12:16 13 Dezember 2019
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    Rambla, Barcelona (Archivbild)

    Sicherheitsexperte zu Barcelona: „Es sollte etwas viel, viel größeres passieren“

    © REUTERS / Sergio Perez
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    Der Sicherheitsexperte Fidelis Cloer erhebt schwere Vorwürfe gegen die spanischen Behörden. Demnach hätte der Anschlag auf den Ramblas nicht passieren dürfen. Immerhin lief auch bei den Attentätern nicht alles nach Plan.

    „Wir hatten in diesem Jahr schon einige Anschläge mit Autos, etwa Stockholm, zweimal London und in den USA“, zählt Fidelis Cloer auf. „Es ist einfach nicht nachzuvollziehen, warum so ein touristischer Hotspot wie Las Ramblas in Barcelona nicht geschützt wurde.“ Mit Tempo 80 fuhr der Kleintransporter ungebremst in die Menschenmassen. Cloer, Geschäftsführer der Armored Specialty Cars International (ASC) in Dubai, graut es bei dieser Vorstellung. Mit Schikanen, etwa großen Blumenkübeln, hätte die Todesfahrt der Terroristen mit 13 Leichen und über 100 Verletzten nicht verhindert, aber zumindest entscheidend gedrosselt werden können.

    „Alles, was im Weg war, wurde umgerast. Sie haben das Bild von dem Kind gesehen, vielleicht fünf, sechs Jahre alt… Es darf jetzt niemand sagen: ´Das hätten wir nicht verhindern können´. Nein, da hat jemand komplett versagt.“

    Bei den Terroristen ist einiges außer Kontrolle geraten

    Aber auch bei den Attentätern lief laut Cloer offenbar nicht alles wie geplant. „Ich glaube, dass vor dem Anschlag gestern etwas passiert ist, was so nicht hätte passieren sollen. “ Die Terroristen waren offenbar gezwungen, ihre Absichten spontan zu ändern. Cloer verweist auf die Explosion in Alcanar in der Nacht vor den Anschlag auf den Ramblas. Diesen Vorfall 200 Kilometer südlich von Barcelona, bei dem ein Haus in sich zusammenstürzte, hatten die spanischen Behörden bereits in Verbindung mit den Terroristen gebracht: „Es stellt sich raus, dass hier mit Sprengstoffe hantiert wurde. Es wurden Selbstmordattentäter-Bomben vorbereitet, die für einen Anschlag benutzt werden sollten.“ Cloer vermutet, die Attentäter hätten nach der Explosion ihren Plan geändert.

    „Wir sprechen von einer sehr großen Terrorzelle – oder von zweien“

    Rambla, Barcelona
    © AFP 2019 / Josep LAGO
    Dass die spanische Polizei den Attentätern auf den Fersen war, dafür spricht laut Cloer der Einsatz in Cambrils. „Wir hatten ein schweres Feuergefecht, bei dem mutmaßliche Terroristen erschossen wurden. Das muss eine Spezialeinheit gewesen sein.“ Die Zahl der Beteiligten bei dem Anschlag schätzt der Sicherheitsexperte auf mindestens neun: „Es ist eine große Zelle, vielleicht haben sogar zwei Zellen operiert.“ Wie auch immer, die Attentäter waren zu allem entschlossen. Sie wollten Bomben einsetzen und benutzten dann notgedrungen Autos als Waffen.

    Cloers Schlussfazit lässt keine Illusionen zu: „Es sollte etwas viel, viel größeres passieren. Spanien war jetzt dran, morgen ist es ein anderes Land.“

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Meinung, Experte, Terror, IS, Fidelis Cloer, Spanien