08:30 25 November 2017
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    Revolution als Kunstaktion

    “Klassenkampf statt Krieg”: Oktoberrevolution rollt über Deutschland

    © Foto: Aktionsbüro "Das Begräbnis oder DIE HIMMLISCHEN VIER"
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    Ein Zug aus Kanonen, Panzern, aber auch Traktoren und Lastwagen fuhr durch die Straßen Hamburgs, zieht gerade durch Bremen und bald auch durch Berlin. Diese Kunstaktion soll an die Oktoberrevolution vor 100 Jahren erinnern – und sieht in der damaligen Revolution einen Ausweg aus dem heute kollabierenden Kapitalismus.

    In Hamburg rollten russische und sowjetische Panzer, angeführt von einer Kanone der Pariser Kommune. Sie rollten anlässlich der Oktoberrevolution an vier aufeinanderfolgenden Tagen zum Erstaunen der Hamburger durch die Straßen und waren Teil einer „Kunstaktion“ der internationalen Aktionseinheit „Revolution statt Krieg“.

    Die Kunstaktion in Bewegung
    © Foto: Aktionsbüro "Das Begräbnis oder DIE HIMMLISCHEN VIER"
    Die Kunstaktion in Bewegung

    Laut Stephan Eggerdinger, Sprecher des Aktionsbüros „Klassenkampf statt Weltkrieg“, sollte das Kriegsgerät daran erinnern, „dass es immer Revolutionen waren, die die großen Kriege beendet hatten“. So hätten die französischen Kanonen mit ihrem Donner 1871 das Ende des Deutsch-Französischen Kriegs eingeläutet.

    Und der Panzerkreuzer „Aurora“ habe mit seinem Schuss zum Beginn des Aufstands „das Ausscheiden Russlands aus dem großen Völkergemetzel des Ersten Weltkriegs“ markiert. Die Absicht der Aktion ist es also, „vor dem kommenden Krieg zu warnen“. Denn derzeit kontrollierten wenige Großmächte die Erde und: „Deren Zusammenstoß droht unseres Erachtens, die Welt in eine neue Phase eines umfassenden Kriegs zu stürzen“, so Eggerdinger.

    Eine der Kanonen der Pariser Kommune
    © Foto: Aktionsbüro "Das Begräbnis oder DIE HIMMLISCHEN VIER"
    Eine der Kanonen der Pariser Kommune

    Doch das sei nicht der einzige Zweck der Aktion, sondern ihr liege auch ein Appell zugrunde, nämlich „der Aufruf, dem Weg dieser Revolution zu folgen“. Denn für Eggerdinger spitzen sich die Dinge auf der Welt nicht nur in der Frage nach Krieg oder Frieden zu, sondern die gesamte Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung sei im Zerfall begriffen, in dem er das „Ende der kapitalistischen Ära“ sieht.

    Die Gruppe „Notstand der Republik“, die Teil der Aktionseinheit ist, übt dabei auch konkret Kritik am heutigen Deutschland. Die Demokratie sei Stück für Stück abgeschafft worden. Es lägen seit zehn Jahren zahlreiche Verstöße gegen die deutsche Verfassung vor, was die Arbeit von Polizei und Geheimdiensten sowie die direkte Überwachung und Bedrohung der Bürger durch den Staatsapparat betrifft.

    Der Panzerkreuzer „Aurora“ hatte den Startschuss zum Sturm auf das Petersburger Winterpalais abgegeben
    © Foto: Aktionsbüro "Das Begräbnis oder DIE HIMMLISCHEN VIER"
    Der Panzerkreuzer „Aurora“ hatte den Startschuss zum Sturm auf das Petersburger Winterpalais abgegeben

    Dabei gibt es für die Aktionseinheit einen Weg aus der Sackgasse des Kapitalismus, und der sei bereits beschritten worden: der Weg der russischen Arbeiter und Bauern nämlich, die Oktoberrevolution. Deswegen bemerkt Eggerdinger auch zur Aktion: „Es soll durchaus ein Aufruf sein, sich zu organisieren, sich zusammenzuschließen für eine grundsätzliche Veränderung der Dinge.“ Leider, so Eggerdinger, habe sich Russland jedoch zugunsten Weniger von den Errungenschaften der Oktoberrevolution entfernt.

    Oktoberrevolution hundert Jahre später als Vorbild?
    © Foto: Aktionsbüro "Das Begräbnis oder DIE HIMMLISCHEN VIER"
    Oktoberrevolution hundert Jahre später als Vorbild?

    Dass die Oktoberrevolution aber keinen Irrweg eingeleitet hatte, demonstrierten die Veranstalter mit einem sowjetischen Traktor, der zeigte, dass das kommunistische Land den Westen in wenigen Jahrzehnten aufholen konnte. Dem Traktor schloss sich in der Kolonne außerdem ein T34-Panzer an, der ein wesentlicher Bestandteil im Kampf der Sowjets gegen den Faschismus gewesen war.

    Der T34-Panzer, der zum Sieg der Sowjets über das Dritte Reich beigetragen hatte
    © Foto: Aktionsbüro "Das Begräbnis oder DIE HIMMLISCHEN VIER"
    Der T34-Panzer, der zum Sieg der Sowjets über das Dritte Reich beigetragen hatte

    Und wie haben die Bürgerinnen und Bürger in Hamburg auf diese Aktion reagiert? Eggerdinger bezeichnet die Reaktionen als interessant, weil diese „die Klassenspaltung“ widerspiegelten. In Vierteln mit gutsituierten Bürgern hätten wohlwollende Bürger den Aufzug mit einem Schmunzeln als zu einer anderen Epoche gehörig gewertet und hätten „das alles ins Museum stellen wollen“. Es hätte aber auch wütende Angriffe auf diese Darstellung gegeben. In den Vierteln „der kleinen Leute“ dagegen sei man auf Zustimmung und großes Interesse gestoßen.

    Die Reaktionen der Bürger sind nicht immer so enthusiastisch ausgefallen
    © Foto: Aktionsbüro "Das Begräbnis oder DIE HIMMLISCHEN VIER"
    Die Reaktionen der Bürger sind nicht immer so enthusiastisch ausgefallen

    Die Aktion ist damit noch nicht abgeschlossen. Diese Woche konnte man sie in Bremen erleben und am Sonntag, Montag und Dienstag zieht die Kolonne aus Revolutionssymbolen und Kriegsgerät durch Berlin.

    Valentin Raskatov

    Das komplette Interview mit Stephan Eggerdinger zum Nachhören:

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    Tags:
    Aktion, Reaktion, Geschichte, Oktoberrevolution 1917, UdSSR, Deutschland
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