18:19 17 November 2017
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    US-Truppen in Wladiwostok während russischen Bürgerkriegs (Archivbild)

    Noch vor Revolution 1917: USA strebten Reservate für Russen an

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    100 Jahre Oktoberrevolution (14)
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    Während des Ersten Weltkriegs haben die USA nach den Worten Walentin Falins, Ex-Berater von Gromyko und Chruschtschow und Botschafter in der BRD in den 70er Jahren, Deutschland gedrängt, den Krieg im Westen einzustellen und alle Truppen in den Osten zu verlegen.

    Der bedeutende russische Analytiker hatte US-Archive untersucht und erörterte während der unter der Schirmherrschaft der Nachrichtenagentur Rossiya Segodnya stattgefunden internationalen Konferenz des Zinoviev Clubs, die das 100. Jubiläum der Russischen Revolution zum Thema hatte, unter welchen Bedingungen jene herangereift war.

    „In den Jahren 1916–17“, so der Historiker, „kam Oberst House, der Hauptberater des damaligen US-Präsidenten, nach Berlin und schlug vor, das gegen Russland verhängte Urteil auszuführen – ein 400 mal 600 Kilometer großes Reservat für die Russen zu bilden, mit Moskau in der Mitte, nach dem Vorbild der US-Reservate für die Indianer. Alles Übrige sollte von Russland abgetrennt werden.“

    Walentin Falin – Botschafter der UdSSR in der BRD in 70ger Jahren
    © Sputnik/ Nikolaj Jolkin
    Walentin Falin – Botschafter der UdSSR in der BRD in 70ger Jahren

    Kaiser Wilhelm II. sei darauf nicht eingegangen, fuhr Falin fort. „Dann indoktrinierten die USA und Großbritannien die Umgebung von Nikolai II. (Der damalige britische Premier – Anm. d. Red.) David Lloyd George begrüßte die Entthronung des Zaren und die Februarrevolution mit den Worten: ‚Russland wird sich nie erholen und die Größe des Britischen Reichs nie gefährden‘. Und dann kam es zum Bürgerkrieg und zur militärischen Intervention durch die führenden Länder Europas, die USA und Japan gegen das Sowjetrussland.“

    Der Experte bezeichnete es als „eine Aggression, wie sie vorher weltweit nie erlebt wurde. Damals entstanden auch die ersten amerikanischen Konzentrationslager in der Region Astrachan. Und im Osten Russlands — japanische Konzentrationslager.“

    Sergej Schelesnjak, stellvertretender Generalsekretär der Regierungspartei „Geeintes Russland“, legte seine Sicht auf die Ereignisse vor hundert Jahren dar: „Hätten damals die Eliten das Land nicht in Stücke gerissen und nicht versucht, die einen oder anderen Schwierigkeiten auszuschlachten, die es damals gegeben hat, sondern sich zusammengetan, um die Veränderungen, die das Land nötig hatte, für die Gesellschaft konsequent, einleuchtend und akzeptabel zu gestalten, dann wäre auch die Große Oktoberrevolution in diesem Ausmaß ausgeblieben. Auch hätten wir möglicherweise weit mehr erreicht, da unser Land gemessen an seinem menschlichen Potential einzigartig ist.“

    • Internationale Konferenz des Zinoviev Clubs zu 100 Jahren russische Revolution in Nachrichtenagentur „Rossiya Segodnya“
      Internationale Konferenz des Zinoviev Clubs zu 100 Jahren russische Revolution in Nachrichtenagentur „Rossiya Segodnya“
      © Sputnik/ Nikolaj Jolkin
    • Internationale Konferenz des Zinoviev Clubs zu 100 Jahren russische Revolution in Nachrichtenagentur „Rossiya Segodnya“
      Internationale Konferenz des Zinoviev Clubs zu 100 Jahren russische Revolution in Nachrichtenagentur „Rossiya Segodnya“
      © Sputnik/ Nikolaj Jolkin
    • Internationale Konferenz des Zinoviev Clubs zu 100 Jahren russische Revolution in Nachrichtenagentur „Rossiya Segodnya“
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      © Sputnik/ Nikolaj Jolkin
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    Internationale Konferenz des Zinoviev Clubs zu 100 Jahren russische Revolution in Nachrichtenagentur „Rossiya Segodnya“

    Der Politiker nannte die bürgerliche Februarrevolution „eine Revolution der Spaltung und des Verrats durch die Eliten" und die darauffolgende Oktoberrevolution den "Machtantritt der Bolschewiken vor dem Hintergrund einer völligen Machtlosigkeit und eines faktischen Verzichts der Mehrheit der Eliten auf Macht und Verantwortung für das Land“.

    Schelesnjak schlussfolgerte:

    „Die Verantwortungslosigkeit der Machthaber führte zum grausamen Terror, der unter anderem mit der Herstellung der Ordnung und Verhinderung des Zerfalls des Landes zu tun hatte. Er war eine notgedrungene Reaktion auf den Kollaps der Staatsverwaltung. Die Staatsmacht darf nicht schwach sein, weil ihre Schwäche katastrophale Folgen hat, die dann um den Preis eines großen Blutvergießens bewältigt werden müssen.“

    Auch der TV-Moderator Dmitri Kulikow, der die Konferenz leitete, wies darauf hin, dass die Russische Revolution „mit einer Verschwörung der Elite begann – die Zarenfamilie, die Beamten und Generäle mit einbegriffen, die sich an den staatlichen Kriegsaufträgen bereicherten. Alle nannten sich Sozialisten. Auch der Großfürst ging nach der Abdankung seines Bruders mit roter Schleife aus. Nachher erwies es sich, dass sie an der Macht nicht festhalten konnten. Im Laufe von wenigen Monaten ruinierten sie Land, Macht, Ordnung, Finanzen, Wirtschaft und Streitkräfte. So hatten die Bolschewiken die Macht nur vom Boden aufzuheben. Übrigens nannten Lenin selbst und andere Bolschewiken die Oktoberrevolution ohne Bedenken einen Staatsstreich.“

    Nikolaj Jolkin

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    Tags:
    Experten, Diskussionsforum, Oktoberrevolution, Nikolaj Jolkin, Sowjetunion, Russland
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