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    Gedenktag - 50 Jahre seit Che Guevara Tod (Archivbild)Gedenktag - 50 Jahre seit Che Guevara Tod (Archivbild)

    Die „vom Geldgeruch durchdrungene Welt“ und ihre Sehnsucht: 50 Jahre ohne Che

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    Der Tod von Che Guevara jährt sich am 9. Oktober zum 50. Mal. Warum der Glaube an das kubanische Revolutionsmärchen weiterlebt, erläutert der russische Journalist und Buchautor Maksim Makarytschew in einem Kommentar für die „Rossijskaja Gaseta“.

    „Mützen à la Che oder T-Shirts mit seinem Konterfei zählen derzeit zu den häufigsten Souvenirs weltweit. Der Revolutionär, der das Wesen des Geldes hasste und sogar dessen Umlauf auf Kuba abschaffen wollte, blieb von der Zeit nicht verschont“, schreibt Makarytschew. Die Gestalt von Che werde inzwischen von jenen Geldmachern instrumentalisiert, gegen die er sein Leben geopfert hatte.

    Es sei tatsächlich nicht leicht, über Fidel Castro und Che rational zu schreiben, denn man gerate schnell in den Bann der revolutionären Romantik: „Doch unsere rationale und vom Geldgeruch durchdrungene Welt sehnt sich gerade nach jener einstigen Romantik, trauert nahezu um sie. Wer von der allgemeinen Kleinkrämerei müde ist, betrachtet diese beiden legendären Figuren deshalb als letzte Romantiker, die die Welt verändern konnten. Sie lassen an jene sagenhafte, sogar antike Helden zurückdenken, auf die der nach Gerechtigkeit lechzende Teil der Menschheit immer warten wird.“

    „Mit seiner Offenheit und seiner manchmal waghalsigen Unverblümtheit machte Che Kreml-Beamte verdutzt, die dann Fidel zu verstehen gaben, dass ‚wir mit diesem Argentinier nicht arbeiten werden‘. Doch Che redete weiter Klartext und machte kein Hehl aus seiner kritischen Haltung zu den sowjetischen Verhältnissen, aus seiner Unzufriedenheit mit der Bürokratie, in der unsere Verwaltungsorgane versanken. Während seines Besuchs in einer sowjetischen Fabrik schockierte er alle, als er sagte, die Sowjetunion sei in eine wirtschaftliche Sackgasse geraten“, so der Kommentar.

    „Er überzeugte mit seiner Verwegenheit, aber auch mit seinem nahezu verrückten Glauben daran, dass seine Sache richtig ist. Mit diesem Glauben steckte er auch seine bärtigen kubanischen Genossen an. Ein Fakt als Beispiel: Vor Beginn der ‚Granma‘-Mission willigte er sofort ein, eine Art Versuchskaninchen zu werden: An ihm trainierten die künftigen Aufständischen dafür, Spritzen zu geben. Während der Vorbereitungen bekam Che rund 100 Spritzen! Der schmächtige argentinische Arzt stieg nicht nur zu einem der geschicktesten und tapfersten Kommandeure der Rebellenarmee auf, sondern schrieb auch erstaunliche Handbücher zur Strategie des Guerillakampfes, die nun selbst von erfahrenen Feldherren studiert werden“, so der Artikel weiter.

    Die geschlossene US-Botschaft auf Kuba
    © REUTERS / Alexandre Meneghini
    „Er starb jung, schaffte aber das Wichtigste: Die neue Generation der Kubaner hat ihr unglaubliches Stolz- und Solidaritätsgefühl nicht zuletzt seinem Beispiel zu verdanken. Dieses Gefühl ist tief im Bewusstsein der Inselbewohner verankert, die von Kindheit an so erzogen werden“, postuliert Makarytschew.

    „Solange es Erniedrigte und Beleidigte in der Welt gibt und Ungerechtigkeit herrscht, solange ‚auserwählte‘ Länder oder Menschen anderen Staaten und Millionen Menschen ihre ‚unfehlbaren Normen‘ diktieren und aufzwingen, wird man an das kubanische Revolutionsmärchen weiter glauben“, meint der Autor.

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    Meinung, Jubiläum, Geschichte, Revolution, Che Guevara, Fidel Castro, Kuba