiv in dieser Hinsicht sind die Deutschen, für sie ist es von großer Bedeutung. Sie verstehen, dass wir, wenn wir jetzt alles verwischen, über mehrere Generationen eine Wiederholung der Geschichte erfahren könnten.“

    Die Route endet am 18. August in Sewastopol mit einer internationalen Rocker- Show. Jedes Jahr fahren die „Nachtwölfe“ auf den „Wegen des Sieges“ durch europäische Länder, um Kränze an Monumenten für die während des Zweiten Weltkrieges gefallenen Sowjetsoldaten niederzulegen. Dem internationalen Team gehören Motorradfahrer aus Russland, Deutschland, Polen, Tschechien, Italien und Österreich an.

    Zum Thema:

    Russische Biker „Nachtwölfe“ zum Tag des Sieges im Berliner Treptower Park
    Gedenkfahrt: Deutsche Polizei verspricht russischen „Nachtwölfen“ Schutz
    Georgien verbietet russischen „Nachtwölfen“ die Einreise
    „In Berlin sind wir 10.000“: Motorradtour der „Nachtwölfe“ zum Tag des Sieges
    Tags:
    Gedenkfahrt, Freundschaft, Mission, Motorradclub Nachtwölfe, Tschetschenien, Krim, Russland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren