14:59 19 November 2017
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    Raper Bushido (Archivbild)

    Bushido vs. von Storch – Wer ist besser integriert?

    © AP Photo/ Miguel Villagran
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    Berlin Lichtenberg an einem angenehmen Sommertag. Niko von Backspin interviewt Rapper Bushido und AfD-Politikerin Beatrix von Storch für Hyperbole TV. Es geht um Integration, den Islam und Schweinefleisch.

    Bushido fällt von Storch häufig ins Wort, aber der sonst so obszöne Gangsterrapper bleibt auffallend brav. Kein einziges Schimpfwort fällt im über dreißigminütigen Gespräch.  Auch wenn er eingangs den Wahlplakaten der Alternative für Deutschland (AfD) ein Kompliment macht, bilden doch Moderator von Backspin und der Gangsterrapper eine ziemlich klare Front gegenüber von Storch und der AfD.  Die Europapolitikerin bildet rein optisch eine gute Einheit mit der Tischdecke.

    Es wird sehr bald klar, was der Rapper und muslimische Sohn eines Tunesiers von der AfD hält. In einem Interview mit der Zeitung „Junge Freiheit“ hatte die Politikerin gesagt, dass der Islam „Steinzeit bedeute“ und die deutsche Kultur vor dem Islam verteidigt werden müsse.

    Bushido: „Ich zitiere: ‚Der Islam bedeutet Steinzeit. Wer aber in der Neuzeit lebt und Kompromisse mit der Steinzeit schließt, landet im Mittelalter. Mit dem Islam darf es keine Kompromisse geben. Wir müssen und werden unsere Kultur verteidigen gegen den Islam.‘ … Ich bin Moslem… Das bedeutet, Sie müssten mich bekämpfen.“

    Von Storch: „ Der Islam ist in seinen allermeisten Auslegungen ein politischer Islam. Er hat einen politischen Herrschaftsanspruch.“

    Dann kommt die AfD-Frau auf das Beispiel von Schweinefleisch in Kantinen. Es entbrennt eine Diskussion um die Essgewohnheiten von Moslems, Juden und Veganern, die der Aussage von Bushido gipfelt:

    „Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, die [deutsche] Kultur mit Schweinefleisch zu definieren  ist…“

    Einig sind sich der Musiker und der Moderator, dass die AfD keine Lösungen anbietet und vor allem Ängste schürt, auch und vor allem gegenüber dem Islam. Von Storch beruft sich wieder auf den politischen Herrschaftsanspruch des Islams. Als positive Ausnahme erwähnt die stellvertretende AfD-Vorsitzende die Berliner Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, gegründet von der liberalen Muslimin Seyran Ates. Ates erhält mittlerweile viele Todesdrohungen und steht unter Polizeischutz.  Bushido schlägt daraufhin Frau von Storch vor, die Moschee gemeinsam zu besuchen. Bleibt abzuwarten, ob der Besuch tatsächlich zustande kommt.

    Als der Moderator die Frage stellt: „Wer von ihnen beiden tut mehr für die Integration in Deutschland?“, wird es noch einmal interessant. Natürlich beanspruchen beide diesen Titel für sich. Von Storch erklärt:

    „1,5 Millionen Flüchtlinge zu integrieren, das wollen wir gar nicht. Denn wir sagen: Ein großer Teil von denen ist nach deutschem Recht ausreisepflichtig, die müssen abgeschoben werden.“

    Und Bushido fragt daraufhin:

    „Wie kann man so was sagen? Lassen Sie den deutschen Rechtsstaat mal ganz kurz beiseite. Wie kann man als Mensch so etwas sagen? Wie kann man als Mensch einem anderen Menschen die Hilfe verwehren? Dass man das menschlich verantworten kann, das frage ich mich…“

    Bushido ist wegen versuchten Betrugs auf Bewährung verurteilt und steht wegen seiner Texte häufig genug in der Kritik. Trotzdem beansprucht er für sich selbst, als Person gut integriert zu sein. Ob das so korrekt ist, sei dahingestellt, denn wählen geht der Musiker und Produzent schon mal nicht.

    Bolle Selke

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    Tags:
    TV-Debatte, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Beatrix von Storch, Bushido, Deutschland