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09:01 21 August 2019
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    Syrische Asylbewerber in Ingolstadt

    Deutschland: Vermehrt Gastarbeiter aus Westbalkan — Politiker sehen positive Wirkung

    © AFP 2019 / Christof Stache
    Gesellschaft
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    In Deutschland werden immer mehr Gastarbeiter aus dem Westbalkan registriert. Allein in den ersten acht Monaten 2017 erteilte die Bundesagentur für Arbeit 63.000 Personen aus dieser Region eine Arbeitserlaubnis, wie „die Welt“ unter Berufung auf die Zahlen der Behörde berichtet.

    Im gleichen Vorjahreszeitraum bekamen dagegen nur etwa 37.000 Menschen aus dem Westbalkan, also 70 Prozent weniger, eine Arbeitserlaubnis in Deutschland.

    Der rapide Anstieg ist auf eine Sonderregelung zurückzuführen, die Anfang 2016 eingeführt wurde. Zusammen mit den Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak gab es damals auch einen starken Zustrom von Asylbewerbern aus den Staaten Serbien, Kosovo, Bosnien-Herzegowina, Albanien und Mazedonien.

    Berlin erklärte daraufhin diese Staaten zu sicheren Herkunftsländer, was bedeutet, dass Migranten aus diesen Ländern kaum noch eine Chance haben, als Asylberechtigte anerkannt zu werden. Gleichzeitig wurde es aber für Arbeitsmigranten mit der sogenannten Westbalkanregelung leichter, in Deutschland zu arbeiten. Dafür ist nur noch ein konkretes Jobangebot notwendig, wobei weder eine berufliche Qualifikation noch ein Mindestverdienst eine Rolle spielen. Es wird lediglich geprüft, ob die Stelle nicht von einem Bundesbürger besetzt werden könnte. In vier von fünf Fällen gibt die Bundesagentur für Arbeit aber grünes Licht.

    Das alles führt dazu, dass in erster Linie Unqualifizierte sowie Facharbeiter im Zuge der Westbalkanregelung nach Deutschland kommen. Akademiker oder andere Spezialisten machen dagegen nur noch 3,4 Prozent aus.

    Süddeutschland besonders beliebt

    Die meisten Arbeitsmigranten gehen nach Süddeutschland. Dort klagen die Unternehmen vielfach über Personalnot. Gemäß den Daten der Bundesagentur wurde fast die Hälfte der Zustimmungen in Baden-Württemberg und Bayern erteilt. Auf Hessen entfallen 20 Prozent. Nach Ostdeutschland zieht es dagegen nur wenige Gastarbeiter aus dem Balkan.

    Dabei werden die meisten Arbeitsgenehmigungen für das Baugewerbe erteilt. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres entfiel knapp die Hälfte der Zustimmungen auf diese Branche. Auch im Gastgewerbe ist die Nachfrage nach den Arbeitskräften aus dem Balkan groß. Auch Dienstleistungen wie Reinigung, Altenpflege oder Gartenarbeit sind bei den Genehmigungen stark vertreten.

    Die Löhne, die die Arbeitsmigranten aus dem Westbalkan erhalten, sind der Bundesagentur dagegen nicht bekannt. Wenn sie in Deutschland mindestens zwölf Monate beschäftigt waren, haben sie Ansprüche auf Sozialleistungen. Deswegen ist nicht auszuschließen, dass sie auch im Fall der Arbeitslosigkeit weiter im Land bleiben dürfen.

    Politiker von positiver Wirkung überzeugt

    Laut einer Analyse der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung berge die Westbalkanregelung „großes Potenzial auf dem Weg zu einer innovativen Migrationspolitik“. Auch die CSU hatte in den vergangenen Monaten immer wieder auf die positive Wirkung der Westbalkanregelung hingewiesen und gar ähnliche Regelungen für Nordafrika angeregt. So sollten auch Tunesien, Marokko und Algerien zu sicheren Herkunftsstaaten erklären werden. Der Vorschlag der großen Koalition scheiterte allerdings im vergangenen März im Bundesrat an SPD und Grünen.

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    Tags:
    Genehmigung, Fachleute, Flüchtlinge, Regelung, Chance, Gastarbeiter, Migranten, Bundesagentur für Arbeit, Westbalkan, Deutschland