14:59 19 November 2017
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    Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig

    Schwesig im Kreuzfeuer der Kritik: Verrät Landeschefin eigene Bildungspolitik?

    © AFP 2017/ DPA/ Bernd von Jutrczenka
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    Sowohl politische Gegner als auch Bildungsverbände üben scharfe Kritik an der Entscheidung von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Schwesig (SPD), ihren Sohn auf eine Privatschule zu schicken. Lehrerverband: „Was sie politisch fordert, macht sie privat nicht.“ Schweriner Linksfraktion: „Gute Bildung darf keine Frage des Geldbeutels sein.“

    Im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern sollen laut den Bildungsleitlinien Schüler der 5. und 6. Klasse möglichst gemeinsam unterrichtet werden. Die dortige Landes-SPD benennt als Ziel in der Bildungspolitik: „Gute Chancen für alle.“ Ein aktueller SPD-Wahlslogan lautet: „Weil gute und kostenlose Bildung ein Recht ist.“ Doch laut Medienberichten schickt Manuela Schwesig (43), die SPD-Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, nun ihren Sohn Julian (10) bereits nach der vierten Klasse auf eine kostenpflichtige Privatschule in Schwerin.

    Die SPD-Politikerin Manuela Schwesig habe für sich selbst entschieden, dass sie für ihren Sohn einen anderen Weg wählt als die bildungspolitische Linie ihrer Partei vorschreibt. Das sagte Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, im Sputnik-Interview:

    „Wie jede andere Mutter, hat auch Frau Schwesig das Recht, für ihr Kind die Schule frei zu wählen. Ich stelle nur fest: Frau Schwesig handelt privat anders als das, was sie als Ministerpräsidentin politisch fordert.“

    „Politikerin hat kein Vertrauen in eigene Bildungspolitik“

    „Offensichtlich hat Frau Schwesig wenig Vertrauen in das staatliche Schulwesen. Die Schulstruktur in Mecklenburg-Vorpommern, die ja ihre eigene Partei mitgestaltet hat, möchte sie für ihr Kind umgehen. Weil sie natürlich durch die Privatschule ihr Kind sofort bereits nach der 4. Klasse  auf ein Gymnasium schicken kann. Das kann sie auch, weil sie das Schulgeld dort bezahlen kann“, so der Verbandschef und Deutschlehrer aus Regensburg weiter.

    Schon seit Bekanntwerden der Meldung kritisierte die Linksfraktion im Schweriner Landtag die Entscheidung der Regierungschefin öffentlich. „Frau Schwesig trägt als Regierungschefin die oberste Verantwortung für die staatlichen Schulen – wo sie offenbar auch Verbesserungsbedarf ausgemacht hat“, erklärte die Vorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Simone Oldenburg, auf Sputnik-Anfrage. „Selbstverständlich steht es Manuela Schwesig frei, ihren Sohn dort einzuschulen, wo sie es für richtig hält. Ihre Wahl einer Privatschule signalisiert aber, dass ihr Vertrauen in die staatlichen Schulen nicht sehr ausgeprägt ist.“ Alle Mitarbeiter an öffentlichen Schulen stünden unter erheblichen Anstrengungen, teils geprägt von Lehrkräftemangel sowie steigenden Schülerzahlen. „Insofern verstehe ich die Entscheidung auch als Angebot, die Situation an den staatlichen Schulen zu verbessern.“ Es könne nicht sein, dass gute Schule eine Frage des Geldbeutels sei. „Das gilt auch für das Argument der Entfernung bzw. Nähe der Schule.“ Schwesig hatte zuvor erklärt, die ausgewählte Schule sei die einzige weiterführende Schule im Wohngebiet der Familie und das sei der ausschlaggebende Punkt für die Entscheidung gewesen.

    Verliert SPD-Bildungskonzept an Glaubwürdigkeit? 

    SPD-Politikerin Schwesig war von 2013 bis Juni 2017 Bundesfamilienministerin. Seit Juli ist sie die neue Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. Sie habe dabei stets das SPD-Bildungskonzept mitgetragen, behaupten Kritiker. Erst Ende August nahm sie in Berlin an einer Veranstaltung ihrer Partei zum Thema „Bildungsallianz“ teil. „Noch immer entscheidet in Deutschland oft die Herkunft statt Talent“, sagte Kanzlerkandidat Martin Schulz dort. Leni Breymaier, SPD-Ministerpräsidentin von Baden-Württemberg, betonte damals: „Bildung muss gebührenfrei sein.“

    Alexander Boos

    Das komplette Interview mit Heinz-Peter Meidinger zum Nachhören:

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    Tags:
    Privatschule, Wahl, Bildungswesen, Sohn, Skandal, SPD, Manuela Schwesig, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland