08:21 13 Dezember 2017
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    Amerika von russischem Unkraut überschwemmt: Botaniker aus Russland mobilisiert

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    Amerika ist plötzlich von Unkrautpflanzen „überschwemmt“ worden, die eigentlich für Russland typisch sind. Die Amerikaner müssen sogar russische Botaniker anstellen, die gegen Kamillen, Flockenblumen und andere Arten von „Biowaffen“ kämpfen.

    Wie die Expertin der Pflanzenabteilung des Moskauer Botanischen Gartens „Nikolai Zizin“, Julia Winogradowa, mitteilte, hat eine Delegation russischer Wissenschaftler in diesem Sommer drei Nationalparks in den USA besucht, wo sie sich mit der Ausrottung von Unkraut befassten.

    Diese Expeditionen finden bereits seit fünf Jahren statt. „Wir kommen, besuchen den jeweiligen Nationalpark, erforschen die dortige Flora und finden diese oder jene Besonderheiten heraus, warum diese Pflanzen dort wachsen“, so Winogradowa. „Wenn uns etwas gefällt, bitten wir, dass man uns Keime oder Samen dieser oder jener Pflanzen für unseren botanischen Garten bereitstellt.“

    In diesem Jahr besuchten die russischen Botaniker drei Nationalparks im nördlichen Teil der Rocky Mountains: Grand Teton, Yellowstone und Glacier. Winogradowa zufolge wurde diese Reise zu einer richtigen Mission zur Rettung der amerikanischen Natur vor Flockenblumen und Kamillen. „Da wir gerade zum Zeitpunkt des Jätens gekommen waren, wurden wir eingeladen, daran teilzunehmen“, betonte sie.

    Das Problem ist, dass das aus Russland stammende Unkraut die traditionellen amerikanischen Pflanzen „eindämmt“, was unter den Biologen in Übersee eine richtige Panik auslöste. Viele Pflanzen gehören zu so genannten invasiven Arten, die sich nicht ohne menschliche Hilfe verbreiten und die Vielfalt der amerikanischen Pflanzenwelt gefährden.

    Erste europäische Pflanzen wurden noch zu Zeiten der Erschließung des Wilden Westens in die Rocky Mountains gebracht: Umsiedler hatten diverse Gemüsesamen bei sich, mit denen aber auch verschiedene Unkrautarten nach Amerika kamen. Jetzt gibt es Experten zufolge deutlich mehr Möglichkeiten für die Verbreitung von invasiven Pflanzen, nicht zuletzt wegen der Entwicklung des Tourismus und auch wegen der Migration. Dabei ergreift die Leitung der US-amerikanischen Nationalparks keine Vorsichtsmaßnahmen, wobei bei den Besuchern die Anwesenheit von „unerwünschten“ Samen gecheckt werden könnte.

    Manche Pflanzen wurden mit Absicht nach Amerika eingeführt: beispielsweise die Trespen, die inzwischen auf 80 Prozent des Territoriums der Great Plains wachsen und einst als Viehfutter dienen sollten. Jetzt aber lässt sich die Pflanzenart nicht mehr ausrotten: Sie wächst sogar auf  Geysiren, wo Erdtemperaturen von bis zu 80 Grad herrschen.

    Dank russischen Botanikern wurde die amerikanische Natur aber bereits vor Pflanzen wie beispielsweise Blutweiderichen gerettet. Wie sie in die Neue Welt gebracht wurden, ist unbekannt. Aber ihre Ausrottung hat insgesamt fast 15 Jahre in Anspruch genommen: Es musste nämlich eine gewisse schädliche Insektenart ermittelt werden, die alle Sprösslinge und Wurzeln dieser Pflanzen auffrisst. Aber einzelne Exemplare der Blutweideriche kommen immer noch vor, also kann man nicht hundertprozentig sicher sein, dass es diese Pflanzen in Amerika nicht mehr gibt.

    Auch Rhaponticum repens gilt in 18 US-Bundesstaaten nahezu als „Naturkatastrophe“. Die Überlebenskraft dieses Unkrauts beläuft sich auf Jahrzehnte, es verdrängt wertvolle Futterpflanzen und ist zudem sehr giftig für Pferde. Es ist äußerst schwer, diesen „Einwanderer“ zu bezwingen.

    „Nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums und der Universität von Montana unterscheidet sich jede einzelne Population von Rhaponticum repens genetisch von den anderen, und deshalb ist es unklar, wie es auszurotten wäre“, so Expertin Winogradowa weiter.

    US-amerikanische Botaniker schlagen vor, bestimmte Fliegen- und Wurmarten gegen diese Pflanzen einzusetzen, aber ihre russischen Kollegen sind gegen solche Methoden, denn später könnten die Insekten auch Nutzpflanzen vernichten.

    Botaniker sagen, dass es auch in Russland ein ähnliches Problem mit aus Amerika gebrachten Pflanzen gebe. Allerdings sei der Anteil der russischen Pflanzenarten in den USA größer als der der amerikanischen in Russland – etwa 80 gegen 60 Prozent, präzisierte Winogradowa. 

    Die Spezialisten bedauern, dass in Russland – im Unterschied zu den USA – das Jäten von invasiven Pflanzen in Naturparks verboten ist. Zwar werden Schadpflanzen wie Bärenklau trotzdem vernichtet, aber rein formell ist das immer ein Verstoß gegen das Gesetz.

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    Tags:
    Natur, Waffen, USA, Russland
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