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21:08 18 Oktober 2019
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    Kleidung in Mossul

    „Kleidung für Ungläubige“: Wie Mossul sich in IS-Zeiten anzog – FOTOs

    © Sputnik / NAZEK MOHAMMED
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    Eine Einwohnerin von Mossul erzählt Sputnik, wie sich die Einkaufsstraßen der irakischen Stadt unter dem IS-Terror verändert haben und welches Aussehen die Terrormiliz Daesh (auch IS, Islamischer Staat) von den Irakern gefordert hat.

    Nach der IS-Machtergreifung im Jahre 2014 verschwand bunte Kleidung aus den Schaufenstern. Frauliche Modepuppen wurden verboten, weil diese nach Meinung der Terroristen zu freizügig aussahen und junge Männer verführen konnten, teilt die junge Einwohnerin von Mossul Sora al Aga mit.

    „Es wurde verboten, Jeanskleidung für Männer und Frauen zu verkaufen. Offene Kleidung, nicht genug lange Röcke und T-Shirts mit Prints, auch für Kinder, sind verschwunden. Daesh hat gesagt, das sei Kleidung für Ungläubige“, sagte Sora.

    Man habe auch verboten, Hochzeits- und Abendkleider in Schaufenstern von Läden und Verleihen auszustellen. Über solchen Kleidern musste man laut Sora spezielle Pelerinen, die die Figur völlig von oben bis unten verhüllten, und dazu noch lange Handschuhe tragen.

    „Daesh wollte, dass wir Kleidung im afghanischen Stil trugen. Wenn die Terroristen noch ein Jahr länger ausgehalten hätten, würden wir blaue Pelerinen mit einem speziellen Ausschnitt für die Augen tragen. Und alle Männer würden kurze Hosen tragen“.

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    Kleidung in Mossul

    Der Handel habe in Mossul in den letzten drei Jahren fast stillgestanden. Früher seien Waren aus dem Libanon, der Türkei, Syrien und sogar aus Frankreich und Italien gebracht worden. Aber nach der IS-Machtergreifung seien viele große Händler aus Angst vor Verfolgungen in die Stadt Erbil gefahren.

    „Die Läden, die weiter offen geblieben sind, haben Verluste erlitten, weil die Menschen so selten wie möglich auf die Straße gegangen sind und unter den schweren Bedingungen fast keine Kleidung mehr gekauft haben“, so die Irakerin.

    Die Terroristen eröffneten ihr zufolge spezielle Damenmode-Geschäfte, wo schwarzgekleidete Frauen des IS als Verkäuferinnen arbeiteten. Ihre Kleidung nannten die Einwohner abschätzig „Rabenkittel“ und „Müllsack“. Wegen der blassen Farben und der schlechten Qualität des Stoffes mochten die Einwohnerinnen von Mossul diese Geschäfte nicht.

    Wer sich hübsch anziehen wollte und konnte, kaufte seine Kleidung für einen sehr hohen Preis in einigen gebliebenen Läden. Sora zufolge war das sehr teuer: Für ein Hemd musste man ungefähr 200.000 Dinar (etwa 143 Euro) ausgeben.

    Jetzt lebt der Handel in der Stadt wieder auf. Die Einwohner von Mossul hoffen, dass es noch mehr Läden und Waren als Anfang 2014 geben wird.

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    Tags:
    Frauen, Kleidung, Terrormiliz Daesh, Mossul, Irak