06:45 11 Dezember 2017
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    Muslime beten (Symbolbild)

    EU-Studie: Muslime fühlen sich diskriminiert – und trotzdem wohl

    © REUTERS/ Soe Zeya Tun
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    Viele Muslime erleben aufgrund ihrer Herkunft in der EU Gewalt oder Diskriminierung, wie eine aktuelle Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) zeigt. Dennoch fühlt sich die Mehrheit der muslimischen Zuwanderer in Europa wohl, berichtet am Donnerstag „Spiegel Online“.

    nsgesamt 39 Prozent der befragten Muslime fühlten sich demnach in den vergangenen fünf Jahren wegen ihrer Herkunft oder ihres Migrationshintergrunds diskriminiert, insbesondere bei der Job- oder Wohnungssuche. Am meisten leiden laut der Studie afrikanischstämmige Muslime unter Diskriminierung.

    Nicht nur diskriminiert, sondern belästigt wurden nach eigenen Angaben 27 Prozent der Befragten im Jahr vor der Erhebung. Besonders oft hätten Kopftuch oder Schleier tragende muslimische Frauen von Anfeindungen bis hin zu körperlichen Angriffen berichtet.

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    In Deutschland lebende Muslime sollen indes seltener als in den meisten anderen EU-Ländern angegeben haben, dass sie sich wegen ihrer Hautfarbe oder Herkunft benachteiligt gefühlt hätten. Dabei seien die Unterschiede beim Vergleich verschiedener Gruppen in der Bundesrepublik am auffälligsten: Unter den türkischstämmigen Muslimen fühlten sich laut der Studie lediglich 18 Prozent der Befragten diskriminiert, im Vergleich zu 50 Prozent der muslimischen Befragten aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

    Wie aus den Studienergebnissen ferner hervorgeht, fühlt sich die Mehrheit der zugewanderten Muslime in Europa trotzdem wohl. 76 Prozent der Befragten haben demzufolge ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zu dem Land, in dem sie leben. Ihr Vertrauen in öffentliche Einrichtungen sei sogar höher als das der Allgemeinbevölkerung.

    Doch auch die Toleranz der Muslime selbst hat sichtlich ihre Grenzen. So würden 23 Prozent nur ungern in der Nachbarschaft von homosexuellen oder bisexuellen Paaren leben, wobei in der allgemeinen Bevölkerung nur 16 Prozent so denken.

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    In Bezug auf die Ehe sollen sich Muslime jedoch toleranter als die Allgemeinbevölkerung gezeigt haben. Nur 17 Prozent der Muslime würden bei der Suche nach dem Ehepartner Nicht-Muslime ausschließen. Dabei wären 30 Prozent der allgemeinen Bevölkerung wenig glücklich über eine Ehe mit einem Muslim oder einer Muslima, wie aus früheren Untersuchungen hervorgeht.

    Der FRA-Bericht ist Teil einer Umfrage im Jahr 2016 unter 25.500 Migranten und Angehörigen von Minderheiten in allen 28 EU-Staaten. 10.500 von ihnen waren muslimische Zuwanderer. Die Befragten mussten mindestens ein Jahr in der EU in einem privaten Haushalt leben. Insgesamt leben in der EU rund 20 Millionen Muslime, fast die Hälfte davon in Frankreich und Deutschland.

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    Tags:
    Diskriminierung, Muslime, Umfrage, Der Spiegel, Deutschland, EU
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