20:39 12 Dezember 2019
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    Ein Afghane lässt beim afghanischen Frühlings- und Neujahrsfest in Kabul einen Drachen steigen

    Afghanistan will Terrorismus mit Tourismus besiegen – INTERVIEW

    © REUTERS / Mohammad Ismail
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    Afghanistan will den Incoming-Tourismus entwickeln und jährlich zwei bis fünf Millionen Ausländer im Land empfangen. Dazu äußerte sich der afghanische Präsident Ashraf Ghani beim wissenschaftlichen Seminar „Herausforderungen des Extremismus für Tourismus“. Afghanische Experten kommentierten gegenüber Sputnik die touristischen Aussichten des Landes.

    Den Tourismus sollte man laut dem Staatschef als ein Mittel gegen Terrorismus betrachten. Afghanistan unternehme alle nötigen Arbeiten zur Stabilisierung und Entwicklung günstiger Bedingungen für die Aufnahme von Ausländern.

    In Afghanistan gebe es viele Sehenswürdigkeiten: kulturelle, natürliche, geschichtliche und touristische. Früher sei das Land eines der größten intellektuellen, kulturellen und Zivilisationszentren gewesen und könne in der Zukunft die gleiche Rolle spielen. In einem Gespräch mit Sputnik erläutert der Historiker und Professor der Universität Kabul Habibullah Rafii, ob es günstig, rational und überhaupt realistisch für das Land unter seinen jetzigen Bedingungen ist.

    „Afghanistan hat viele für Touristen interessante Orte. Der in unserem Land andauernde Krieg erlaubt es leider den Menschen nicht, zu uns zu kommen“, so Rafii.

    Vor dem Krieg seien Touristen aus vielen Ländern nach Afghanistan gekommen und haben historische Sehenswürdigkeiten besichtigt, beispielweise diejenigen, die aus den vorislamischen Zeiten in Balch, Herat, Kandahar und Ghazni geblieben seien.

    „Wenn unsere Regierung das Sicherheitsproblem nicht löst, verlieren wir auch die wenigen Menschen, die jetzt zu uns als Touristen kommen“, sagte der Historiker.

    Ein anderes Problem für den Tourismus im heutigen Afghanistan sei der Zustand der historischen Objekte: Viele seien zerstört, einige seien zur Beute illegaler Archäologen geworden und ins Ausland gebracht worden.

    „Unser Land muss Maßnahmen zur Verhinderung solcher Fälle treffen“, so Rafii.

    Er sprach das Thema der UNESCO und der gefährdeten historischen Denkmäler an. Das Minarett von Dschām in der Provinz Ghor, das aus dem 12. Jahrhundert stammt und 2002 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und gleichzeitig auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt wurde, befinde sich in einem schlechten Zustand.

    „Wenn die UNESCO nicht umgehend Hilfe bei seiner Restauration leistet, bricht es bald zusammen“, so der Historiker.

    Der ehemalige afghanische Vizeminister für Information, Kultur und Tourismus Abdul Hamid Mobarez sprach seinerseits von einer langen Geschichte des Tourismus im Land.

    „Vor dem Krieg sind Tausende Touristen nach Afghanistan gekommen. Unser Land hatte einen erheblichen Ertrag aus dem Tourismus. Im vorigen Jahr hat Afghanistan aber nur 40 Millionen Afghani (umgerechnet etwa 502.000 Euro) aus dem Tourismus eingenommen“, teilte der Politiker mit.

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    Tags:
    Terrorismus, Tourismus, UNESCO, Aschraf Ghani, Afghanistan