00:13 23 Februar 2020
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    Mecklenburg-Vorpommern ist eines der beliebtesten Reiseziele Deutschlands. Seit 2016 sitzt die AfD im Landtag von Schwerin. Nun wird ihr Einzug in den Bundestag erwartet. Wirkt sich das auf den Tourismus in dem Bundesland an der Ostsee aus? Das Wetter spielt eine größere Rolle, sagen Branchenvertreter.

    Im Prinzip erlebe sein Land „genau das, was Sie in der täglichen Debatte in Deutschland sehen“. Das sagte Tobias Woitendorf, stellvertretender Geschäftsführer und Pressesprecher vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern in Rostock, im Sputnik-Interview. „Die einen sprechen sich mit großer Deutlichkeit gegen die Politik der AfD aus. Andere befürworten diese Politik. In Mecklenburg-Vorpommern hat diese Partei sicherlich eine überdurchschnittliche Anerkennung erfahren in der Landtagswahl und ist relativ spürbar mit 21 Prozent in das Parlament eingezogen.“

    Im Jahr 2016 hatte Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Rekord im Fremdenverkehr aufgestellt: Über 30 Millionen Übernachtungen gab es laut Statistischem Bundesamt. Das Wirtschaftsministerium in Schwerin sprach vom „besten Ergebnis der Landesgeschichte.“ Das wurde trotz der Tatsache verzeichnet, dass die Alternative für Deutschland (AfD) seit dem vergangenen Jahr als zweitstärkste Fraktion im Landtag sitzt. Sputnik hat bei regionalen Tourismusverbänden nachgehakt und wollte wissen, ob die AfD den Tourismus im Land beeinträchtigen würde. 

    Hat AfD-Wahlerfolg abgeschreckt?

    Laut Verbandsprecher Woitendorf gab es direkt nach der Landtagswahl Ablehnungen durch Reisegäste: „Dass man gesagt hat: ‚Ich fahre nicht mehr in das Land.‘ Das sind vereinzelte Stimmen gewesen. Ich habe auch andere Einzelstimmen wahrgenommen, die gesagt haben: ‚Grade deswegen, weil die AfD hier so stark ist, fahre ich in euer Land.‘ Eine dritte Gruppe hat gesagt: ‚Ich komme grade deswegen zu euch. Weil ich euch in dieser schwierigen Situation nicht allein lassen möchte.‘ Da spiegelt sich letztendlich die politische Situation und Polarisierung der Gesellschaft wider.“ Es seien keine größeren Rückgänge an Touristen festgestellt worden, seitdem die AfD ins Parlament einzog.

    Stefanie Lemcke, Pressereferentin des Tourismusverbandes Rügen, berichtete über die Situation nach der Wahl 2016: „Da kam es bei uns auf der Insel Rügen im Informations- und Buchungszentrum zu einigen Anrufen der Gäste, die dann gefragt haben: ‚Können wir denn jetzt überhaupt noch kommen?‘“ Das seien aber Einzelfälle gewesen, so die Verbandssprecherin. „Wir haben in diesem Jahr einen leichten Rückgang der Besucherzahlen, der lässt sich aber vorwiegend durch die Wettersituation hier auf Rügen begründen. Einen Zusammenhang mit der AfD sehen wir da nicht und wird uns auch von Touristen nicht herangetragen.“

    Studie: Rechtsradikale bremsen Fremdenverkehr

    Das bestätigte ihr Kollege vom Landestourismusverband. „Wir haben keine Einbrüche  wahrgenommen“, so Woitendorf. „Wir haben auch in diesem Jahr wieder einen leichten Anstieg bei den touristischen Übernachtungen und bei den Ankünften.“ Eine Wahl in einem touristisch attraktiven Land sorge immer für Aufmerksamkeit.  Der Verbandssprecher meinte aber: „Ich glaube nicht, dass eine rechtsextreme Partei im Landtag dem Tourismus förderlich ist. Ich glaube, sie ist tendenziell eher hemmend. Das ist bei der NPD sicher noch krasser als bei der AfD.“

    Von 2006 bis 2016 saß die rechtsextreme Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) im Schweriner Landesparlament. Damals habe sein Verband eine repräsentative Untersuchung erarbeitet. Diese hat laut Woitendorf nachgewiesen, „dass tatsächlich eine rechtsextreme Partei für das Image und den Tourismus eher hemmend ist. Besonders wenn man ihn international aufbauen möchte. Das möchten wir in Mecklenburg-Vorpommern. Das ist wichtig für dieses Land.“

    Es gebe neben der Politik eine ganze Reihe von Faktoren, die den Fremdenverkehr beeinflussen. „Wir kümmern uns um alles, was den Tourismus stört.“ Dazu gehörten Wetterprobleme, Umweltgefahren, Unwetterschäden und ähnliches. Er sehe „keine direkte Beziehung“ zwischen der Zusammensetzung des Landtages und den touristischen Bewegungen. „Wir sind eine Branche, die sich international aufstellen will und als gastfreundliche und fremden Menschen zugeneigte Branche zeigen möchte.“ Lemcke stimmte zu und ergänzte: „Wir sind sehr stark wetterabhängig. Das ist tatsächlich der größere Einfluss.“

    Alexander Boos

    Das komplette Interview mit Tobias Woitendorf (Leiter Kommunikation, Tourismusverband MV) zum Nachhören:

    Das komplette Interview mit Stefanie Lemcke (Referentin, Tourismusverband Rügen) zum Nachhören:

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    Tags:
    Tourismus, Programm, Analyse, Wahlen, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Deutschland