22:53 22 Juni 2018
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    Deutsche Delegation mit Besuch auf der Krim-Halbinsel

    Friedensfahrt Berlin-Moskau über die Krim: „Dazu gehört etwas Mut“

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    Juri Hempel, Vorsitzender der Deutschen National- und Kulturautonomie der Krim, bewundert die Europäer, die die Krim trotz der Blockade durch die Ukraine besuchen. Dazu gehört etwas Mut, meint er. Sie kommen auf die Halbinsel, um die Mediensperre zu durchbrechen.

    „Auf der Krim wird der Volksdiplomatie große Bedeutung beigemessen“, sagte er bei der Begrüßung der Friedensfahrt Berlin-Moskau, die auf Initiative des internationalen Vereins Druschba Global am 23. Juli am Brandenburger Tor startete und die Krim-Hauptstadt Simferopol in der vorigen Woche erreicht hat. Laut Hempel haben schon 180 Gäste allein aus Deutschland die Krim besucht. Im September wird auf der Halbinsel eine weitere deutsche und im Oktober eine norwegische Delegation erwartet.

    Es sind nicht nur Touristen, sondern auch Geschäftsleute und Kulturschaffende. Für großes Aufsehen hat auf der Halbinsel in diesen Tagen der Auftritt der deutschen Techno-Band Scooter gesorgt, trotz der ihr von Kiew angedrohten strafrechtlichen Verantwortung bis zu acht Jahren Haftstrafe. Ihr Konzert leitete der Mitveranstalter der Friedensfahrt Berlin-Moskau, Dr. Rainer Rothfuß, mit einer kurzen Ansprache ein. Er sieht in der Informationsblockade gerade ein grundlegendes Problem.

    Mut, um Krim zu besuchen

    Er bedauert es, dass man Mut brauche, um auf die Halbinsel zu kommen: „Im westlichen Teil Europas und in den USA und damit auf der ganzen Welt, weil sie die Medien bestimmen, wird eine ganz andere Realität von der Krim gemalt.“ Rothfuß erwähnte eine Online-Petition an die deutsche Regierung, die etwa 17 000 Bundesbürger unterschrieben haben und die einen Dialog mit Russland fördert.

    „In diesen Antrag haben wir extra einen Punkt gesetzt“, so der geopolitische Analyst, „bitte organisiert eine große Konferenz, wo Wissenschaftler aus Ost und West gemeinsamen analysieren, was in der Realität in der Krim-Frage passiert ist. Denn die Krim ist die Schlüsselfrage an den seit Jahren dauernden Sanktionen, die zu einer Abkühlung der Beziehungen zwischen dem Westen und Russland geführt haben. Der Fakt ist, dass im Westen die Realität, was sich in der Ukraine und auf der Krim abgespielt hat, ignoriert wird, genauso wie in der Vergangenheit in der Kosovo-Frage.“                         

    Dabei bewundert Dr. Rothfuß, wie friedlich Russland die Krim-Frage gelöst hat im Vergleich zu dem seit drei Jahren andauernden Krieg im Osten der Ukraine. Die Krim-Bevölkerung habe ihren Autonomiestatus genutzt und ein Referendum durchgeführt und somit direkte Demokratie in die Hand genommen.

    „Es gibt andere Staaten, wo es auch Session gab, Süd-Sudan und Ost-Timor“, fährt der Wissenschaftler fort. „Sie haben viele Jahrzehnte darauf gewartet, bis ein Referendum durchgeführt wurde. Viele Millionen Menschen sind dabei gestorben.“

    Menschenleben oder Staatsgrenzen

    Das Menschenleben sei heiliger als Staatsgrenzen, urteilt Rothfuß und führt Beispiele an: „Deutschland hat auch Territorien verloren. Königsberg ist heute Kaliningrad, und Elsass ist heute in Frankreich. Aber wenn die Menschen in Frieden und Freiheit leben können, so ist es die Pflicht des Staates, das zu garantieren.“

    Der von Rothfuß geleitete Druschba Global e.V. veranstaltete die Friedensfahrt Berlin-Moskau von 300 Bürgern, um Freundschaftsgefühle zu Russland zu manifestieren.  „Wir bringen zum Ausdruck, dass Russland und Deutschland Partner, gute Nachbarn und Freunde sein sollen. Dann können wir den Frieden in Europa langfristig sichern. Unsere Teilnehmer sind in sieben verschiedenen Gruppen durch Russland unterwegs. Die Krim und der Kaukasus sind die längsten Routen. Andere sind vom Baikalsee Karelien, vom Goldenen Ring, von Petersburg und der Wolga auf dem Weg nach Moskau.“

    Das Ziel der Friedensfahrt sei es, so Rothfuß, Austausch über die politischen Differenzen hinweg zu pflegen. Die Menschen in Russland seien dafür offen. „Das ist unsere Erfahrung. Wenn wir nach Deutschland zurückkehren, ist es unsere Aufgabe, unsere Mitmenschen zu ermutigen, nicht daran zu glauben, dass Frieden durch Waffen und steigende Militärbudgets gesichert werden kann. Statt Nato brauchen wir einfach nur Austausch. Und nächstes Jahr sollen alle Menschen zur Fußball-WM nach Russland kommen.“ 

    Nikolaj Jolkin

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    Tags:
    Deeskalation, Völker, Freundschaft, Krim-Reisen, Freundschaftsfahrt2017, Krim, Russland, Deutschland
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