03:19 17 Juni 2019
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    Ein „Zelt-Dorf“ der Obdachlosen im Berliner Tiergarten

    Brennpunkt Tiergarten: Kommt nach „Rambo-Aktion“ neue Strategie?

    © Sputnik / Alexander Boos
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    Ein illegales Zeltlager für Obdachlose im Berliner Tiergarten wurde am Montag durch Polizei und Ordnungsamt geräumt. Problem werde nicht gelöst, nur räumlich verschoben, kritisieren Polizeigewerkschaft und Wohlfahrtsverbände. Caritas zu Sputnik: „Nur Strategiekonferenz mit allen Beteiligten kann Problem lösen.“ Eine solche sei schon auf dem Weg.

    „Es wird Zeit, dass sich alle beteiligten Akteure zu einer Strategiekonferenz zusammenfinden“, sagte der Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Caritasverband Berlin, Thomas Gleißner, gegenüber Sputnik. Die Idee einer Strategiekonferenz mit Vertretern von Politik und Wohlfahrtsverbänden sei bereits als Vorschlag durch die betroffenen Berliner Bezirksbürgermeister dem Senat unterbreitet worden, so der Caritassprecher weiter.

    „Die Räumungen von Zeltplätzen lösen das Problem nicht, sondern verschieben es nur räumlich“, fuhr der Caritassprecher fort.

    „Man muss die Situation im Tiergarten sehr differenziert sehen. Dort existiert eine schwierige Gemengelage. Die Politik kann nicht einfach irgendjemanden, den sie im Park vorfindet, für diese Situation verantwortlich machen.“ Solche Maßnahmen seien von „Aktionismus“ geprägt. Zuvor hatte Berlins Caritas-Chefin Ulrike Kostka von einer "Rambo-Aktion" gesprochen.

    Polizeigewerkschaft: „Wir begrüßen diese Konferenz“

    Die Berliner Polizeigewerkschaft begrüße die Idee einer solchen Konferenz.

    „Das wäre ein richtiger Schritt“, sagte Benjamin Jendro gegenüber Sputnik. „Jetzt müssen sich alle an einen Tisch setzen. Akteure wie die Bezirke, die Caritas und auch die Bahnhofsmission sollten zusammenkommen, sich austauschen, nach Lösungen suchen. Natürlich leisten wir als Polizei Amtshilfe, wenn es um die Räumung eines illegalen Zeltlagers geht. Aber die Obdachlosen campieren dann halt woanders. Das ist keine Dauerlösung.“

    Es seien nicht nur Osteuropäer, sondern auch Deutsche unter den Wohnungslosen. Letztlich handle es sich hierbei um ein städtisches Problem, das auch die Frage von Wohnungsknappheit beinhalte.

    Am Montag  erfolgte eine Räumung der illegalen Zeltlager am Zooverbindungsweg im Großen Tiergarten. Die Auflösung der Obdachlosenunterkunft wurde von Mitarbeitern des Ordnungsamtes sowie des Straßen- und Grünflächenamtes mit Unterstützung der Berliner Polizei durchgeführt.

    Obdachlose suchen sich neue Bezirke

    Wie Berliner Medien berichteten, sei es „nach Angaben der Caritas gut möglich“, dass Obdachlose nach den Räumungen nun verstärkt die Bezirke Berlin-Neukölln und Tempelhof-Schöneberg aufsuchen. Daher sprach auch Neuköllns Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) laut Medienberichten davon, dass die Obdachlosen einfach „auf andere öffentliche Orte in Berlin“ ausweichen würden.

    „Wir können die rechtswidrigen Zustände im Tiergarten nicht hinnehmen und sind verpflichtet, die öffentliche Ordnung wiederherzustellen“, sagte Stephan von Dassel (Grüne), Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, am Montag laut einer aktuellen Pressemitteilung des Bezirksamts Berlin-Mitte. Die dortige Pressestelle war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme gegenüber Sputnik nicht zu erreichen.

    Alexander Boos

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    Tags:
    Räumungsarbeiten, Obdachloser, Zelte, Tiergarten, Polizeigewerkschaft GdP, Berlin, Deutschland