04:25 15 Dezember 2019
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    Flüchtlingskinder an einer deutschen Schule (Archiv)

    Neues Integrationsprogramm: Flüchtlinge nun Hilfslehrer an deutschen Schulen

    © AFP 2019 / DANIEL ROLAND
    Gesellschaft
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    Im Rahmen des Refugee Teacher Programs unterrichten seit Anfang Oktober zwölf Flüchtlinge als Hilfslehrer an Brandenburger Schulen, berichten deutsche Medien.

    „Unser Refugee Teacher Programm ist in Deutschland bislang einzigartig“, sagte der Präsident der Universität Potsdam, Oliver Günther, am Donnerstag in der Goethe-Grundschule der Landeshauptstadt.

    Registrierung von angekommenen Flüchtlingen in Deutschland (Archivbild)
    © AP Photo / Matthias Schrader
    Laut der Professorin Miriam Vock, die das Programm entwickelte, sind intensive Sprachkurse und ein Schulpraktikum der Kern der Integrationsinitiative. „Über ein Semester lang ist jeder Teilnehmer, jede Teilnehmerin für einen Tag pro Woche zur Schule gegangen, hat dort hospitiert und mitgeholfen.“

    Als Voraussetzung für Lehrkräfte gilt der Sprachabschluss C2 – das heißt muttersprachliches Niveau. Die meisten Absolventen erreichen allerdings erst eine Stufe darunter und arbeiten deshalb zunächst als Assistenzlehrer, befristet für ein Jahr. In der Zeit können sie weitere Sprachkurse besuchen und ihre Sprachkenntnisse im Schulalltag trainieren.

    „Sie fühlen sich mehr wohl, die Kinder. Weil sie können mehr fragen. Und sie können auch in ihrer Muttersprache manchmal sprechen. Sie können mich fragen: Ich hab das nicht verstanden <…>. Und dann das hilft ein bisschen“, meint Hend Alkhabbaz, die 2015 aus Syrien flüchtete und jetzt die Grundkenntnisse der deutschen Sprache vermittelt.

    Hend Alkhabbaz unterrichtete in ihrer Heimat Englisch und gehört jetzt zu den ersten syrischen Lehrerinnen und Lehrern an deutschen Schulen. Alle sind in Brandenburg im Einsatz und haben bis Ende September ein anderthalbjähriges Qualifizierungsprogramm der Universität Potsdam absolviert.

    „Frau Alkhabbaz ist eine Lehrerin aus Leidenschaft, das sieht man. Und ich hoffe doch sehr, dass sie dann auch für immer bei uns bleibt“, sagte die Direktorin der Schule Ines Tesch.

    Ihr zufolge hilft ihre neue Kollegin auch als Dolmetscherin und Vermittlerin zwischen den Kulturen: Zuvor war es immer ein Problem, mit den Eltern über die schulische Entwicklung des Kindes oder über Organisatorisches zu sprechen.

    Eine Rückkehr nach Syrien ist für Hend Alkhabbaz derzeit nicht möglich. „Niemand weiß, was passiert in Syrien in der Zukunft. Niemand! … Aber so muss man hier ein bisschen wirklich einen richtigen Schritt machen. Das man hier gut leben kann“, sagte sie.

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    Tags:
    Initiative, Migranten, Integration, Schule, Deutschland