21:20 21 April 2018
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    Berliner Staatsoper - Ein Vorzeigebeispiel der Steuergeldverschwendung?

    Steuergeldverschwendung in Berlin – warum die Staatsoper zu teuer und zu klein wurde

    © REUTERS / AXEL SCHMIDT
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    Aufwendig wurde in Berlin die Staatsoper restauriert. Wie es nicht selten bei solchen großen Projekten vorkommt, waren die Kosten am Ende höher als erwartet. Das eigentliche Problem lag aber woanders: Die Staatsoper ist offensichtlich von vornherein zu klein geworden. Dies berichtet am Sonntag die Frankfurter Allgemeine.

    Die Staatsoper in Berlin wurde aufwendig und sieben Jahre lang umgebaut, konnte nun aber endlich am vergangenen Dienstag wieder eröffnet werden.

    Wie der FAZ-Autor Ralph Bollmann in seinem Kommentar schreibt, hat das Berliner Dauerprojekt dabei gleich mehrere unangenehme Parallelen zum Steuergeldverschwendungsdebakel bei der Hamburger Elbphilharmonie.

    Vor allem ist es laut dem Autor die immense Kostensteigerung. So müssten zum Ende des Renovierungsprojektes stolze 400 Millionen Euro für den Umbau bezahlt werden, statt der ursprünglich veranschlagten 239 Millionen.

    Wie Bollmann kommentiert, würde das „an allzu optimistischen Berechnungen, übermäßig ambitionierten Bauplanungen, Unwägbarkeiten im Berliner Untergrund“ liegen.

    Doch das eigentliche Problem sei in diesem Zusammenhang ein ganz anderes – denn ähnliche Kostensteigerungen ereilen die meisten Großprojekte.

    Das Hauptproblem der renovierten Berliner Staatsoper sei die Tatsache geworden, dass trotz der enormen Gelder am Ende ein deutlich nicht zufriedenstellendes Resultat zustande gekommen sei.

    Der Zuschauerraum für ein Opernhaus dieser Klasse sei immer noch viel zu klein und die Sicht von den meisten Zuschauerplätzen viel zu schlecht.

    Somit belege die Berliner Staatsoper vermutlich die weltweit führende Position in einem nicht allzu rühmlichen Ranking, schreibt Bollmann:

    „Fast nirgends auf der Welt spielt ein so teures Ensemble vor so wenigen Zuschauern“, betont der Autor.

    So biete die Oper auch nach der umfassenden Renovierung Platz für maximal 1300 Zuschauer – zum Vergleich: Die Opernhäuser in München oder Mailand, Wien oder Paris bieten 2000 Besuchern Platz.

    Das spiegle auch ein generelles Problem von Kulturpolitik und Kultursubventionen in Deutschland wider.

    Eine öffentliche Kulturproduktion gebe es, aber aus Platzmangel könne sie kaum jemand sehen, sodass sie ihren Zweck verfehle, so Bollmann weiter.

    Einige Lösungen seien für dieses Problem durchaus angeboten worden.

    So hätte man beispielsweise „in das historische Gebäude Unter den Linden einen völlig neuen Zuschauerraum einbauen“ können, der viel mehr Besuchern Platz geboten hätte.

    Wie der Autor anmerkt, hätten aber „Nostalgiker“ dies verhindert, weil sie den Kreiskulturhaus-Saal unbedingt in seiner Form hätten erhalten wollen.

    Am Ende sei das Problem aber bei der Politik geblieben, die sich nicht getraut habe, die Lösungsvorschläge konsequent umzusetzen – auch wegen der befürchteten Unzufriedenheit der Zuschauer, Künstler und Wähler.

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    Tags:
    Steuergelderverschwendung, Berliner Staatsoper, FAZ, Berlin
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