06:27 22 November 2017
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    Flughafen Berlin-Tegel (Archivbild)

    Zweite Chance für Tegel wegen BER-Misere?

    © REUTERS/ Fabrizio Bensch
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    Der Streit um die Zukunft des Flughafens Berlin-Tegel „Otto Lilienthal“ (TXL) geht in die entscheidende Runde: Am 24. September 2017 ist nicht nur Bundestagswahl, sondern auch der Volksentscheid in Berlin zum Weiterbetrieb von Tegel. Der scheint logisch.

    Der Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ (BER) ist immer noch nicht eröffnet. Der Flughafen Berlin-Tegel wird deshalb weiter angeflogen, obwohl er längst geschlossen werden sollte. Das Ende von TXL wollen einige ganz verhindern, so zum Beispiel die Berliner FDP mit ihrem Kandidaten Christoph Meyer. Der bezeichnet sich auf seinen Wahlplakaten schon als „Tegel-Retter“.

    ​Elmar Giemulla hält den unfertigen BER in Berlin-Schönefeld eigentlich für eine Ideallösung, weil sich dadurch viele Umsteigemöglichkeiten ergeben würden. Der Honorarprofessor für Luftverkehrsrecht an der Technischen Universität (TU) Berlin kritisierte die immer wieder verschobene Eröffnung:

    „Das Zutrauen an die Planer des BER, dass sie noch in absehbarer Zeit eine Erweiterung des Hauptstadtflughafens hinbekommen, ist gleich Null. Aus diesem Grund muss Tegel, von mir aus als Notlösung bezeichnet, offen bleiben.“ 

    Der Luftverkehr lasse sich schon jetzt nur mit dem BER nicht bewältigen: „Die Prognosen sind so, dass der Luftverkehr weiter ansteigen wird und der BER schnell in eine fatale Schere hineingeraten könnte zwischen dem, was an Kapazitäten maximal angeboten werden kann und dem, was nötig ist, damit die Stadt auch wirtschaftlich weiter prosperiert.“

    Tegel als Notlösung?

    Für den Sprecher der Berliner FDP, Helmut Metzner, ist das Kapazitätsproblem das Hauptargument für den Weiterbetrieb von Tegel. Er halte aber auch einen Ausweichflughafen als Notlösung für die Metropole für zwingend notwendig: „Das können Wetterlagen oder Unfälle sein. Dann wollen wir nicht, dass die Berliner nach Leipzig oder Rostock-Lage oder Hannover ausweichen müssen.“

    Auf der offiziellen BER-Website heißt es:

    „Je nach Passagierentwicklung kann der Flughafen für bis zu 45 Millionen Fluggäste ausgebaut werden.“ Die Bürgerinitiative „Tegel schließen“ verweist auf den Planfeststellungsbeschluss zum BER vom 29. Juli 2004, in dem für den Fall des Ausbaus von 58 Millionen Passagieren im Jahr die Rede sei.

    So fordert der Sprecher der Bürgerinitiative, Helmut Möller, gegenüber Sputnik „die sofortige Einhaltung des Nachtflugverbotes und die rasche Schließung des Flughafens Tegel". Er verweist auf die zwei Start- und Landebahnen des BER, die weit voneinander entfernt sind: „Man kann auf dem BER Start- und Landemanöver gleichzeitig  ausführen, was beim Tegeler Flughafen nicht der Fall ist. Durch einen Ausbau am BER hat man auch die Möglichkeit bis zu 60.000 Passagiere am Tag abzuwickeln.“

    Als Forschungs- und Industriepark nicht gebraucht

    Alle Regierenden in Roten Rathaus von Berlin haben in den letzten 20 Jahren verbindliche und schriftliche Zusagen gegeben, dass TXL geschlossen wird. Tegel-Gegner befürchten hohe Schadenersatzansprüche für das Land, wenn der Volksentscheid durchkommt. Diese hätten beim Gericht keinen Erfolg, vermutet Luftfahrtexperte Giemulla: „Bei dem Volksentscheid geht es lediglich darum, den TXL als eine Ergänzung und Entlastung für den Hauptstadtflughafen BER offen zu halten. Das heißt, die Lärmbelastung wird dramatisch zurückgehen.  Somit werde das Versprechen nicht gebrochen, dass Tegel als Hauptflughafen weiter erhalten bleibt.“

    Der Flughafen Tegel könne in seinem zweiten Leben als Forschungs- und Industriepark der Hauptstadt einen großen wirtschaftlichen Profit bringen. Das meinen Volkswirte der Investitionsbank Berlin (IBB). Dieses Argument für die Schließung des TXL findet der Experte Giemulla „befremdlich“: „Man muss sehen, dass wir schon einen Flughafen haben, für den kein Nutzungskonzept besteht. Warum braucht es zwingend das Gelände von Tegel für die Stadtentwicklung, wenn das Gelände für Tempelhof nur so in der Stadt liegt und keiner weiß, was man damit machen soll.“

    Paul Linke

    Das komplette Interview Professor Elmar Giemulla zum Nachhören:

    Das komplette Interview mit Helmut Metzner zum Nachhören:

    Das komplette Interview mit Helmut Möller zum Nachhören:

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    Tags:
    Retter, Flughafen, FDP, Christoph Meyer, Deutschland
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