12:25 20 April 2019
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    „Krawallmacher und Paranoiker“: Warum Macierewicz Moskau des Holocausts beschuldigt

    © AFP 2019 / Wojtek Radwanski
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    Die Erklärungen des polnischen Verteidigungsministers, Antoni Macierewicz, die Sowjetunion sei für den Holocaust verantwortlich, muss im Kontext der Skandal-Reputation des Politikers betrachtet werden, erklärt ein Wissenschaftler des Slawistik-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, Vadim Volobuev, dem Nachrichtenportal rueconomics.

    Verzerrte Geschichte

    Der polnische Verteidigungsminister, Antoni Macierewicz, glaubt, die Politik der sowjetischen Führung habe zum Holocaust geführt.

    „In der Welt gibt es noch nicht die Einsicht. Man sollte es aber endlich begreifen, dass es keinen Holocaust gegeben hätte, wenn es nicht den Ribbentrop-Molotow-Pakt gegeben hätte. Es gäbe dann nicht dieses Verbrechen, welches bis heute das Symbol des Zweiten Weltkrieges ist“, sagte der Verteidigungsminister Polens.

    Macierewicz behauptete, Polen hätte erfolgreich gegen Hitler-Deutschland gekämpft. Aber der „Schlag seitens der Sowjetunion“, das den Nicht-Angriffspakt mit dem Dritten Reich unterzeichnet hätte, habe alles verändert.

    „Der polnische Soldat war in der Lage und hat auch gegen die deutschen Hitler-Okkupanten gekämpft, und wenn es nicht den Schlag von der Sowjetunion gegeben hätte, wäre der Krieg anders verlaufen“, äußerte der polnische Politiker.

    Innenpolitische Kämpfe in Polen

    Diese Behauptungen würden in Europa kaum jemanden tangieren, erklärt der russische Wissenschaftler Vadim Volobuev.

    Habe früher noch jemand in der EU auf die Polen gehört, so sei Warschaus Reputation in Brüssel jetzt endgültig am Boden.

    Selbst unter der früheren polnischen Regierung habe man Warschau bei geschichtlichen Fragen öfters abgewiesen.

    So habe die Eurokommission sogar abgelehnt, mit einer Schweigeminute der Ereignisse im polnischen Katyn zu gedenken mit der Begründung, dass man sonst jeden Tag aufstehen müsste, um ähnlicher Jahrestage zu gedenken.

    Man solle laut Volobuev daher die antirussischen Eskapaden der polnischen Politiker einfach ignorieren, denn diese Äußerungen seien Teil der polnischen innenpolitischen Kämpfe.

    Mehr noch, die letzten Äußerungen von Macierewicz seien nichts weiter als ein „Gegenschlag“ auf die zuvor veröffentlichten Beschuldigungen gegen den Verteidigungsminister, er habe „Verbindungen zu den Russen“, so Volobuev.

    In der Tat, erst im Juli erschien in Polen das Buch „Macierewicz und seine Geheimnisse“ des Journalisten Tomasz Piątek.

    „Antoni Macierewicz ist mit dem (russischen Geheimdienst – Anm.d.Red.) GRU vernetzt. Ich habe vier seiner Netzwerke, die nach Russland führen, aufgezeigt“, sagte hierzu der Journalist selbst.

    „Krawallmacher und Paranoiker“

    In Polen selbst seien Macierewiczs Aussagen im Prinzip für niemanden interessant.

    „Dem, worauf wir bei uns achten, schenkt in Polen niemand Beachtung. Für die Polen ist es nur ein Rausch“, so Volobuev. „Macierewicz hat längst den Ruf eines Krawallmachers und Paranoikers. Selbst in der eigenen Partei wird er schief angeschaut“.

    „Krawallmacher und Paranoiker“ - Polnischer Verteidigungsminister Antoni Macierewicz. Mehrere polnische Parlamentarier haben bereits den Rücktritt von Macierewicz gefordert. Argumentation: Er untergrabe die Reputation Polens.
    © AP Photo / Czarek Sokolowski
    „Krawallmacher und Paranoiker“ - Polnischer Verteidigungsminister Antoni Macierewicz. Mehrere polnische Parlamentarier haben bereits den Rücktritt von Macierewicz gefordert. Argumentation: Er untergrabe die Reputation Polens.

    Der Chef der Regierungspartei, Jarosław Kaczyński, nutze die Redeeskapaden des Verteidigungsministers zu seinen eigenen politischen Zielen, ansonsten sei ihm aber absolut egal, was genau Macierewicz da reden würde, so der Experte abschließend.

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    Tags:
    Sowjetunion, Holocaust, Zweiter Weltkrieg, Antoni Macierewicz, Jaroslaw Kaczynski, Polen, Russland