04:50 25 November 2017
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    Angst. Symbolbild

    Ängste der Menschen – Nur „mediale Stichwörter“?

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    Gesellschaft
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    Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und die Folgen des Klimawandels werden laut einer Studie weltweit als die größten Bedrohungen empfunden. Das Pew-Research Center befragte darüber über einen Zeitraum von drei Monaten knapp 42.000 Menschen in 38 Ländern.

    Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) und der Klimawandel gelten weltweit als die größten Bedrohungen. Auch in Deutschland rangieren die die beiden Themenpunkte unter den Top-Drei-Ängsten, der IS auf Platz eins mit 77 Prozent und der Klimawandel auf Platz drei mit 63 Prozent, auf Platz zwei rangiert die Angst vor Cyber-Attacken von anderen Ländern. Das ergibt eine aktuelle Studie des Pew Research Centers aus Washington. Der Politikwissenschaftler und Philosoph Frieder Otto Wolf bezweifelt allerdings im Interview mit Sputnik, dass die Studie tatsächlich die Ängste der Menschen abzeichnet. Er erklärt:

    „Was solche Umfragen abbilden, ist eigentlich im Wesentlichen, was die Top-Themen im öffentlichen Diskurs, Medien und so weiter sind. Darüber auf diesem Weg wirklich etwas zu erfahren, was die Leute denken und was sie bewegt, da bin ich ziemlich skeptisch. Dass das ein zentrales Thema in der öffentlichen Berichterstattung und Debatte war, das ist ja unübersehbar und das stimmt auch. Die Frage ist natürlich, ob das berechtigt ist?“

    Wenn die Leute befragt würden, wovor sie am meisten Angst hätten, dann würden sie nicht darüber nachgrübeln, was sie eigentlich im Innersten bewege, sondern vor allen Dingen die Stichwörter aus den TV-Sendungen oder anderen Medien nennen, die sie in letzter Zeit zur Kenntnis genommen haben.  

    Der Autor von Büchern wie „Rückkehr in die Zukunft – Krisen und Alternativen“ sieht in der heutigen Welt viel gravierendere Probleme als zum Beispiel den IS. Er meint:

    „Der IS ist ein Problem, aber die Klimakatastrophe, die immer noch nicht abgewendet ist, ist ein viel dringenderes Problem. Die Hungerkatastrophe und die Zersetzung und Zerstörung sozialer und politischer Strukturen in Afrika — das sind alles viel größere Probleme. Im Süden des Planeten, auch in Lateinamerika, vollziehen sich gegenwärtig große Katastrophen und das ist dringlich und müsste thematisiert werden.“

    Auch als Blaupause für einen politischen Wahlkampf taugt die Studie für den Honorarprofessor für Philosophie an der Freien Universität Berlin nichts. Grundsätzlich sei es natürlich möglich und wünschenswert, in einer politischen Kampagne die Schwerpunkte anders zu setzen, als sie gerade von der medialen Großöffentlichkeit gesetzt werden. Wolf betont:

    „Die Schwerpunkte des Wahlkampfes nach der Studie zu setzen wäre opportunistische Politik, und die kann einem schwer auf die Beine fallen. Von daher würde ich das niemandem raten. Es kann zu kurzfristigen Erfolgen führen, aber wenn die Dinge sich verändern und die Leute bekommen das mit, dann hat man eben Teil daran, dass alles ganz falsch gemacht wird.“

    Auf die Frage: „Eine Hauptgefahr für mein Land geht aus von…“ wurde in Deutschland folgendermaßen geantwortet:  IS: 77 Prozent, Cyberattacken durch andere Länder: 66 Prozent und globaler Klimawandel: 63 Prozent. Die Angst vor Macht und Einfluss der USA ist in Deutschland mit 35 Prozent größer als vor Macht und Einfluss Russlands (33 Prozent) und China (21 Prozent). In Frankreich (45 zu 38 Prozent), Großbritannien (43 zu 35 Prozent) oder Polen (65 zu 15 Prozent) wird Russland allerdings klar als die größere Bedrohung wahrgenommen.

    Weltweit macht den Mensch der IS die meiste Angst (62 Prozent), gefolgt vom Klimawandel (61 Prozent) und Cyberattacken durch andere Länder sowie die instabile Weltwirtschaft (beide 51 Prozent).

    Das sind die Ergebnisse einer in 38 Staaten in Nord- und Südamerika, Afrika, Asien, dem Nahen Osten und Europa durchgeführten Umfrage des US-Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center.

    Das komplette Interview zum Nachhören:

     

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    Tags:
    Cyber-Attacke, Klimawandel, Angst, Pew-Research Center, Terrormiliz Daesh, Frieder Otto Wolf