02:51 22 November 2019
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel (Archivbild)

    Regierungsbildung als Flirt: Wer geht mit wem nach der Wahl? – SPUTNIK SPEZIAL

    © REUTERS / Fabrizio Bensch
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    Wenn die Regierung in einer Bar zusammengesetzt wird, bei einem Flirt, dann funkt es zwischen Angela Merkel und Martin Schulz oder zwischen ihr und Christian Lindner. Das sagt Dating-Coach Horst Wenzel. Martin Schulz hat sogar eine größere Auswahl. Eine flirtologische Betrachtung.

    Allgemein wird damit gerechnet, dass die CDU am Sonntag bei der Bundestagswahl weit vorne liegen wird. Dann muss sie verhandeln und sich entscheiden, mit wem sie regieren will. Oder es gelingt der SPD doch, eine größere Koalition zu bilden, die regieren kann?

    Was wäre, wenn alle Kandidaten sich plötzlich in einer Bar befinden und sie alle darauf aus sind, einen Partner zu finden, mit dem sie dann nach Hause gehen? Einer solchen Frage gehen Dating-Coach Horst Wenzel von der „Flirt University Köln“ und Sputnik-Redakteur Valentin Raskatov im Studio-Interview nach.

    Wer kann bei Merkel punkten?

    „Was unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel ausmacht, ist vor allem die Ruhe und die Gelassenheit“, sagt der Dating-Experte. Sie sei nicht gerade das Sinnbild für Flirt, aber wer bei ihrem „Spiel der Gelassenheit“ mitmachen würde, hätte gute Karten. Nach Wenzel sei hier Martin Schulz (SPD) naheliegend, weil dieser gern Meinungen äußere, während die Kanzlerin sich sehr bedeckt halte und „eher etwas langweilig“ wirke. Annähern könnte Schulz sich ihr durch „etwas Situatives“. Da die beiden sich schon lange kennen, wäre es leicht, gemeinsame Themen zu finden, schließlich habe die CDU auch etliche SPD-Projekte in der Vergangenheit umgesetzt.

    CDU-Wahlplakate in Berlin
    © REUTERS / Hannibal Hanschke
    Es würde sich aber auch der „Charismatiker“ Christian Lindner (FDP) als Partner anbieten, so Wenzel. „Ich glaube aber, Lindner muss sein Ego garantiert zurückschrauben. Davon scheint er eine ganze Menge zu haben.“ Ansonsten gebe es zwischen den beiden Parteien viele Berührungspunkte, es sei zu „vielen Hochzeiten“ gekommen. „Deswegen glaube ich, dass sie sich relativ schnell und einfach beschnuppern würden“, schließt der Flirt-Experte. Auch sei die lebhafte Gestik, besonders die weichen Handbewegungen Lindners, für einen erfolgreichen Flirt von Vorteil.

    Alexander Gauland (AfD) dagegen hätte schlechte Karten, meint der Datingcoach: „Stellen wir uns vor: Der pöbelnde Opa Gauland streichelt nervös über seine Dackelkrawatte.“ Die Krawatte könne die Kanzlerin durchaus ansprechen. „Die beiden würden optisch vielleicht zueinander passen.“ Doch Merkel sei „Charakterflirterin“ und da fiele ein Gauland durch, so Wenzel. Gauland sei „zu viel am Pöbeln, sehr negativ“ und würde durch einen Witz über Boateng sofort die Chancen verspielen. „So ein tiefschürfender Rassismus kommt etwas unsexy in der Bar“, erklärt der Datingcoach.

    Dennoch gelte auch für die Kanzlerin: „Sich alle Möglichkeiten offenzuhalten, ist beim Flirt oft ein Fehler. Wenn man zu viele Spiele gleichzeitig spielt, dann verzockt man sich oft.“

    Wen nimmt Schulz mit?

    Aber was, wenn es nicht so gut läuft in der Bar, und Merkel die Initiative ergreifen muss? Wie kommt sie beim Schulz besonders gut an? „Sie wird wahrscheinlich die Situation aufgreifen und sagen: Oh du, das reicht nicht so ganz“, bemerkt der Datingexperte dazu. Sie würde auch die Karte der langjährigen Bekanntschaft spielen und auf die vielen sozialdemokratischen Projekte in der letzten Legislatur verweisen. Und dann würde sie ihm eine Zukunft ausmalen mit neuen Projekten und so „ihren Charme versprühen“. Angela Merkel hätte damit ebenso gute Chancen wie Martin Schulz bei ihr.

    Und wenn Schulz nicht will? Hat er überhaupt eine Wahl? Laut Wenzel schon, er muss es dafür nur mit der Polyamorie versuchen, einer Beziehung mit mehreren Partnerinnen. Es würde sich zum Beispiel eine Dreierbeziehung mit Sahra Wagenknecht (Die Linke) und Katrin Göring-Eckardt (Bündnis90/Die Grünen) anbieten. Wenzel sieht darin eine „ganz wilde Kombi“, die vielleicht nicht schlecht wäre, denn dann käme „mehr Action“ rein. Diese Kombination würde im Gegensatz zur Großen Koalition stehen, die der Datingcoach als „eine sehr harmonische Ehe“ bezeichnet. Die einzige Gefahr allerdings, wenn zwei Frauen sich Schulz teilen: Es könnte zu „Eifersüchteleien“ kommen. 

    Und wer nimmt Somuncu?

    Und wer nimmt den Kandidaten der Partei „Die Parte“, Serdar Somuncu, der sich als hochaggressiver Kanzlerkandidat mit türkischen Wurzeln auf Plakaten in Szene setzt? Ist der Fall hoffnungslos? „Serdar wirkt erstmal wie der Rambo in jeder Bar, der Obermacho, der ankommt und einen Spruch nach dem nächsten drückt“, stellt Wenzel fest. „Aber ich glaube, Serdar hat einen sehr weichen Kern.“ Und genau damit könnte er Angela Merkel kriegen. „Da könnte die Kanzlerin in seine humoristisch verspielten Augen schauen und sich in dieses Haselnussbraun regelrecht verlieben – und sagen: Wir schaffen das!“ Damit wäre zumindest nach Dating-Gesichtspunkten auch eine Koalition der CDU mit der Partei „Die Partei“ denkbar.

    Valentin Raskatov

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    Tags:
    Bundestagswahl, Regierung, Prognose, Koalition, FDP, CDU/CSU, SPD, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Christian Lindner, Alexander Gauland, Martin Schulz, Angela Merkel, Deutschland