06:11 18 Dezember 2017
SNA Radio
    Berlin (Archivbild)

    „Berlinograd“: Mit einem Blog gegen Vorurteile

    © Sputnik/ Sachari Scheuer
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    3381

    Auf der Internet-Seite www.berlinograd.com porträtiert die Bloggerin Beatrice Grundheber kreative und interessante Menschen aus Berlin mit einem russischen Hintergrund. Mit ihrem Blog versucht sie, den Vorurteilen zu trotzen.

    Als Beatrice Grundheber vor fünf Jahren nach Berlin zog, suchte sie in der Hauptstadt den Anschluss an die russischsprachige Community. Das war ihr Wunsch nach dem Russistik-Studium in Mainz und einem Russlandaufenthalt, wo sie viele interessante und kreative Menschen kennenlernte. Doch das erwies sich schwieriger als gedacht, wie sie im Interview berichtete. So hatte sie sich damals das Ziel gesetzt, die russischsprachige Szene gewissermaßen zu digitalisieren und eine Art „Reiseführer durch das russischsprachige Berlin“ zu kreieren.

    So entstand das Portal „Berlinograd“. Dort stellt die Bloggerin russischsprachige Menschen vor: „Künstler, Webdesigner, Sänger, Autoren. Es können Bar- oder Restaurantbesitzer sein. Also Menschen, die Berlin schöner machen. Ich habe auch einmal einen tollen Schuster aus Neukölln porträtiert. Das können Russen sein, das können Ukrainer sein. Das sind Armenier, Georgier oder auch Deutsche, die russisch sprechen.“

    Gegenpol zur negativen Berichterstattung

    Die Autorin schreibt auf ihrer Seite: „Die russische Kultur und vor allem die russischen Menschen haben mich immer fasziniert.“ Die Russen würden vor allem jetzt unglücklicherweise oft missverstanden. Deshalb sei es umso wichtiger, sie besser zu verstehen, so Beatrice:

    „Im Frühjahr 2014, mit dem Aufkommen der Krimkrise und nach der Verabschiedung der Gesetze gegen homosexuelle Propaganda in Russland, waren die Medien sehr präsent. Es wurde sehr viel politisiert und sehr negativ berichterstattet.“

    Wenn die Russophilin Grundheber von Deutschen nach ihrer Faszination und Liebe für Russland, Russlands Kultur und Literatur gefragt wurde, sei ihr es immer schwer gefallen, das zu erklären. „Es war mir wichtig zu zeigen, dass es auch andere Menschen gibt.“ So hatte die Bloggerin das Bedürfnis, einen Gegenpol zu der „sehr negativen Berichterstattung“ zu schaffen und zu sagen: „Hey, es ist nicht alles negativ. Es gibt auch viel Wunderschönes und wundervolle Menschen, die aus Russland kommen.“

    Menschen im Fokus

    Bei ihren Interviews komme nur der Mensch zum Vorschein: „Wir sprechen in meinen Interviews weder über Politik noch über Religion noch über sexuelle Orientierung.“ Die Menschen, die Beatrice Grundheber interviewt, seien „kreative, sehr tolerante und offene Menschen, die in Berlin leben und das Berlingefühl und die Liebe zu Berlin teilen würden“.

    Neben Portraits gibt es auf „Berlinograd“ auch interessante Veranstaltungs- und Konzerttipps mit einem russischsprachigen Hintergrund. Außerdem freut sich die Bloggerin über Verstärkung ihre Teams und sucht Autoren.

    Paul Linke

    Das Interview mit Beatrice Grundheber zum Nachhören:

    Zum Thema:

    Deutschland übergibt 45 bislang verschollene Fotografien an russisches Schlossmuseum
    Deutschland findet Platz für Russland
    Moskauer Deutschland-Experte sieht schwarz für die Grünen und Hoffnung für Schulz
    Tags:
    Homosexualität, Propaganda, Interview, Russlanddeutsche, Russland, Deutschland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren