06:02 08 Dezember 2019
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    100 Jahre Oktoberrevolution – „Der Kapitalismus ist nicht das Ende der Geschichte“

    © Sputnik / Alexej Kudenko
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    Am 25. Oktober 1917 eroberten die kommunistischen Bolschewiki unter der Führung Wladimir Iljitsch Lenins in Russland die Macht. Dr. Alexander Neu war für die Fraktion der Linkspartei bei den hundertjährigen Feierlichkeiten in Moskau. Für ihn war die Revolution 1917 eine Weltzäsur in der Geschichte.

    105 Kommunistische und einige Dutzend linke Parteien waren bei den Feierlichkeiten in Moskau anwesend, berichtete der Bundestagsabgeordnete Neu im Sputnik-Interview. Geladen hatte der Chef der Kommunistischen Partei (KP) der Russischen Föderation Gennadi Sjuganow.

    „Es war sehr berührend“, berichtet Neu. „Die Revolution 1917 war eine Weltzäsur in der Geschichte, mindestens vom Ausmaß der französischen Revolution 1789, vielleicht sogar weitergehend, was auch den Fortschritt anbetrifft ‒ den zivilisatorischen Fortschritt hin zu einer neuen Gesellschaft. Man konnte den Optimismus vernehmen, dass eben der Kapitalismus nicht das Ende der Geschichte ist, sondern dass der Sozialismus auch in veränderter Form eine Zukunft haben kann und erkämpft werden muss.“

    Kommunisten auf dem Roten Platz anlässlich des 100. Jahrestags der Oktober-Revolution
    © Sputnik / Witali Beloussow
    Das Jubiläum sollte man auf jeden Fall mit einem Ausmaß an Hochachtung begehen, betont der Linkspolitiker. Was danach unter Josef Stalin geschehen sei, müsse man von der Oktoberrevolution getrennt betrachten. Neu unterscheide sehr stark zwischen der revolutionären Tat von Lenin und seinem Nachfolger Stalin. Das totalitäre Regime unter Stalin sei natürlich dezidiert abzulehnen. Unter Stalin seien mehr Kommunisten ums Leben gekommen und getötet worden als sonst irgendwo in der Geschichte. Lenin sei im Wesentlichen der Träger dieser Revolution, und das müsse man honorieren. 

    „Der Aspekt der sozialen Marktwirtschaft, des rheinischen Kapitalismus auch in Westdeutschland von den Fünfzigern bis in die achtziger Jahre, ist auch im unmittelbaren Zusammenhang mit der Oktoberrevolution zu sehen“, führt Neu aus.

    „Die soziale Marktwirtschaft in der westlichen Hemisphäre ist eine Antwort auf das Konkurrenzmodell Sozialismus gewesen. In dem Moment, wo der Ostblock ‒ der real existierende Sozialismus im Osten ‒ weggefallen ist, brach auch der Neoliberalismus in Deutschland aus. Das erkennt man daran, wie rasch nach 1989/90 eine neoliberale Wende stattgefunden hat, spätestens auch mit der Rot-Grünen Regierung und der SPD.“

    Die deutschen Medien würden die Oktoberrevolution als ein falsches und verbrecherisches Ereignis darstellen, weil es die Monarchie und letztendlich auch den Kapitalismus in Frage stellen würde und die Monarchie gestürzt habe. Das sei für Neu letztlich auch nur Propaganda. Ihn wundert es, warum die Medien nicht fragen würden, wie viele Millionen Menschen unter dem Zarismus ums Leben gekommen seien. Die Menschen 1917 seien am Ende ihrer Kräfte gewesen, und die Bolschewiken hätten das gemacht, was die Menschen in Russland wollten: Frieden und Stabilität bringen. Er betont:

    „Sie haben das Gegenteil von dem gemacht, was der Zar gemacht hat, nämlich keinen Krieg mehr geführt. Das wird von den Medien hier weitgehend verschwiegen. Auch in Russland blicken vor allem auch die älteren Generationen immer noch mit Dankbarkeit zurück auf die Zeit des Sozialismus. Sehr viele Menschen in Russland identifizieren sich immer noch mit der Sowjetunion. Auch Präsident Putin habe eine Grußbotschaft an die KP in dieser Welt geschickt. Putin mag kein Kommunist mehr sein, aber Putin weiß auch, dass der Sozialismus ein Teil der russischen Geschichte ist. Das ignoriert er nicht. Er nimmt es zur Kenntnis und integriert es.“

    Bolle Selke

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Interview, Gedenktag, Revolution, Alexander Neu, Wladimir Putin, Gennadi Sjuganow, Russland